Trading mit dem MACD: profitabler Klassiker?

 

Der MACD (Moving Average Convergence Divergence) ist eines der Urgesteine unter den technischen Indikatoren, der es sogar zu einem eigenen Wikipedia-Eintrag gebracht hat. Doch wie verhält es sich in der Praxis? Ist das Trading mit dem MACD ein profitabler Klassiker bei der Auswahl der Indikatoren? In diesem Beitrag erfahren Sie von mir, in welchem Timeframe der Einsatz des MACD Indikators Sinn macht. Meine Aussagen unterlege ich mit Backtests im DAX Index seit 1991.

 

Kurze Historie zum MACD

 

Das Trading mit dem MACD bzw. der MACD selbst wurde 1979 von Gerald Appel entwickelt. Er ist heutzutage aus keiner Indikatoren-Sammlung mehr wegzudenken. Der MACD selbst berechnet sich aus der Differenz von zwei exponentiellen gleitenden Durchschnitten (EMA), wobei für die praktische Anwendung zusätzlich eine Signallinie verwendet wird.

Bevor ich Sie aber mit Theorie langweile, komme ich lieber zu der Frage, wie sich denn der MACD nun in der alltäglichen Trading-Praxis bewährt, und ob das Trading mit dem MACD Sinn ergibt.

Klassischerweise entsteht ein Kauf-Signal, wenn der MACD die Signallinie nach oben schneidet und ein Verkaufs-Signal, wenn der MACD die Signallinie nach unten schneidet. Hierbei können bei einen Cross nach unten entweder bestehende Positionen aufgelöst werden, oder aber auch Short-Positionen eingegangen werden.

Ich möchte mich in der folgenden Auswertung ausschließlich auf Positionstrades konzentrieren, also Zeitrahmen ab Daily verwenden, um Sie nicht mit Datenmaterial zu überfluten. Speziell an die Daytrader unter den Lesern möchte ich aber adressieren, dass das oben genannte simple Handelskonzept auch in Zeitrahmen ab 30 Minuten in den letzten Jahren recht beachtliche Ergebnisse erzielt hat.

 

Backtests zum Trading mit dem MACD

 

Bei den folgenden Backtests wird unterstellt, dass sowohl jede Long- als auch jede Short-Position mit jeweils einem DAX-Future eingegangen wurde, also ein Punkt eine Wertigkeit von 25€ besitzt.

Für den DAX liegen mir in meiner Handelsplattform Daten bis Januar 1991 vor, die ich vollständig auswerten werde. Es wird ein Anfangskapital von 100.000 Euro angenommen, dazu ein Spread von 1 Punkt bei jeder Transaktion, Ausnahmen werden gesondert dargestellt.
Beginnen wir mit dem

Daily-Timeframe

Trading mit MACD Backtest Daily
Trading mit MACD Backtest Daily

Das Ergebnis ist gleich einmal ernüchternd. Jemand, der 1991 mit einem Startkapital von 100.000 Euro gestartet ist, hätte mit der MACD-Crossover-Strategie einen Totalausfall erlitten… und zwar schon im Februar 2005.

Ein wohlhabenderer Händler, der mit 1 Mio. Euro gestartet wäre, hätte am heutigen Tag noch 738.395 Euro übrig.
Ausweislich der Daten zeigt sich (das noch nicht einmal abgeschlossene) 2017 als bislang verlustreichstes Jahr der Strategie.

Trading mit dem MACD Backtest Daily Kapital
Kapitalkurve im Backtest Daily

Ich habe hier nun ausnahmsweise zwei Stastistiken für den Daily eingefügt. Nur mit einem Startkapital von deutlich über 100.000 Euro wird das Jahr 2017 überhaupt erreicht.

Kommen wir nun zum

Weekly-Timeframe

Trading mit dem MACD Backtest Weekly
Trading mit dem MACD Backtest Weekly

Hier sind die Resultate nun wesentlich erfreulicher. Seit 1991 konnte unter Verwendung eines DAX-Future-Kontrakes eine Rendite von respektablen 61,37% erreicht werden.

Nun zum

Monthly-Timeframe

Trading mit dem MACD Backtest Monthly
Trading mit dem MACD Backtest Monthly

Dieses Resultat dürfte den langfristig orientierten Trader dann doch ein Lächeln ins Gesicht zaubern:
Seit 1991 wurde eine Rendite von 103,98% erzielt. Sowohl die Trefferquote als auch die GuV-Ratio sind gegenüber den Ergebnissen aus dem Weekly- und vor allem dem Daily-Timeframe signifikant erhöht.

