Aktienkauf der EZB – Eine gute Idee?

Geldpolitik

Aktienkäufe der EZB als Erfolgsfaktor?
Führen Aktienkäufe der EZB zum Erfolg?
 

Das große Kaufprogramm der EZB ist bereits Geschichte. Nachdem die Europäische Zentralbank über Jahre die Geldmengenbasis durch die Ankäufe von Anleihen über den Markt ausgeweitet hat, stehen immer mehr Banken mit dem Rücken zur Wand. Vor allem die deutschen Geldhäuser haben es zuletzt besonders schwer. Und im Gegensatz zu kurzen heftigen Krisen und Markteinbrüchen, handelt es sich dieses Mal um ein Problem, welches sich immer tiefer in die Bilanzen frisst. Doch die EZB braucht weiteren Handlungsspielraum, ohne dabei das letzte bisschen Ertragskraft aus den Banken zu saugen. Wie kann das gelingen? Könnte die EZB am Ende sogar Aktien am Markt kaufen?


Die Bank of Japan (BoJ) macht es bereits seit Jahren. Aktienkäufe über den ETF Markt in großen Abschnitten sind für die BoJ bereits zur Normalität geworden. Schon im September 2018 berichtete focus.de über eine mittlerweile auf 4 % gestiegene Aktienquote der japanischen Zentralbank am heimischen Aktienmarkt. Auch in Japan spielte die damals immer flacher werdende Zinsstrukturkurve eine Rolle. Denn dort wurde die Ertragskraft der Geldinstitute auf eine harte Probe gestellt. Das dauerhaft niedrige Zinsniveau am langen Ende der Strukturkurve sorgte für eine Erosion der Erträge in den Bilanzen der japanischen Banken. Die Situation ist damit vergleichbar mit der in Deutschland heute.

Auch aus diesem Grund macht es Sinn, den Schritt der Ankäufe von Aktien als weitere Maßnahme zur geldpolitischen Lockerung seitens der EZB anzunehmen. Immerhin wäre es so möglich, die Geldmenge weiterhin auszuweiten, ganz ohne direkte Eingriff in die Renditen der Staatsanleihen. Doch es gibt weitere Aspekte, die den Ankauf von Aktien wahrscheinlicher werden lassen.


Vorteile von Aktien- statt Anleihekäufe durch die EZB


Während die extrem niedrige Verzinsung am Kapitalmarkt in den letzten Jahren die Schuldenblase weiter ansteigen ließ, fällt es wichtigen Marktteilnehmern wie den Banken zunehmend schwerer, frisches Eigenkapital einzuwerben. Investoren trauen den Geldhäusern oftmals auf Jahre keine nachhaltige Einnahmesituation mehr zu. Ein Ankauf von Aktien ETFs durch die EZB könnte diesen Umstand ändern. Allerdings müsste der Ankauf dafür aggressiv und anhaltend sein. Die möglichen positiven Auswirkungen wären folgende:


Positive Auswirkungen

  • Höhere Provisionseinnahmen im Bankensektor durch Handelsprovisionen der Privatanleger, da diese Aktien kaufen würden
  • Höhere Bewertung der Vermögensposition Aktien erzeugt ein Gefühl von Reichtum bei Anlegern
  • Möglicher moderater Anstieg der Zinssätze am langen Ende trotz Ausweitung der Geldmenge
  • Höhere Einnahmen der Banken durch Fristentransformation (langfristige Kredite verteuern sich und Einlagen bleiben am Nullzins)
  • Beschaffung von Eigenkapital wird auch in Krisenbranchen wieder möglich, da die Aktienkurse gestützt werden würden
  • Möglicherweise Abbau von Verschuldung durch attraktive Konditionen für Eigenkapital


Nachteile von Aktien- statt Anleihekäufe durch die EZB


So gut dies im ersten Moment auch klingt, die Nachteile dieser geldpolitischen Maßnahme wären ebenfalls nicht zu ignorieren. Immerhin befindet sich unsere Volkswirtschaft bereits seit Jahren im Krisenmodus. Die meisten Marktteilnehmer sehen in der wirtschaftlichen Erholung nach 2009 keine Lösung der Finanzkrise, sondern einzig eine Vertagung. Als gelöst sehen die meisten Volkswirte die verheerende Finanzkrise ebenfalls nicht an. Auch aus diesem Grund driftet die Gesellschaft zuletzt immer mehr auf Markteingriffe zu, die mit dem Ursprungsgedanken des Kapitalismus wenig zu tun haben. Der Ankauf von Aktien durch die EZB wäre ein weiterer Mosaikstein auf diesem Weg.


Negative Auswirkungen

  • EZB würde als Institution einen großen Anteil am Aktienmarkt erwerben müssen und der Einfluss der Zentralbank würde deutlich steigen
  • Die Beendigung eines solchen Kaufprogramms dürfte äußerst schwierig werden
  • Mittelfristig würde die wachsende Geldmenge die Zinsen dennoch drücken, da die Gelder nach Anlagemöglichkeiten suchen würden
  • Die indirekte Abhängigkeit der Aktienmärkte von der Geldpolitik würde zu einer direkten Abhängigkeit werden
  • Die am Markt erzielbaren Renditen für risikobewusste Investoren fallen immer weiter und nähern sich langfristig der Nulllinie


Die oben dargestellten Punkte verdeutlichen vor allem Eines: eine wirklich Lösung der wirtschaftlichen Schwäche vermag die Geldpolitik nicht mehr zu erzeugen. In Zeiten, in denen Investitionen zweistellige Renditeaussichten versprechen und die Zinsen jenseits der Nulllinie im deutlich positiven Bereich sind, vermag eine geschickte Geldpolitik notwendige Anreize zu geben, um eine ins Stocken geratene Wirtschaft anzukurbeln. Doch in Zeiten, in denen die Dinge stehen wie sie heute sind, wird es andere neuartige Schritte brauchen, um das System anzuschieben. Selbst eine Abkehr von einem andauernden Wirtschaftswachstum wäre denkbar. Allerdings wäre ein solcher Schritt unter den aktuellen Begebenheiten nicht machbar.


Fazit


Unser Geld- und Wirtschaftssystem ist auf Wachstum ausgerichtet und würde einen Gleichgewichtszustand nicht aushalten. Selbst Markteingriffe wie „Höchstmieten“, wie sie aktuell diskutiert werden, stellen bereits eine Belastungsprobe für die Marktkräfte dar. Denn neben den offensichtlichen und gewünschten Auswirkungen eines solchen Schrittes, gibt es immer auch ungewünschte Begleiterscheinungen, die durchaus deutlich und bedrohlich sein können.

Gleiches gilt auch für mögliche Aktienkäufe der EZB. Die Wahrscheinlichkeit eines solchen Schrittes steigt. Ein Blick nach Japan, dem Land, welches die Phase der Nullzinsen schon lange vor uns begann und mittlerweile eine Art Modellcharakter aufweist, verdeutlicht die theoretische Möglichkeit eines solchen Schrittes. Doch auch Japan ist bis zum heutigen Tag nicht „geheilt“. Daher dürften mögliche Aktienkäufe durch Zentralbanken zwar andere Auswirkungen als Anleihekäufe haben, aber ohne Folgen wäre auch dieser Schritt der Geldpolitik am Ende nicht.  

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