Die Orderarten im Trading – Was kann Ihr Depot wirklich?

 

Wenn Sie mit dem Handel an der Börse beginnen, werden Sie mit einer ganzen Vielzahl an neuen Begriffen überschüttet. Es dauert oft etwas bis man sich zurecht findet und weiß was Target, Stop etc. bedeutet und wie man es in welcher Situation verwendet. In diesem Artikel möchte ich auf diese Begriffe eingehen und Ihnen aufzeigen in welcher Situation man welche Orderarten im Trading anwendet. Sell und Buy werden Sie schon öfters gehört haben, doch was ist ein Trailingstop oder wann macht es Sinn eine Zeitorder zu verwenden? Die Antworten auf diese Fragen finden Sie in diesem Artikel.

 

Kauf, Buy, Long und Verkauf, Sell, Short

Wenn Sie ein Wertpapier oder Derivat kaufen möchten, spricht man von Buy oder man würde umgangssprachlich auch sagen, „Ich bin Long“. Sie setzen also auf steigende Preisentwicklungen am Markt.

Umgedreht können Sie auch verkaufen (Sell). Haben Sie zuvor auf steigende Preise spekuliert und möchten jetzt aus Ihrem Trade aussteigen, dann müssen sie irgendwann wieder verkaufen. Im Gewinn oder im Verlust (per Stop).

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Eine Besonderheit gibt es noch. Denn mittlerweile können nicht nur Profis einen so genannten Leerverkauf tätigen. Das bedeutet, dass sie etwas verkaufen was Sie eigentlich gar nicht haben und so auf fallende Preise setzen. Irgendwann, insofern der Preis fällt, können Sie die Aktie dann zu einem günstigeren Preis wieder zurückkaufen. Mit Zertifikaten geht dies übrigens nicht!

 

Orderarten im Trading – Stop, Buystop und Sellstop

Ein Stop dient grundlegend zur Sicherheit Ihres Kontos. Wenn Sie in einen Trade einsteigen, möchten Sie Ihr Risiko begrenzen. Dazu verwenden Sie einen Stop. Sie legen den Stop an einen von Ihnen gewünschten Preis an, bei dem dann (sollte er erreicht werden) der Trade beendet wird. Wo man einen Stop setzt, ist oftmals ein riesengroßes Problem.

Ein Stop ist also ganz einfach gesagt eine Risikobegrenzung.

Wenn Sie Short investiert sind (also verkauft haben), benötigen Sie einen Buystop, um Ihr Risiko entsprechend zu begrenzen. Umgekehrt verwendet man einen Sellstop unterhalb des Kurses, wenn Sie gekauft haben. Schauen Sie sich dazu bitte das Video am Ende des Textes genau an, um dies besser zu verstehen.

Ein Stop hat allerdings noch eine andere Funktion. Hier können wir eine ganz einfache Abfrage erstellen. Die Frage dazu lautet:

Sind wir in einem Trade? Ja oder Nein?

Wenn Sie in einem Trade sind, dann dient Ihr Stop der Risikobegrenzung. Sind Sie noch in keinem Trade, können Sie aber auch einen Stop verwenden, um in eine neue Position einzusteigen.

Ein Beispiel: Gold steht aktuell bei 1345$. Sie denken, dass der Kurs bald fallen wird und möchten Short gehen. Dies möchten Sie aber noch nicht direkt machen, sondern sie möchten sehen, dass der Kurs schon etwas korrigiert und erst bei 1340$ einsteigen. Nun können Sie eine Stop Order verwenden, um dort einzusteigen, wenn Sie noch nicht in dem Trade sind. Sie legen somit einen Sellstop auf die 1340$ und warten, bis der Markt diesen Preis erreicht. Wenn Sie dann in dem Trade sind, verwenden Sie einen Buystop, um Ihr Risiko zu begrenzen.

 

Das Target im Trading

Target bedeutet auf deutsch „Ziel“ und das ist eigentlich schon die Erklärung dazu. Wenn Sie in einen Trade einsteigen, haben Sie ein Ziel, an dem Sie wieder aussteigen möchten. Sie steigen z.B. in Gold bei 1340$ Short mithilfe eines Sellstops ein und steigen aus dem Trade bei 1200$ aus. Die 1200$ ist dann Ihr Target, also Ihr Ziel dieses Trades. Um dies umzusetzen, benötigen Sie eine Limitorder. Dazu kommen wir gleich.

Was ist ein Trailing-Stop?

Ein Trailing-Stop ist ein Stop (Buy- oder Sellstop), den Sie hinter Ihrem Trade automatisch hinterherziehen können. Dazu gebe ich Ihnen ebenfalls ein Beispiel:

Wir nehmen weiter unser Goldbeispiel und sind dort seit 1340$ Short. Unser Buystop lag bei 1360$. Sollte der Kurs dort hinlaufen, steigen wir im Verlust aus. Nun steht der Kurs aber nach ein paar Tagen bei 1300$, wir sind also schon etwas im Gewinn und möchten diesen absichern. Wir ziehen unseren Stop von 1360$ auf 1340$ auf Einstand (Break Even) nach. Nun ziehen wir alle 10$ die wir im maximalen Gewinn sind, den Stop um ebenfalls 10$ hinterher. Dies kann man entweder automatisch oder per Hand tun. Ob das Sinn macht oder nicht, ist eine andere Frage. Hier geht es nur um die Begriffserklärung. Mehr dazu können Sie im Artikel zu den Vor- und Nachteilen eines Trailing-Stop nachlesen.

