Investieren mit Indexfonds – Was gilt es zu beachten?

Auf diese Feinheiten kommt es an

Investieren mit Indexfonds
Investieren mit Indexfonds
 

Das Investieren mit Indexfonds erfreut sich zunehmender Beliebtheit. Das liegt zum Einen natürlich an den Kostenvorteilen, die diese Geldanlage gegenüber den herkömmlichen Fonds haben.  Zum Anderen ist es der Einfachheit geschuldet, mit der die Performance eines Index abgebildet werden kann. Doch wie kann man mit den Exchange Traded Funds nun vernünftig investieren?

 

Obwohl die ETF´s das Leben der Investoren vereinfacht haben, ist es nicht damit getan nur einen ETF zu kaufen. So hält man im Endeffekt auch viele Aktien und ist vor der Pleite eines einzelnen Unternehmens gefeit – doch eine Diversifizierung ist damit noch nicht gelungen. Auf was Sie beim Investieren in Indexfonds achten sollten stelle ich Ihnen nun dar.

Sollten Sie noch keine Idee davon haben, was denn eigentlich ETF´s bzw. Indexfonds sind, dann sollten sie den Artikel „Was sind ETF`s“ zuerst lesen. Doch kommen wir nun zu den Fallstricken auf die bei der Fondsauswahl geachtet werden muss.

 

Fallstricke beim Investieren in Indexfonds – Die Liquidität

Einer der wichtigsten Punkte ist die Liquidität des vom ETF nachgebildeten Index und seiner Bestandteile. Große Aktienindizes wie der S&P 500, der EURO STOXX 50 oder die Technologiebörse NASDAQ 100 sind in Bezug auf die Liquidität optimal.

Im Gegensatz zu solchen liquiden Aktienindizes, wird der Preis von High Yield Anleihe Indizes meist errechnet, da die enthaltenen Anleihen oftmals nur bedingt liquide sind. Oft kommt es über Tage zu keinem Handel mit entsprechendem Volumen in diesen Anleihen.

Das ist in normalen Zeiten kein Problem, doch wenn es an den Börsen stürmisch zugeht, kann die relativ geringe Liquidität der enthaltenen Wertpapiere zu einer extremen Verschlechterung der Handelbarkeit des entsprechenden ETF´s führen. Oft manifestiert sich dieser Umstand in der Ausweitung der Differenz zwischen den Bid und Ask Kursen des ETF´s.

Neben den High Yield Anleihen ETF´s findet man auch Exchange Traded Funds, die z.B. Verbriefte Kredite abbilden. Bei solchen Indexfonds ist äußerste Vorsicht geboten, wie auch bei allen anderen exotischen Anlageklassen. Es ist zweifelhaft, ob diese in Krisensituationen überhaupt handelbar sein würden.

 

Allokationsblasen vermeiden

Der zweite wichtige Punkt ist, die Assetallokation zu beachten. Es kann schnell vorkommen, dass man mit ETF´s ein Klumpenrisiko eingeht. Der MSCI World zum Beispiel, enthält einen hohen Anteil an amerikanischen Wertpapieren. Zurzeit befinden sich in diesem Index zu ca. 60% amerikanische Aktien. Das macht eine Anlage in den MSCI World eher zu einem US Investment und weniger zu einem weltweit gestreuten Aktienprodukt.

 

Übergewichtung von Ländern

Sollte dieser im Portfolio auch noch mit einem S&P 500 ETF kombiniert worden sein, besteht eine starke Übergewichtung von amerikanischen Aktien. Dieser Umstand sollte einem Anleger der in ETFs investiert bewusst sein.

Deshalb ist es wichtig immer alle Bestandteile und die Sektorengewichtung eines ETF´s zu prüfen. So kann man auch schnell überprüfen, ob nicht nur ein Land oder Sektor ungewollt übergewichtet wird, sondern auch bei den einzelnen Aktien.

 

Übergewichtung von einzelnen Aktien

Hier muss man z.B. stark darauf achten, dass der größte enthaltene Sektor im S&P 500 die Informationstechnologie ist. So kann es zu Überschneidungen kommen, sollte er z.B. mit einem Technologie Sektor ETF kombiniert werden.

Bei den Aktien und Sektoren gibt es noch einen weiteren wichtigen Punkt, der unbedingt beachtet werden muss. Dabei handelt es sich um die jeweilige Klassifizierung der einzelnen Unternehmungen. Damit ist gemeint welchem Sektor sie zugeordnet sind.

 

Diversifizierung erreichen

Um eine breite Aufstellung zu erreichen ist es wichtig, das anzulegende Kapital zu streuen. Nicht nur über verschiedene Länder, sondern auch über die Assetklassen hinweg. Eine gesunde Mischung aus Aktien, Rohstoffen und Anleihen sollte angestrebt werden.

Dabei muss sich der Investor bewusst sein, dass die Korrelation der einzelnen Assetklassen untereinander, im Fall einer Krise meist signifikant ist und es deshalb nur schwer möglich ist, dem Sog zu entkommen.

An dieser Stelle kann eine komfortabel ausgestattete Cash Position hilfreich sein. Sie ist es, die dem Investor ein gewisses Maß an Sicherheit bietet und ihm die Chance lässt agieren zu können, sollten es zu einem Schwarzen Schwan kommen.

 

Klassifizierungsbenchmarks und Standards beachten

Es gibt zwei Klassifizierungsstandards. Zum Einen den Global Industry Classification Standard (GICS) und zum Anderen den International Classification Standard (ICB).