 

Mein Fazit zum Trading mit dem MACD

 

Das vorgestellte einfache MACD-Crossover-System ist ein Trading-Setup, welches vor allem für Positionstrader interessant sein könnte.
Beunruhigend stimmt aber, dass ausweislich der Daten gerade die letzten Jahre besonders schwache Resultate erbracht haben. Dieses könnte ein Indiz dafür sein, dass die Märkte sich gewandelt haben. Der Einsatz klassischer technischer Indikatoren führt eventuell nicht mehr zum gewünschten Erfolg.

Zusätzlich ist darauf hinzuweisen, dass man sich mit diesem System fast durchgehend im Markt befindet (siehe dazu „Haltedauer im Markt“ in den entsprechenden Statistiken). In diesem Zusammenhang stellen die Haltekosten (insbesondere die recht hohen Finanzierungskosten bei CFD) einen maßgeblichen Belastungsfaktor für das Gesamtergebnis dar, die aber in diesem Backtest nicht berücksichtigt werden konnten.

Fast Stochastik Oszillator – Ein Indikator für Ihr Daytrading?

Herzlichen Dank für Ihr Interesse an dieser Stelle zum Trading mit dem MACD. Sollten Sie den Umgang mit dem MACD Indikator in der Praxis erlernen wollen, sollten Sie diesen Beitrag zum Einsatz des MACD in der Praxis von ORBP lesen. Weitere Artikel werden hier folgen, schauen Sie daher gerne auf meinem Profil vorbei.

 

Ihr Thorsten Kock

Thorsten Kock
Über Thorsten Kock 7 Artikel
Thorsten Kock hat sich auf Ausbruchshandel und Scalping unter Zuhilfenahme mechanischer Ein-/Ausstiegsregeln spezialisiert. Unter Verwendung klassischer Methoden der Charttechnik optimiert er diese ständig und lässt Sie hier daran teilhaben.

8 Kommentare

    • Backtesting geht mit jedem besseren Chartingprogramm/Plattform welches/r Dir es erlaubt Backtestings zu machen mit den TA Indikatoren oder was immer welches dort offeriert wird und all den TA Programmen/Files die sich da integrieren lassen.

      @Xpek

      Somit: Selber testen ist immer am Besten, da Du dann selber verstehst was Du zum Testen genommen hast. Kannst ja dann auch jeglichen TA mit jeglichem anderen TA dazu noch zusaetzlich kombinieren und ausprobieren.

      Soll jetzt keine Kritik sein sondern eher dazu Anregen selber etwas zu tun und nicht auf die Arbeitsresultate von Anderen zu warten.

      Gruss / Delta_Peter

      • Das ist sicher richtig.
        Aber ich finde es immer wieder überraschend, wie wenig manche Trader doch über ihr „System“ wissen (statistische Daten) und gerne mal darauf hinweisen, dass es „in den letzten Wochen“ gut funktioniert hat.
        In der nächsten Zeit werde ich hier noch weitere, nicht so geläufige Setups, vorstellen, zum großen Teil wird es sich dabei um Eigenentwicklungen handeln.
        Aber auch mehr oder minder bekannte Klassiker sollen nicht zu kurz kommen.

  1. Danke den Hinweis, dass die bloße Übernahme von Indikatoren häufig ernüchternd sein kann.

    Allerdings finde ich eine Rendite von 103,98% (vermutlich ohne Zinseszinseffekt) auch nicht gerade viel, bedenkt man, dass die DAX-Performance in diesem Zeitraum rund 900% gemacht hat. Warum sollte ich einen Indikator verwenden, der wesentlich schlechter als sein Original ist? Die positive Performance mit dem MACD bei längeren Zeiteinheiten beruht vermutlich allein darauf, das der DAX gestiegen.

    Ich frage mich zudem, mit welchen Werten der MACD gefüttert wurde. Andere Zeiteinheiten dürften bessere Ergebnisse hervorbringen – obwohl das auch keine Garantie für die Zukunft ist.

    • Die einfachste aller Strategien – Buy and Hold – sticht erstaunlich viele Setups aus.
      Ich werde demnächst wohl mal einige Abwandlungen der klassischen MACD-Strategie vorstellen, dank automatischer Backtests stellt das kein großes Problem dar.
      Die hier verwendeten Einstellungen sind [12;26;9].

  2. Ich glaube mich zu erinnern, daß der User ’nordlicht100′ bei wallstreet-online einen ähnlichen Backtest veröffentlicht hat. Auch dort war das Ergebnis nur in größeren Timeframes positiv.

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.




* Die Checkbox für die Zustimmung zur Speicherung ist nach DSGVO zwingend.

Ich stimme zu.