Der Ölmarkt – Rohölsorten und Handelsplätze für das schwarze Gold

 

Das Trading am Ölmarkt kann verwirrend sein, zumindest im Austausch unter den Tradern. Auch Anleger haben immer wieder Schwierigkeiten, den „richtigen“ Ölpreis zu finden. Denn es gibt nicht „den Ölpreis“, sondern vielmehr unterschiedliche Sorten an Rohöl. Diesen Unterschieden widmen wir uns in diesem Artikel.

 

Eventuell kennen Sie auch die Unterhaltungen in Börsenforen, in denen ein Trader sagt, er würde „Long im Öl“ sein. Kurz darauf fragt dann jemand, ob er WTI oder Brent meint. Genau dieser Problematik nähern wir uns heute in diesem Beitrag.

 

Welche Rohöl Sorten sind wichtig?

Im Warenverkehr muss eine Vergleichbarkeit sichergestellt sein. Der sinngemäße Vergleich von „Äpfeln mit Birnen“ funktioniert in Alltagssituationen ebensowenig, wie auf dem Wochenmarkt. Am Markt für Rohstoffe kann dies noch komplizierter werden, wenn ganze Warenströme zwischen Ländern oder Unternehmen verhandelt werden. Hier geht es schliesslich um hohe Summen und auch große Warenmengen.

Rohöl gilt noch immer als Motor der Wirtschaft und Schmierstoff für viele Prozesse wie auch Waren. So muss im Handel mit Rohöl klar definiert sein, was eine Einheit dieser Ware darstellt. Förderregionen, der Schwefelgehalt oder auch die Dichte des Öls sind hierbei die wichtigsten Faktoren. So liegt beispielsweise der Schwefelgehalt beim Öl aus Nahost bei 2,8 Prozent und in Großbritannien nur bei 0,3 Prozent.

So gibt es mehr als 30 unterschiedliche Sorten auf den Weltmärkten. Bekannt ist Ihnen womöglich nur das Brent Crude oder das WTI Oil. Doch wenn man nach Mexiko sieht, ist die Sorte Maya dominant und in Singapur die Sorte Tapis. Diese sind nur stellvertretend genannt, weitere Sorten finden Sie im nun folgenden Absatz. Auch zu den Handelsplätzen komme ich später noch einmal, denn nun möchte ich erst einmal die Rolle der OPEC in diesem Kontext richtig einordnen.

 

Die Rolle der OPEC

Nicht nur Anlegern und Tradern ist die OPEC sicherlich ein Begriff. Als „Organisation erdölexportierender Länder“ wurde sie 1960 gegründet und besteht nunmehr aus 14 Staaten, die ein Kartell bilden. Damit soll eine Preisbildung innerhalb eines definierten Korridors gewährleistet werden und Stabilität erfolgen. Die OPEC repräsentiert einen großen Anteil der größten Förderländer der Welt mit einem Fördervolumen von 40 Prozent und bestehen aus diesen Ländern:

 

  • Algerien
  • Angola
  • Ecuador
  • Aquatorialguinea
  • Gabun
  • Iran
  • Irak
  • Kuwait
  • Libyen
  • Nigeria
  • Katar
  • Saudi-Arabien
  • Vereinigte Arabische Emirate
  • Venezuela

 

Wie man sieht, gehört die USA nicht dazu! Dennoch verfügen diese Länder über rund 75 Prozent der geschätzten Erdölvorkommen der Welt und haben daher auf die Weltwirtschaft einen erheblichen Einfluss. Dies kann in Krisenzeiten durchaus sinnvoll sein, entspricht aber auch oft einem gewissen Eigennutz. Denn die finanziellen Probleme in einigen dieser Länder sind nicht von der der Hand zu weißen und der Verdacht liegt nahe, dass ein hoher Ölpreis durchaus gewollt ist und in diesen Ländern für eine lukrative Einnahmequelle verantwortlich ist.