Der GICS erfuhr erst letztens eine Review und die Kriterien bzw. die Zuordnung einzelner Unternehmungen wird sich am 28. September ändern. Hiervon ist besonders der Tech Sektor betroffen, wie ich schon in einem früheren Artikel berichtet hatte.

Jedoch werden die von den starken Unternehmungen befreite Sektoren wie die Information Technology und deren Indizes an Attraktivität verlieren. Die bisherigen Gewinnbringer des Sektors werden herausgelöst, damit werden die Investoren auch den betroffenen ETF´s den Rücken zukehren, denn GOOGL, FB, EA, ATVI und TTWO stehen für ca. 20% des Information Technology Sector.

Gefahr für Alphabet Facebook und Co – GICS Re-Klassifizierung

 

Das Schwarmverhalten meiden

Viele Anleger werden von den Marketingabteilungen gelockt, die jedes Jahr eine neue Sau durch das Dorf treiben. Es ist ein Fehler, auf dieses Marketing zu hören, denn Marketing will verkaufen und nicht aufklären.

Modeprodukte wie z.B. Faktor ETF´s, zu denen Beispielsweise Smart Beta oder Low Volatility Strategien zählen, sollten schon allein aufgrund der herrschenden Allokationsblasen durch das Schwarmverhalten gemieden werden. Sie versprechen ein geringeres Risiko, doch stimmt das nur solang man an der Oberfläche dieser Strategien kratzt.

Neben den Faktor ETF´s gibt es jedoch auch noch die Dividenden und weitere Income Strategien die sich einer großen Beliebtheit erfreuen.

Dividenden – Mythen und Legenden

 

Wie in dem Beitrag „Dividenden – Mythen und Legenden“ dargelegt, handelt es sich dabei aber nur um Marketingaugenwischerei und nicht um einen wirklichen Vorteil.

Ein weiteres Modeprodukt im Investmentbereich sind ETF´s, die sich auf die Unternehmen konzentrieren die eine besonders ausgeprägte Buyback Politik betreiben. Auch hier wird mit außerordentlichen Renditen geworben. Auch hier handelt es sich um einen Umstand der so nicht ganz stimmt. Insbesondere dann nicht, wenn die damit einhergehenden Risiken nüchtern betrachtet werden.

Etwas worauf hier auf Trading-Treff schon mehrere male hingewiesen wurde.

 

Wissen zu Buyback Programmen und Aktienrückkäufen

Buyback-Programme: Ein nie dagewesener Raubzug

Financial Engineering – Buyback Programme als Risiko

Warum kaufen Unternehmen eigene Aktien zurück?

 

Das Gegenparteienrisiko in ETFs

Das Risiko, dass eine Gegenpartei eines Swaps oder einer Wertpapierleihe ausfällt ist zwar gering, muss aber angesprochen werden. Dazu schrieb ich im Artikel „Was sind ETF`s?“ folgendes:

Um die TER weiter zu drücken, wird im Normalfall bei beiden Replikationsarten die Wertpapierleihe betrieben. Dabei entsteht ein Gegenparteirisiko, welches man immer im Hinterkopf behalten sollte. Wieviel ein Fonds von seinen Wertpapieren verleiht, kann man bei den jeweiligen Emittenten einsehen oder auch bei Morningstar.

Wenn Sie jetzt denken: Okay dann nehme ich einfach synthetische ETF´s und umgehe das Gegenparteirisiko, dann muss ich Sie enttäuschen. Bei allen drei Möglichkeiten der synthetischen Replikation existiert das Ausfallrisiko des Swap-Partners. Der Swap ist zwar besichert zu mindestens 107,5% des Swap-Wertes, doch ob in Folge eines Ausfalls die Qualität der Sicherheiten nicht beeinträchtigt wird, ist zweifelhaft.

 

Im Fall der Fälle ist zwar höchstwahrscheinlich das Kapital nicht vollständig verloren, doch wird es eine gewisse Zeit dauern, bis man wieder über dieses Geld verfügen kann.

 

Die Kosten gering halten

Die Kosten waren es einst die John Bogle, den Gründer von Vanguard dazu bewegte die Idee der Indexfonds und anschließend den ETF´s zu verfolgen. Er identifizierte die Kosten als das größte Hindernis auf dem Weg zu einem erfolgreichen Investment.

Zu diesen Posten zählen folgende:

  1. Depotführungsgebühren, die hier und da noch anfallen
  2. Ordergebühren + weitere mögliche Börsengebühren
  3. Die Kosten des ETF´s
  4. Steuerliche Bestimmungen im Land des Anlegers

 

Zu Punkt Drei müssen an dieser Stelle noch ein paar Ergänzungen gebracht werden, da sie mehr enthalten als nur die Total Expense Ratio. Die Kosten eines ETF´s umfassen ein wenig mehr:

  1. Total Expense Ratio
  2. Indexlizenz
  3. Indexumstellung (Handelskosten)

 

Geldanlage in ETF´s

Für den langfristigen Erfolg ist es ungemein wichtig all die angesprochenen Kosten so gering wie nur möglich zu halten. Zu diesem Bemühen gehört eine ordentliche Portion Disziplin. Immerhin kann der Anleger aufgrund der Einfachheit des Investierens in ETFs schnell in Aktionismus verfallen. An diesem Punkt denken Sie immer an den berühmten Börsenspruch: „Hin und her macht Taschen leer.“

Insgesamt gesehen sind ETF´s gute Geldanlagen. Wenn Sie die angesprochenen Fallstricke beachten, bieten sie einen großen Mehrwert für den langfristigen Investor. Aus diesem Grund hat sich das Investieren mit Indexfonds nicht ohne Grund zu einer beliebten Disziplin entwickelt.

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