Kurseinbruch bei Netflix: Warum wird die Aktie abgestraft?

Lieblingsaktie der Wall Street unter Druck

 

Eine der wichtigsten Quartalszahlen waren sicherlich in der vergangenen Woche die von Netflix. Sie haben für eine Enttäuschung gesorgt und zeigen, das auch bei starken Wachstumsunternehmen nicht alles immer optimal läuft. Wir gehen in dieser Aktienanalyse genauer darauf ein.


Quartalszahlen von Netflix im Überblick


Zum ersten Mal ist das Wachstum der Abonnenten rückläufig. Netflix meldete für das 2. Quartal einen Zuwachs von „nur“ 2,7 Millionen Abonnenten. Die ursprüngliche Prognose belief sich auf einen Zuwachs von 5 Millionen. Dementsprechend reagierte der Börsenkurs mit einem Kursabschlag. Warum die Prognose so hoch angesetzt war, muss wohl an dem sehr guten 1. Quartal gelegen haben. Anscheinend hatte man mit einer Wachstumsfortsetzung spekuliert.

Was könnten hierfür die Hintergründe sein?


Blick auf die Konkurrenz von Netflix


Man könnte annehmen, dass andere Wettbewerber Netflix-Kunden gewonnen hätten. Das ist nicht der Fall und der potenziell größte Konkurrent Disney+ ist noch gar nicht gestartet. Im Quartalsbericht wies Netflix ausdrücklich darauf hin, dass die Konkurrenzunternehmen nicht für die schwächeren Abonnentenzahlen verantwortlich sind. In den vergangenen drei Monaten hat sich bei den Wettbewerbern nicht viel getan. Netflix begründete die verfehlte Prognose mit den sich negativ auswirkenden Preiserhöhungen. Anscheinend hat Netflix die eigene Erhöhung falsch eingeschätzt. Vieles hängt auch von den angebotenen Filmen und Fernsehshows ab. Wenn diese sich als zugkräftig erweisen, dann steigen üblicherweise die Abonnentenzahlen. So ist es möglich, dass sich auch auf diesem Gebiet Netflix Schwächen leistete.


Hausaufgaben für Netflix


Die Situation sollte für Netflix ein Alarmsignal sein. Netflix muss sich jetzt mehr auf die eigenen Stärken konzentrieren. Wenn im Herbst Walt Disney mit seiner neuen Videoplattform Disney+ startet, dann könnte daraus eine ernstzunehmende Bedrohung werden. In den vergangenen Jahren war Disney ein attraktiver Lieferant für Filme und Fernsehshows für den Netflix-Stream. Diese Film-Bibliothek fehlt nun. Außerdem will Disney mit einem Einstiegspreis unter dem Netflix-Abo starten. Sollte im Herbst außerdem der Elektronikkonzern Apple seine Videoplattform eröffnen, könnte daraus ein unangenehmer Wettkampf werden.

In den nächsten Monaten muss sich Netflix weiter vorbereiten und die eigenen Wettbewerbsvorteile maximal ausnutzen. Als Börsianer gibt es vorerst nur geringe Kaufanreize, um die Aktie ins Depot zu legen. Bis zum Start der Konkurrenz muss sich Netflix besondere Maßnahmen ausdenken.

Schauen wir nun auf das Chartbild.


Chartanalyse der Netflix-Aktie


In folgendem Bild sehen Sie den Wochen-Chart der Netflix-Aktie in US-Dollar. In Deutschland notiert der Wert mit der WKN 552484.


Netflix Aktie in US-Dollar im Chartbild
Netflix Aktie in US-Dollar im Chartbild

Mit diesen enttäuschenden Quartalszahlen hat die Netflix-Aktie kaum eine Chance, neue Höchststände zu erreichen. Bei 380 US-Dollar hat sich ein bestätigter Widerstand gebildet, der nicht leicht zu überbieten sein sollte. Zur Überwindung müsste Netflix exzellente Finanzdaten bieten oder mit neuen Wettbewerbsvorteilen glänzen. Das ist vorläufig nicht zu erwarten.

Der Kursbereich zwischen 310 und 380 USD passt am besten zur Aktie. Das Volumenprofil am rechten Rand zeigt eine Unterstützung mit mittlerer Stärke bei 340 USD an. Eine kraftvolle Abwärtsbewegung könnte die Unterstützung allerdings nicht aufhalten. Die aktuelle bearishe Candlestick unterstützt diese These.


Mein Fazit zur Aktie


Die Aktionäre von Netflix sollten nicht mehr von dem starken Umsatzwachstum der vergangenen Jahre ausgehen. Noch ist Netflix im Bereich der Streaming-Dienste das stärkste Unternehmen. Ausruhen darf man sich allerdings nicht, die Konkurrenz ist in den Startlöchern.

Viel Erfolg wünscht Ihnen

Christian Lukas

Christian Lukas
Über Christian Lukas 41 Artikel
Christian Lukas beschäftigt sich seit 1998 mit der Börse. Als privater Trader handelt er in erster Linie den DAX- und den Bund-Future. Seine Spezialität ist das Volumen-Trading. Dabei wird der Kursverlauf mit dem Volumen in eine Beziehung gesetzt. Seine Webseite ist: www.trading-ideen.de

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