Geschichte und Arten von derivativen Finanzinstrumenten

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Derivative Finanzinstrumente, Derivate, stellen einen gegenseitigen Vertrag dar. Manche von ihnen sind bedingter andere unbedingter Natur. Derivate beziehen sich immer auf einen Basiswert, auch Underlying genannt. Es ist ein spannendes Feld, welches schon viele Marktteilnehmer betreten haben.

 

 

Derivate Arten

 

Um die Geschichte zu verstehen müssen wir als erstes festhalten, dass Derivate dem Transfer von Risiken dienen. Sie dienen der Trennung von Marktrisiken von dem Basiswert. Grundsätzlich kann man zwischen verschiedenen Arten unterscheiden.

  • Festgeschäft/Termingeschäft: Es sind unbedingte Geschäfte. Verkäufer und Käufer müssen zu einem vorher definierten Zeitpunkt das Geschäft erfüllen. Hierzu zählen unter anderem Futures und Forwards.
  • Swapgeschäft: Sie sind einfach gesagt eine Aneinanderreihung von Festgeschäften und gehören damit zu den unbedingten Termingeschäften.
  • Optionsgeschäft: Hierbei geht der Verkäufer einer Option ein unbedingtes Geschäft ein. Er ist verpflichtet zu liefern, während der Käufer zwar das Recht auf Lieferung aber nicht die Pflicht zur Abnahme hat.

 

Die Geschichte der Derivate

 

Schon aus der Antike sind solche Verträge bekannt. Zum Beispiel berichtete Aristoteles in seinem Buch Politik, über Verträge mit Olivenpressen, die der Marktmanipulation dienten. Er kann damit als einer der ersten Kritiker dieser Geschäfte gelten. Auch im Römischen Reich gab es verschiedenste Verträge zur Risiko Mitigation. Geschäfte die größtenteils von der Nobilitas, dem Stand der Ritter, organisiert wurden.

Doch ein wirklich organisierter Handel lässt sich erst im Hochmittelalter nachweisen. Dabei führt diese Spur nach Venedig. Venedig war damals das Handelszentrum schlechthin. Es war das Tor Europas zur Seidenstraße, eine Rolle, die verschiedene italienische Häfen erneut anstreben.

Eines der primären Ziele der damaligen Derivate war es, dass Risiko im Zusammenhang mit der Seefahrt zu minimieren.

 

Moderne Derivate

Doch die moderneren Formen kamen erst in der Neuzeit auf. Der Handel mit Forwards und Optionen fing in Amsterdam Ende des 16ten Jahrhunderts an. Hier kam es auch zu einem der ersten dokumentierten Hypes um ein Handelsgut. Es war die sogenannte Tulpenmanie welche im Jahr 1637 ihren Höhepunkt fand.

In einem anderen Teil der Welt erblickte dann zum Ende des 17ten Jahrhunderts der erste Futures Kontrakt das Licht der Welt. In Osaka wurde die Dōjima kome ichiba eröffnet. Es war der erste Futures Markt, auf dem Reis auf Termin ohne physische Erfüllung gehandelt wurde. Es fand nur ein Barausgleich als Erfüllung statt. Damit fing die Geschichte des modernen Derivate Handels in Japan an.

 

Gründung CBOT

Die uns jedoch am bekanntesten Future-Märkte kamen dann in den USA auf. Im Jahr 1848 wurde die Chicago Board of Trade (CBOT) gegründet. Sie war zuerst nur eine Handelskammer, doch schon 1851 wurden die ersten Forwards gehandelt. Zuerst wurden nur Maiskontrakte gehandelt, doch schon nach einem Jahr kamen Kontrakte die sich auf den Preis von Weizen bezogen hinzu.

Aufgrund steigender Spekulation durch Marktfremde Teilnehmer, kam es 1865 zum ersten Regelwerk, in dem die Modalitäten der Verträge standardisiert wurden. Jedoch kam es erst im Jahr 1919 zu einem umfassenden Regelwerk für den Futures-Handel. Dieses geschah am Chicago Butter and Egg Board, dass sich daraufhin auch einen neuen Namen gab. Die Chicago Mercantile Exchange (CME) war geboren und ist seitdem den meisten Händlern ein Begriff. Es ist der Ort an dem der Handel der E-mini Kontrakte stattfindet, welche sich auf verschiedene Aktienindizes beziehen. Dazu zählen Kontrakte auf den S&P 500 Index, die Nasdaq-100, den Dow Jones Industrial Average und den Russel 2000 Index. Ab Mai 2019 sollen auch Micro E-mini Kontrakte eingeführt werden, um die Attraktivität des Handelsplatzes weiter zu erhöhen. Hier entsteht eine Konkurrenz zu dem in Europa weitverbreiteten Over the Counter CFD Handel.

