Pivot Punkte im Trading: Nutzung als Handelstool oder Hokuspokus?

 

Die Arbeit mit Pivot Punkten ist aus dem heutigen Handel schwer wegzudenken. Zumindest liest man immer wieder davon und bekommt sie in fast jeder Chartsoftware mit angeboten. Doch wieso sind diese Marken im Chartbild so wichtig, wie werden sie berechnet und wie tradet man mit Pivot Punkten? Darauf möchte ich heute eine Antwort geben und zwei praktische Beispiele aus dem DAX und dem EUR/USD aufzeigen.

 

Pivot Punkte nutzen und berechnen

„Pivot“ kommt aus dem französischen und bedeutet soviel wie „Dreh- und Angelpunkt“, also markante Umkehrpunkte. Dieser Handelsansatz wurde von Dr. Bruce Gould entwickelt. Hierbei handelt es sich um einen Preiszonenansatz, der aufgrund der markanten Preiszonen aus der Historie (meist 2-3 Jahre) markante Widerstands- und Unterstützungsniveaus für die Zukunft lokalisierte.

In den Anfängen wurde diese Theorie hauptsächlich von Future- und Commodity -Händlern benutzt. Hier spielen vor allem die großen Zeitrahmen eine Rolle. Darauf ging übrigens ORBP in seinem Artikel zu den Jahres-Pivot-Punkten als Trading-Ansatz näher ein. Verbreiteter ist heutzutage dieser Ansatz jedoch im alltäglichen Tagesgeschäft aller Märkte. Somit im DAX, dem Goldpreis oder auch im Währungsmarkt beim EUR/USD.

In der aktuellen Praxis benutzt man dabei die historischen Tagesdaten des vorangegangenen Handelstages, um daraus markante Kursniveaus für den aktuellen Tag zu bestimmen. Anhand dieser berechneten Kursmarken ergeben sich interessante Handelsüberlegungen, die wir im späteren Verlauf an zwei praktischen Beispielen erörtern werden.

Als Berechnungsgrundlage für die Pivot Punkte wird der Höchstkurs, der Tiefstkurs und der Schlusskurs des Vortages herangezogen. Der eigentliche Pivot Punkt des aktuellen Tages ist der Durchschnittswert des Vortages. Es gibt verschiedene Berechnungsmethoden für Pivot Punkte (eigener Artikel).

Ich favorisiere diesen nun folgenden Berechnungsweg und zeige ihn daher genauer auf. Dabei verwende ich das Drittel der Summe vom Höchststand (H), dem Tiefststand (L) und dem Schlusskurs (C) zur Berechnung mit folgender Formel:

Pivot Punkt (PP) = (High + Low + Close)/3

 

Anhand dieses Pivot Punktes (PP) lassen sich dann die Widerstands- (Resistance – R1,R2,R3) sowie die Unterstützungsniveaus (Support – S1,S2,S3) berechnen.

 

R1 = 2 * PP – Low

R2 = PP + High – Low

S1 = 2 * PP – High

S2 = PP – High – Low

 

Pivot Punkte im Trading: Zwei Praxis-Beispiele

Nimmt man sich die Zeit, die historischen Charts auszuwerten, wird man sehr schnell erkennen, dass die berechneten Punkte tatsächlich markante Widerstands- und Unterstützungsniveaus darstellen.

Für den Einsatz in der Praxis können somit mehrere Grundüberlegungen angestellt werden. Ein klassischer Ansatz basiert auf dem Chance – Risiko – Verhältnis (CRV).

Wenn wir davon ausgehen, dass die Widerstandsmarken R1, R2 und R3 tatsächlich als unüberwindbare Marke fungieren, besteht die Möglichkeit, unterhalb des berechneten Kursniveaus ein SELL – Limit am Markt zu platzieren. Erreicht der Markt einen der Widerstandsniveaus, wird diese Short-Order ausgelöst. Wir erwarten ein Abprallen an dieser Marke und somit eine Korrektur. Der Stop wird bei diesem Ansatz oberhalb des Widerstandsniveaus platziert. Der TakeProfit wird entsprechend des Risikos mindestens mit einem Verhältnis von 1:2 gewählt. Haben wir also ein Risiko von 10 Punkten (entspricht platziertem Stop), so sollte der Gewinn mindestens 20 Punkte betragen.

