Negativzinsen – Verwahrentgelt für Privatpersonen?

Spareinlagen unter Beschuss

Bargeld in Geldbörse
Auch Bargeld soll zukünftig - nach dem Willen des IWF - nicht mehr vor Negativzinsen schützen
 

Schon seit Monaten gehören die empfindlichen Strafzinsen zur neuen Realität in Deutschland. Allerdings trifft das sogenannte „Verwahrentgelt“ bisher vor allem Gelder mit gewerblichem Hintergrund. Doch das Dauertief am Zinshimmel belastet die Banken weiter. Es stellt sich die Frage: Kommt der Negativzins auch für Privatpersonen?

 

Während der ein oder andere Bankenvorstand sicherlich nichts gegen einen Anstieg von 100 Basispunkten am langen Ende der Zinsstruktur einzuwenden hätte, werden stattdessen erneut riesige LTRO-Programme erwartet. LTROs (longer-term refinancing operations) sind langfristige Refinanzierungsgeschäfte für Banken. Sie sind ein Bestandteil der möglichen geldpolitischen Operation der EZB. Allerdings führen diese LTROs nicht zu einer Perspektive von steigenden Zinsen – im Gegenteil.

 

LTROs könnten Zinsen weiter unten halten

 

Sollte die EZB also in der Tat weiterhin riesige Liquiditätswellen durch die Eurozone schicken, dürfte das Ertragsproblem der Banken und Sparkassen weiterhin bestehen bleiben. Immerhin ist es kein Mangel an Liquidität, der die Bankenlandschaft – vor allem in Deutschland – belastet. Es ist vor allem der Zinsertrag, der den Banken fehlt. Dabei ist es nicht die absolute Höhe des Zinses, der den Banken zu schaffen macht, sondern die Differenz aus langfristigen und kurzfristigen Zinsen – Stichwort Fristentransformation.

Unter diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob die EZB Geldpolitik der nächsten Monate die Lage für die deutschen Banken nicht nochmals verschärft. Der Verdacht liegt jedenfalls nahe, dass die LTROs genau das erreichen werden. Eine Entscheidung darüber und ein Budgetrahmen könnten bereits in dieser Woche zur EZB-Sitzung formuliert werden. Man darf diesem Termin am Donnerstag ab 13.45 Uhr somit mit Spannung entgegensehen.

Doch was bedeutet das für deutsche Sparer?

 

Negativzins für Sparer könnte kommen

 

Während die deutschen Sparer im Privatvermögen bisher vom Verwahrentgelt größtenteils verschont blieben, könnte ein „Weiter so“ der Geldpolitik den Leidensdruck nochmals deutlich erhöhen. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Geldinstitute weiterhin auf die Zinsdifferenz aus Spareinlagen und Kreditgeschäft verzichten können, dürfte damit deutlich abnehmen. Eher ist anzunehmen, dass immer mehr Banken und Sparkassen den Zins für kurzfristige Geldanlagen und Girokonten unter Null senken werden. Nur so könnte der Ertragsdruck der zu geringen Fristentransformation aufgehalten werden.

Einige prominente Beispiele für die Weitergabe des negativen Einlagezinses der EZB gibt es bereits. So hat die Haspa (Hamburger Sparkasse) etwa bereits im 2. Halbjahr 2018 das Verwahrentgelt von -0,4 % für Privatpersonen beschlossen. Allerdings trifft diese Einführung bisher nur einige wenige Kunden der Haspa. Ein Freibetrag von 500.000 Euro schützt die kleineren Spareinlagen noch vor diesen Auswirkungen.

Notenbanktermine EZB 2019: Entscheidung über Zinsen

 

 

Fazit – Negativzins für Privatpersonen

 

Jede Person mit Spareinlagen sollte sich darüber im Klaren sein, dass ein Anhalten der EZB-Geldpolitik den Druck auf die Banken weiter erhöhen wird. In diesem Umfeld ist die Einführung von einem Verwahrentgelt für Privatkunden sehr wahrscheinlich. Oftmals muss nur ein Institut bei diesen Schritten vorweggehen, um die anderen Institute folgen zu lassen. Der Schritt der großen Haspa ist daher durchaus als Startschuss und nicht als Einzelfall zu sehen. Und auch die Gedanken des IWF (Internationaler Währungsfonds) über die Möglichkeit, den Strafzins an das Bargeld weiterzugeben, passt in das große Bild.

Den Kunden der Banken und Sparkassen ist daher zu wünschen, dass der Zeitpunkt der zusätzlichen Belastung zum ohnehin schon negativen Realzins (Zinssatz – Inflationsrate) noch in weiter Ferne liegt. Allerdings könnte sich diese Hoffnung noch im Jahr 2019 für viele Kunden als Seifenblase erweisen.

Martin Kronberg
Über Martin Kronberg 133 Artikel
Martin Kronberg recherchiert kritisch an der Basis der Finanzmärkte. Dabei werden nicht nur Themen aus dem Bereich Trading, sondern auch andere wirtschaftliche Zusammenhänge erörtert. Auf anderen Portalen tritt Martin Kronberg stellvertretend für die Autoren des Trading-Treff auf.

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