Immerhin wurde die OPEC auch in einer Krisenzeit gegründet, als der Ölpreis sehr tief stand und mehrere der genannten Länder sich in einer Haushaltskrise befanden.

Insgesamt betrachtet die OPEC bei ihren Preisabsprachen auch immer nur einen Korb aus ihren individuellen Sorten. Diese sind:

 

  • Saharin Blend – Algerien
  • Minas – Indonesien
  • Iran Heavy – Iran
  • Basra Light – Irak
  • Kuwait Export – Kuwait
  • Es Sider –Libyen
  • Bonny Light – Nigeria
  • Qatar Marine – Qatar
  • Arab Light – Saudi Arabien
  • Murban – Vereinigte Arabische Emirate (VAE)
  • BCF 17 – Venezuela

 

China Rohöl-Future – Wird der Handel ein Erfolg?

 

Handel der Ölsorten

So unterschiedlich die Rohöl-Sorten sind, so unterschiedlich sind auch die Handelsplätze rund um den Globus. Zu den wichtigsten Börsen für Rohöl auf dem Rohstoffmarkt zählen:

 

  • New York Mercantile Exchange (NYMEX)
  • ICE FUTURES London (früher auch International Petroleum Exchange genannt)
  • ARA Rotterdam
  • CBoT Chicago
  • SHFE Shanghai
  • SGX Singapore Exchange

 

Der Handel ist teilweise sehr volatil, vor allem im Langfristchart. So kann man auf boerse.de folgende Grafik mit entsprechenden Kurstreibern einsehen:

Trading am Ölmarkt im Langfristchart
Trading am Ölmarkt im Langfristchart

 

Krisen und Unruhen, vor allem in den erdölexportierenden Ländern, sind meistens ein Preistreiber. Und auch die Industrialisierung und damit der steigende Bedarf an Rohstoffen sorgt für entsprechende Nachfrage. Dies wurde durch die OPEC noch einmal künstlich verknappt, da einer Überproduktion mit drastischen Förderkürzungen entgegengewirkt wurde. Dies sollte nun aber vom Tisch sein, wenn man die aktuellen Meldungen von n-tv richtig interpretiert.

Ein etwas kürzerer Chart zeigt die Rallye aus dem Jahr 2008 noch einmal auf, als der Ölpreis sich verdoppelte. Ebenso ist diese Verdopplung nun auch wieder seit dem Jahr 2016 (als Reaktion auf die OPEC) zu sehen:

Trading am Ölmarkt: Mittelfristiger Chart Brent Crude
Trading am Ölmarkt: Mittelfristiger Chart Brent Crude

 

Anleger können hier auf Sicht einiger Monate immer wieder mit lukrativen Trends rechnen und Trader mit entsprechendem Momentum in diesem Markt. Es verwundert daher nicht, dass Rohstoffe schon immer im Fokus der Spekulanten standen und auch ich selbst gerne zu diesem Thema eine entsprechende Analyse verfasse.

 

Jahreshoch beim Ölpreis | Angst wegen Iran | Charttechnik

 

Einen kurzfristigeren Ausblick mit noch mehr Wissen rund um den Ölmarkt werde ich zu gegebener Zeit gerne hier veröffentlichen. Schauen Sie immer mal vorbei und geniessen Sie erst einmal den Sommer, bevor es an das Auffüllen der Ölreserven für den Winter gehen sollte.

 

Ihr Andreas Mueller (Bernecker1977)

Bernecker1977
Über Bernecker1977 132 Artikel
Bernecker1977 ist der Trader, Referent und Coach Andreas Mueller. Er handelt seit rund 20 Jahren Indizes, Devisen und Rohstoffe an der Börse mit Futures, Derivaten und CFDs und ist nicht nur auf wallstreet-online bereits seit dem Jahr 2005 in den "Tages-Trading-Chancen" Ansprechpartner für alle börsenrelevanten Fragen.

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