Versicherungspleite – Was passiert mit meiner Lebensversicherung?

Sicherheit der Lebensversicherungsverträge

Immer mehr Kassen und Versicherungen stehen rechnerisch schlecht da
Noch geht die Rechnung auf, aber immer mehr Kassen bekommen Probleme (Bildquelle: Pixbay)
 

Die Zinsen sind niedrig und die Erträge in den Portfolios wachsen schon lange nicht mehr in den Himmel. Aus diesem Grund werden immer wieder Probleme in der Versicherungsbranche thematisiert. Erst Ende des Jahres 2019 wurde über die Kürzung von Leistungen in der Pensionskasse der Steuerberater berichtet. Doch was genau passiert eigentlich mit einem Lebensversicherungsvertrag im Falle einer Insolvenz?


Ob nun die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank, oder der immer weiter um sich greifende Protektionismus in der westlichen Welt – die Portfolioverwalter haben es immer schwerer, auskömmliche Renditen zu erwirtschaften. Zuletzt rief dieser Umstand sogar die Finanzaufsicht BaFin auf den Plan. Schon Ende November untersagte die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht der Pensionskasse der Steuerberater das Neugeschäft. Wie aus einem Artikel von institutional-money.com hervorgeht, benötigt die Pensionskasse stolze 3,48 % Rendite um den garantierten Zusagen nachzukommen – ein echter Brocken.

Doch auch andere Kassen haben es schwer. Aktuell befinden sich 31 der 135 Pensionskassen unter verschärfter BaFin-Beobachtung.


Sichere Renditen so tief wie nie


Das Hauptproblem der Versicherungen und Pensionskassen ist dabei der extrem tiefe Zins in der Eurozone. Vor allem in Deutschland ist die Lage besonders schlimm. Immerhin gehören deutsche Staatsanleihen aufgrund ihrer sehr guten Bonität zu den bevorzugten sicheren Anlagen der Branche. Doch diese sicheren Papiere stellen gleichzeitig auch die größte Herausforderung dar. Denn deutsche Staatsanleihen bringen kein Geld mehr ein – im Gegenteil. Große Teile der deutschen Staatsanleihen notieren im Bereich der negativen Renditen. Aus diesem Grund wird die Lage für Versicherungen und Pensionskassen immer dramatischer. Axel Kleinlein, Versicherungsmathematiker und Vorstandssprecher des Bund der Versicherten fand im Managermagazin zuletzt deutliche Worte zur „Gesundheit“ der Versicherungsbranche. Doch man muss kein Mathematiker sein um zu wissen, dass die Zeiten für Versicherungen immer schwieriger werden. Doch was genau passiert mit einem Versicherungsvertrag im Falle einer Insolvenz des Versicherungsunternehmens?


BaFin regelt den Insolvenzfall


Alle zugelassenen Lebensversicherungsunternehmen mit Sitz in Deutschland sind Pflichtmitglieder des Sicherungsfonds für die Lebensversicherer. Die Protektor Lebensversicherungs-AG als Sicherungsfonds übernimmt dabei im Falle eines sogenannten Sicherungsfalls die Verträge der notleidenden Gesellschaft, um diese zu schützen.

Aus diesem Grund müssen Versicherte im Falle einer Pleite nicht in Panik verfallen. Doch natürlich gibt es offenen Fragen über die Höhe der Sicherung durch die Protektor Lebensversicherungs-AG. Denn was passiert etwa, wenn der Schaden einer Gesellschaft äußerst hoch ist, oder sogar mehrere Unternehmen zur gleichen Zeit zu einem Sicherungsfall werden?

Im Falle einer nicht ausreichenden Deckung der Mittel des Sicherungsfonds, können die vertraglich garantierten Leistungen um bis zu 5 % herabgesetzt werden. In diesem Falle entsteht dann ein tatsächlicher Schaden für die Versicherten. Und was passiert, wenn auch dieser Schritt noch nicht ausreicht?

Sollte der Fehlbetrag auch nach der Kürzung der Leistungen nicht ausreichen, stellt die Versicherungsbranche nach Maßgabe einer freiwilligen Selbstverpflichtungserklärung neue Mittel bereit. Außerdem können weitere Aktionen zur Stabilisierung ergriffen werden. So kann die Aufsicht BaFin etwa ein zeitweiliges Kündigungsverbot aussprechen, um die Sanierung zu erleichtern.

Die genauen Schritte im Falle eines Sicherungsfalls, können auf der Seite der BaFin nachgelesen werden.


Fazit


Die Deutsche Versicherungswirtschaft ist auf kleinere Krisen gut vorbereitet. Ein Sicherungsfall eines Pflichtmitglieds dürfte ohne große Schwierigkeiten beherrschbar sein. Schwierig wird es üblicherweise immer dann, wenn sehr viele Versicherer zur selben Zeit Probleme bekommen. Wenn man den Worten von Axel Kleinlein glauben schenkt, dann ist allerdings genau dort die Herausforderung der nächsten Jahre für die Versicherungsbranche zu finden. Erst ein Ende der ultraexpansiven Geldpolitik könnte das Problem etwas entschärfen. Denn nur planbare und sichere Zinseinnahmen, die in der Nähe der garantierten Leistungen liegen, können die Portfoliorenditen wieder dauerhaft anheben.

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