Zinshamster: Das Trading Setup zum Handeln von Anleihen mit dem Bund-Future

 

Zinshamster bezieht sich auf eine Strategie, die ich im Bund-Future abbilde. Wie diese Zinshamster-Strategie funktioniert und welche Ergebnisse ich damit erzielte, beschreibe ich hier auf Trading-Treff für Sie anhand der Charts und Historie hinter dem Trading-Setup.

 

Zinshamster: Die Idee dahinter

 

Die Idee hinter Zinshamster ist sehr einfach. Ich kaufe jeden Donnerstagabend den Bund-Future und halte die Position bis zum Montagabend. Über den Bund-Future investiere ich in ein synthetisches Anleiheportfolio und erhalte einen positiven Zinsertrag (normale Zinsstrukturkurve und positive Zinsen unterstellt). Die Haltedauer beträgt insgesamt vier Kalendertage. Ich bin also jede Woche am Freitag, Samstag, Sonntag und Montag long im Bund investiert. So einfach funktioniert der Zinshamster und es ist kein Stop Loss und kein Take Profit vorgesehen.

Das Ergebnis für den Bund-Future ab 01.01.1993:
Zinshamster Strategie im Bund-Future Entwicklung
Zinshamster Strategie im Bund-Future

Warum Zinshamster so gut funktioniert

 

Die Rentenmärkte befinden sich seit fast 40 Jahren in einer ausgeprägten Hausse. Die Renditen von Anleihen sind gefallen und dadurch sind die Kurse entsprechend gestiegen. (Nachzulesen im Detail bei der Deutschen Bundesbank.)

In solch einem Umfeld ist es vorteilhaft gewesen, in Anleihen zu investieren. Viele sogenannte Experten warnen seit Jahren vor deutlich steigenden Zinsen. Dennoch ist der Trend in Takt und die Strategie hat gerade in den letzten Jahren hervorragende Ergebnisse erzielt.

Meiner Meinung nach funktioniert die Zinshamster-Strategie wegen drei voneinander unabhängigen Argumenten, die auch noch in der Zukunft Bestand haben sollten. Das erste ist, dass ich mit zwei Handelstagen Risiko (Freitag und Montag) für insgesamt vier Kalendertage (Freitag, Samstag, Sonntag und Montag) Stückzinsen bekomme. Durch den Erwerb einer Anleihe kann ich nicht nur Kursgewinne sondern auch einen positiven Zinsertrag generieren. Dieser wird mir täglich gutgeschrieben, auch am Wochenende. Dieses Argument hat durch den deutlichen Renditeverfall in den letzten Jahren allerdings an Bedeutung verloren.

Das zweite Argument für den Zinshamster ist, dass der Bund-Future und Anleihen generell (ähnlich wie Gold) ein sogenanntes „Safe Haven Investment“ sind. Kommt es zu großen Verwerfungen an den Risikomärkten und dadurch z.B. zu deutlich fallenden Aktien, steigt der Bund-Future in der Regel deutlich an. Insbesondere am Wochenende, wo die Weltbörsen geschlossen sind, haben Investoren ein Interesse daran, ein „Safe Haven Investment“ zu halten, um sich so gegen unvorhergesehene Ereignisse abzusichern. Ein Stop Loss würde über das Wochenende nicht greifen, wenn es zu Abwärtsgaps kommt. Für institutionelle Investoren ist es deshalb sinnvoll, über ein Investment in Anleihen den Vorteil der Diversifikation auszunutzen und sich so gegen unvorhergesehene Ereignisse am Wochenende zu „versichern“. Diese erhöhte Nachfrage führt dazu, dass die Kurse überproportional von Freitag bis Montag steigen.

 

Strategie zur FED: Was macht die FED und wie kann man zu FED-Sitzungen als Trader profitieren?

 

Das dritte Zinshamster-Argument ist eher anekdotischer Natur und ich kann es leider nicht klar nachweisen aber ich habe aus verschiedenen Quellen gehört, dass die Bundesbank und auch andere nationale Zentralbanken tendenziell mehr Anleihen am Montag und am Freitag kaufen. Eine nationale Zentralbank ist ähnlich wie eine Behörde organisiert und es geht darum, Vorgaben zu erfüllen und nicht Gewinne durch Trading zu erzielen. Wenn der Auftrag lautet, im Rahmen des von der EZB vorgeschriebenen Kaufprogrammes eine bestimmte Anzahl von Anleihen in einer Woche zu erwerben, könnte ich mir vorstellen, dass am Freitag, wenn die Woche zu Ende geht und die Quote noch nicht erfüllt wurde, eindeutig mehr gekauft wird. Ähnlich könnte am Montag eine hohe Motivation bestehen, sich schnell die Quote für die kommende Woche zu sichern um dann in den nächsten Tagen etwas Luft zu haben.

In Summe führen diese Argumente beim Zinshamster dazu, dass der Bund-Future von Freitag bis Montag deutlich höhere Kursgewinne verzeichnet als zwischen Dienstag und Donnerstag und die vorgestellte Handelsstrategie profitabel ist.

 

Vorteile beim Trading-Setup Zinshamster:

 

  • Sehr einfaches System, welches über den Bund-Future leicht umzusetzen ist
  • Strategie arbeitet seit 24 Jahren sehr stabil
  • Sehr hohe Liquidität im Bund-Future
  • Sehr gute Performance
  • Geringe Transaktionskosten
  • Nur geringe Drawdowns
  • Positives Carry

Eher schlecht für das Trading-Setup Zinshamster:

 

  • Kein SL
  • Zinsen stehen historisch tief

Interessante Nebenbemerkungen:

 

  • Verbesserung der Strategie durch individuelles Timing möglich
  • Strategie kann durch die Unterscheidung von Bullen- und Bärenmarkt nochmals verbessert werden
  • Funktioniert etwas besser in der zweiten Jahreshälfte
  • Funktioniert in verschiedenen europäischen Rentenmärkten
  • Strategie könnte mit dem Verkauf von Put Optionen noch weiter optimiert werden

Sie finden diese Strategie des Zinshamster auch noch einmal hier zusammengefasst und auf meiner Seite www.Andre-Stagge.de

Herzlichen Dank für Ihr Interesse und weiterhin viel Freude auf Trading-Treff,

Ihr André Stagge

André Stagge
Über André Stagge 10 Artikel
Der Senior Portfolio Manager André Stagge, CFTe, CFA beschäftigt sich seit 1996 sehr intensiv mit den Themen Börse und Kapitalanlage. Seit 2007 arbeitet André als Portfoliomanager bei einer großen deutschen Fondsgesellschaft. Dort ist er hauptsächlich für das Thema Overlay Management im FX Bereich verantwortlich. Seine täglichen Aufgaben umfassen das aktive Handeln von Währungen, Futures und Optionen mit dem Auftrag, marktneutral Gewinne zu erzielen. Sein jährliches Gewinnziel liegt dabei im zweistelligen Millionenbereich. Grundlage seines Tradings ist ein regelbasierter Anlageprozess, der aus fundamentalen und technischen Faktoren besteht. Diese regelbasierten Strategien probiere er dann im täglichen Geschäft über das von Ihm entwickelte ATM-Modell optimal zu timen. Außerdem ist er für 3 Fonds verantwortlich, die aktuell über 1,5 Mrd. verwaltetes Vermögen groß sind. André hat sein BWL-Studium an der Universität Mannheim mit Prädikatsexamen absolviert, ist geprüfter Eurex-Händler, Certified Financial Technician (CFTe) und Chartered Financial Analyst (CFA).

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