Was ist ein Bank Run?

Bargeldverfügungen können Banken unter Druck bringen

Verfügung von Bargeld am Geldautomaten
Bargeld am Geldautomaten
 

Ein Bank Run ist eine schwierige Situation in der Geldwirtschaft. Viele Anleger versuchen ihre Ersparnisse und Einlagen zur selben Zeit zu verfügen. In einer solchen Situation können Banken illiquide werden und eine Insolvenz droht. Doch wie kann ein Bank Run entstehen und was kann man dagegen tun?

 

Ein Bank Run ist eine ungewöhnliche Situation, die vor allem im Zuge von Wirtschafts- und Finanzkrisen auftritt. Doch wie genau kommt es zu dieser Ausnahmesituation, die unser Geld bedroht?

 

Wie entsteht ein Bank Run?

Im Zuge hoher Verunsicherung hat die Bevölkerung eines Landes kollektiv Angst um das eigene Geld, welche in unserem Wirtschaftssystem größtenteils in Banken liegt. Diese Angst sorgt für einen ungewöhnlich hohen Abzug von Mitteln aus der Bank – oftmals in Form von Barabhebungen. Allerdings betreiben Banken Fristentransformation und können so unmöglich sämtliche Spareinlagen zur selben Zeit zur Verfügung stellen.

 

Exkurs Fristentransformation

Banken haben in ihrer Bilanz Einlagen von Anlegern, die sie nach marktüblichen Zinsen abzüglich einer Bankenmarge verzinsen. Dem gegenüber stehen Ausleihungen in Form von Krediten, die oftmals eine deutlich höhere Laufzeit als die Ersparnisse haben. Während kurzfristige Einlagen sehr schnell verfügt werden können,  kann die Bank ihre Forderungen nicht jederzeit zurückholen.

Weitere Informationen zur Fristentransformation finden Sie auf Wikipedia.

 

Vor allem die Barabhebungen belasten dabei das Geldsystem. Denn Barabhebungen treffen Banken an einer empfindlichen Stelle. Während Überweisungen von einer Bank zu einer anderen die Liquidität des gesamten Bankensystems weniger belastet, sind hohe Barverfügungen von Geld eine existenzielle Gefahr für die betreffende Bank. Eine Abhebung von Bargeld sorgt für eine Reduzierung des Zentralbankgeldes der Bank (Bargeld ist Zentralbankgeld). Allerdings benötigen Banken eben diese Zentralbankgeld um ihre Geschäfte aufrecht zu erhalten und weitere Barabhebungen bedienen zu können. Sollte einer Bank im Zuge eines Runs auf die Banken das Zentralbankgeld ausgehen, können Kunden keine Barabhebungen mehr vollziehen und die Bank würde illiquide und damit Insolvent werden. Dabei ist das Ergebnis in der Gewinn- und Verlustrechnung der Bank nicht ausschlaggebend. Selbst eine Bank mit hohen Überschüssen könnte so vor dem Ende stehen.

Ein Bank Run ist meistens keine Situation, die sich auf eine Bank beschränkt. Oftmals kommt es im Zuge eines Vertrauensverlustes zu ähnlichen Situationen in vielen Banken zur selben Zeit.

 

Wie kann ein Bank Run verhindert werden?

Es gibt verschiedene Ansätze, um einen Run auf die Banken zu verhindern. Da es sich vor allem um einen Vertrauensverlust der Sparer handelt, werden oftmals Garantien ausgesprochen, um die Verunsicherung zu reduzieren. Im Zuge der Vertrauenskrise ab 2007, sprach zum Beispiel die deutsche Regierung eine Einlagengarantie aus, um die Sparer zu beruhigen und das Geld in den Banken zu belassen. Weitere Maßnahmen sind zum Beispiel die Möglichkeit deutlich mehr Wertpapiere und Vermögensgüter als Sicherheiten bei der Zentralbank zu hinterlegen. Je mehr Sicherheiten eine Notenbank anerkennt, desto mehr Zentralbankgeld können sich die Geschäftsbanken bei Bedarf leihen.

Doch auch der Negativzins und der Ankauf von Wertpapieren über den Kapitalmarkt durch die Notenbank ist ein Mittel zur Schaffung von Liquidität im Bankensektor. Jeder Ankauf von Schuldtiteln schafft im gleichen Maße Zentralbankgeld. Durch den Negativzins halten Banken dabei oftmals größere Summen an Bargeld vor, um den Strafzins zu umgehen. Auf diesem Wege wird ein Bank Run mit seinen katastrophalen Folgen ebenfalls unwahrscheinlicher.

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Martin Kronberg
Über Martin Kronberg 71 Artikel
Martin Kronberg recherchiert kritisch an der Basis der Finanzmärkte. Dabei werden nicht nur Themen aus dem Bereich Trading, sondern auch andere wirtschaftliche Zusammenhänge erörtert. Auf anderen Portalen tritt Martin Kronberg stellvertretend für die Autoren des Trading-Treff auf.

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