 

Beispiel Pivot Punkte Trading im Dax30: Scheitern am Widerstand

Pivot Punkte Schaubild DAX (German30)
Pivot Punkte Schaubild DAX (German30)

 

 

Im oben aufgeführten Beispiel sehen wir die Short – Strategie im Dax30. Wie durch die beiden gelben Kreise ersichtlich ist, kämpft der Markt mit seiner Tages Pivot Linie. Das Scheitern an dieser Marke (siehe roter Pfeil), lässt uns eine Short-Order eröffnen, mit dem Ziel S1-Linie = Support Niveau. Der Stop wird mit 10 Punkten Risiko oberhalb der PP – Marke platziert. Der TakeProfit wird an der S1-Linie mit einer Gewinnerwartung von 30 Punkten platziert. Somit ergibt sich ein CRV (Chance-Risiko-Verhältnis) von 1:3.

 

Beispiel Pivot Punkte Trading im EURUSD: Überwinden der Widerstände

Pivot Punkte Schaubild EUR/USD
Pivot Punkte Schaubild EUR/USD

 

In diesem Beispiel wird die Handelsstrategie andersherum genutzt. Wir setzen auf ein Überwinden der markanten Widerstandsmarken. In diesem Fall erwarten wir aufgrund der Stärke am Markt eine Fortsetzung der Kursbewegung in Richtung der nächsten Widerstandsmarke. In unserem Beispiel stellt der Ausbruch über die Pivot Tages Linie (PP) einen ersten Long – Einstieg (gelber Kreis) dar. Der Zielkurs für dieses Investment ist die R1 – Linie. Der Stop wird unterhalb der PP – Linie platziert. Auch hier wird das CRV im Verhältnis von mindestens 1:2 berücksichtigt.

Lokalisiert man so einen starken Aufwärtstrend, kann auch das Überwinden der R1 – Marke (grüner Kreis) als weiterer Einstieg genutzt werden. Auch hier wird mit dem Überwinden dieser Kursmarke eine BUY-Order platziert. Der Zielkurs ist in diesem Fall die R2 Marke – der STOP wird im Verhältnis von mindestens 1:2 unterhalb der R1 – Marke platziert.

 

Kritische Wertung und mein Nutzen der Pivot Punkte

Wie man an diesen Beispielen sehen kann, sind Pivot Punkte kein Hokuspokus. Vielmehr geben sie einem Trader vor allem im Intraday-Handel Orientierungsmarken vor, auf die er seine Strategie ausrichten kann. Ob er die Pivot Punkte als Ziel eines Trades, als Stopp-Level oder als Einstieg in einen neuen Trade nutzt, sei dabei dahingestellt. Fakt ist jedoch (wie bei vielen Dingen der Charttechnik): Wenn es viele Handelsakteure anwenden, funktioniert dies auch gut. Daher werde ich auch weiterhin Pivot Punkte im Trading nutzen.

 

In diesem Sinne einen erfolgreichen Handel für Sie,

Ihr Tom Neske

Tom Neske
Über Tom Neske 2 Artikel
Tom Neske ist Privatdozent im Bereich Finanzwissenschaften. Er beschäftigt sich seit über 18 Jahren mit den Finanzmärkten. Sein Interesse für die Kapitalmärkte wurde im Rahmen seines Studiums geweckt. Er entwickelte im Rahmen seiner Forschungsarbeiten in den letzten Jahren erfolgreiche Analyse und Handelssysteme. Dieses Wissen gibt er über seine Trading-Plattform www.trading-university24.com interessierten Teilnehmern weiter.

1 Kommentar

  1. Hallo,

    wie Unterstützungs- und Widerstandsbereiche auch, so gehören auch die Pivotpunkte zur Kategorie der selbst erfüllenden Prophezeiungen. Am Markt ist es wichtig zu wissen an welchen Bereichen andere Marktteilnehmer aktiv werden könnten.
    Die Pivotlevelanalyse ist ein sinnvolles Tool, das man unbedingt nutzen sollte.
    Ein schöner Beitrag!

    Mit besten Grüßen
    Florian Kasischke

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