 

Die Market-Order – Billigst und Bestens

Bisher haben wir gelernt, dass Sie mit einem Stop auch in einen Trade einsteigen können, wenn Sie erst auf eine Bestätigung des Marktes warten wollen. Doch was ist, wenn Sie jetzt gleich einsteigen möchten? Dann können Sie eine Market-Order verwenden. Sie steigen also jetzt gleich in die gewünschte Richtung in den Trade ein. Dabei bekommen Sie den nächsten gehandelten Kurs nach Eingang Ihrer Order an der Börse. In der Ordermaske finden Sie die Bezeichnung „Billigst“ beim Kauf eines Wertpapiers, oder „Bestens“ wenn Sie eines verkaufen wollen. Folgendes Schaubild zeigt Ihnen einen so genannte Ordermaske:

 

Orderarten im Trading
Orderarten im Trading – Ordermaske Aktienkauf bei Sparkasse

 

Die Limit-Order im Trading

Eine Limitorder verwendet man wie eine Stoporder ebenfalls in zwei unterschiedlichen Varianten. Hier machen wir wieder die Unterscheidung in: „Sind wir in einem Trade oder nicht?

Sind wir investiert, können Sie eine Limitorder verwenden, um im Gewinn (Target) aus dem Trade auszusteigen. In unserem Beispiel sind wir Short im Gold und müssen, um auszusteigen, kaufen. Wir legen also bei 1200$ ein Buy Limit. Wird die Marke erreicht, wird durch die Limit-Order der Trade geschlossen.

Umgedreht können sie eine Limit- Order auch verwenden, wenn Sie noch in keinem Trade investiert sind. Sie haben den Gold Short Trade vielleicht verpasst und denken, bei 1200$ ist ein guter Preis. Jetzt zu 1340$ möchten sei nicht einsteigen, aber 1200$ hört sich gut an. Dann können Sie auf diese Stelle ein Buy Limit legen und kaufen dann erst zu diesem Kurs. Bei einer Stoporder können Sie eine schlechtere Kursausführung bekommen, bei einer Limit Order ist das nicht der Fall.

Diesen Punkt finden Sie ebenfalls in der Ordermaske:

 

Orderarten im Trading - Ordermaske DEGIRO
Limit Order bei DEGIRO

Stop-Limit – Orderart die vor Überraschungen schützt

Vor allem in Situationen, in denen wichtige Nachrichten auftreten, kann die Ausführung Ihrer Wertpapierorder zu schlechten Konditionen erfolgen. Die Kursausführung kann mit „Slippage“ erfolgen. Das bedeutet, dass Sie eventuell deutlich zu teuer kaufen oder beim Verkauf einen schlechteren Kurs erhalten, als nötig wäre.

Wenn Sie in einen Trade mit einem Buystop einsteigen möchten OHNE der Gefahr von Slippage zu erliegen, können Sie die Orderart Stop-Limit wählen. So können Sie festlegen, dass Sie nur zu dem Kurs oder besser auch ausgeführt werden.

Diese Orderart wird allerdings nicht oft genutzt. Denn der Nachteil dieser Orderart ist, dass Sie bei schnellen Marktbewegungen keine Ausführung erhalten werden. Sollten Sie sogar in einem Investment sein und die Stop-Limit-Order zum Ausstieg nutzen wollen, könnten Sie in der Position bleiben, obwohl die Märkte deutlich gegen Sie laufen. Das Limit wird förmlich „überrannt“.

 

One-Cancels-Other (OCO)

Wenn Sie diese Order verwenden, geben Sie nacheinander zwei Orders in den Markt. Dadurch haben Sie ein unteres und ein oberes Orderlimit festgelegt. Sollte eine von beiden Orders ausgeführt werden, wird die andere Order automatisch gelöscht. So können Sie geschickt einen Ausbruch handeln, ohne den Markt dauerhaft beobachten zu müssen.

 

Die Zeitorder – systematisch zum Erfolg

Eine Zeitorder ist sehr praktisch, wenn Sie am Wochenende Ihre Analyse machen, doch Montag früh keine Zeit haben um in einen Trade einzusteigen. So können Sie eine Zeitorder verwenden, um festzulegen was Sie zu einer bestimmten Uhrzeit machen möchten. Sie können damit ausdrücken: „Steige am Montag zu folgender Uhrzeit in den Markt ein“. Dadurch lassen sich Ausführungen zu Uhrzeiten, an denen kaum Liquidität vorhanden ist, sehr gut vermeiden.

Nur wer sich gut mit den Begriffen beschäftigt, stellt eine perfekte Umsetzung im eigenen Trading sicher. Mit den einzelnen Orderarten kann man seine Ergebnisse an der Börse durchaus steigern und seinen Tradingansatz optimieren. Das Ziele im Trading allerdings nicht nur Vorteile haben müssen, erfahren Sie hier.

Wo Sie weitere Informationen zum Trading-Einstieg finden, erklärt dieses Video.

 

 

Ihr Adrian Kömel

Adrian Koemel
Über Adrian Koemel 4 Artikel
Adrian Kömel hat Wirtschaftsmathematik studiert und beschäftigt sich seit seiner Jugend mit der Börse. Er konzentriert sich auf die statistische Systementwicklung und den Handel auf Basis der CoT-Daten, Saisonalitäten und Terminkurven. Er ist zudem Autor von „So erzielen Sie überdurchschnittliche Renditen“.

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