 

Wer setzt Derivate ein?

 

Heutzutage dienen Derivate noch immer dem sogenannten Hedging. Dabei wird versucht die Marktrisiken für die eigene Unternehmung, Portfolio, etc. zu minimieren. Dieses geschieht zum einen über strategische und zum anderen über taktische Absicherungen. Hinter den strategischen verbergen sich zumeist Optionen oder Swaptions, während die taktische Absicherung zumeist über Forwards, Futures und Swaps erfolgt.

Daneben tummeln sich natürlich auch die Spekulanten in diesem Feld. Diese setzen wiederum die Derivate ein, um von der Preisfluktuation zu profitieren. Es ist das Feld in dem sich auch zunehmend private Akteure engagieren. Das geschieht dann oft mithilfe von speziellen Over The Counter Derivaten, welche nicht auf öffentlichen Handelsplätzen, Börsen, gelistet sind. Dazu zählen z.B. Contracts for Difference (CFD´s) aber auch die sogenannten KO-Zertifikate oder Warrants (Optionsscheine).

OTC-Kontrakte wie z.B. CFD´s sind zumeist als Forward- oder Swapgeschäft strukturiert. Dagegen sind KO Zertifikate und Optionsscheine eher Derivate zweiter Ordnung, da sie von Futures oder Optionen abgeleitet werden.

Im Gegensatz zu den „kleinen“ Spekulanten, den Retail Kunden, verfügen die professionellen Spekulanten über eine „Werkzeugbox„, die der der kleinen Spekulanten bei weitem überlegen ist. Es sind die HFT Handelsgesellschaften, welche in der heutigen Zeit die großen Geschäfte machen.

Auch so komplexe Geschäfte wie CDO´s, CLO´s und CDS gehören zum Derivate Universum.

 

Risiko von Derivaten

 

Beim Handel mit Derivaten sieht sich der Marktteilnehmer mit verschiedenen Risiken konfrontiert.

Die Komplexität von verschiedenen Optionen und den damit verbundenen Strategien stellt die Teilnehmer vor eine große Herausforderung. Der Ausgang eines solchen Geschäfts ist nicht von vornherein abzusehen, da viele Variablen mit hinein spielen. Es lassen sich jedoch zwei Stränge unterscheiden.

Der Käufer einer Option riskiert nur die eingesetzte Prämie und geht damit ein zuvor festgelegtes Risiko ein. Der Verkäufer jedoch tätigt ein Geschäft auf Margin, welches mit besonderen Risiken verbunden ist. Bei einem Margin Geschäft kann es passieren, dass die verfügbaren liquiden Mittel nicht zum Verlustausgleich ausreichen. Damit kommt es zu einem „Margin Call“, bei denen die Positionen zwangsliquidiert wird.

Insgesamt besteht bei einem Margin Geschäften das Risiko, dass der Verlust die liquiden Mittel übersteigt und damit die Solvenz des Marktteilnehmers bedroht ist.

Zu den Margin Geschäften zählen neben dem Verkauf von Optionen auch Forwards, Futures und Swaps.

Zusätzlich dazu gibt es auch noch das System Risiko, also dem Ausfall der Counterparty. Dazu ist es im vergangenen Jahr fast gekommen, als ein Norwegischer Trader mit sehr großen Spread Geschäften auf dem Energiemarkt daneben lag und liquidiert wurde. Der verantwortliche Sicherungsfonds der Clearingstelle hatte fast nicht ausgereicht um das Risiko aufzufangen.

Ein anderer Punkt an dem sich das Counterparty Risiko zeigt, ist die Gestaltung synthetischer ETF´s. Aufgrund ihrer Konstruktion können Sie im Bereich Derivat eingestuft werden. Darüber hinaus unterliegen auch alle Strukturierten Produkte, sprich Zertifikate, diesem Risiko.

Sie sehen, den Handel mit Derivaten sollte man mit Bedacht betreiben und die reale Abschätzung der Risiken ist das Alpha und Omega des erfolgreichen Traders.

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