Evolution der Volatilität

Von der Risikomessung hin zum Trading Instrument

Evolution der Volatilität
Evolution der Volatilität
 

Die Entwicklung der Volatilität ist ein spannendes Thema. Besonders die jüngsten Ereignisse haben die besondere Stellung der Volatilität an den heutigen Börsen in Erinnerung gerufen. Zu Anfang stand die Idee, die Qualität eines Portfolios objektiv bewerten zu können. Seitdem entwickelte sich das Konzept der Volatilität und wie sie verstanden wird beständig weiter. Wo stehen wir heute in der Evolution der Volatilität und wie kann man davon profitieren?

 

Die Anfänge der Volatilität

Lange Zeit wurde die Leistung des Fondsmanagements nur an der erreichten Performance gemessen. Hierbei wurde das eingegangene Risiko nicht berücksichtigt. Damit war bis zum Anfang der 50er Jahre eine objektive Bewertung der Management-Qualität nicht möglich. Ein zu der Zeit noch unbekannter junger Akademiker ersann an der Universität Chicago das Konzept, Risiko anhand der Volatilität zu messen.

Es war Harry Markowitz, der 1952 die Volatilität, er nannte es Varianz, als ein Werkzeug zur Messung des Risikos eine Portfolios einführte. Er nahm die Volatilität als Messinstrument, da die Definition des Risiko Begriffs recht diffus ist.

Seit 1952 wird also die Volatilität mit dem Begriff Risiko assoziiert. Nach und nach setzte sich das Konzept in der gesamten Finanzindustrie durch.

 

Renditen und Volatilität ziehen an! – Gefahr für die Märkte

 

Schwarzer Montag 1987 als Katalysator

Der Absturz im Jahr 1987 kann als eine Art Katalysator für diese Entwicklung angesehen werden. Infolge des Black Mondays wurde eine neue Möglichkeit der Risikomessung basierend auf der historischen Volatilität erfunden. Das geschah im Auftrag vom damaligen Aufsichtsratsvorsitzenden von JPMorgan, Sir Dennis Weatherstone.

Er wollte infolge der Kurskapriolen zukünftig jeden Tag darüber informiert werden, wieviel die Bank mit ihren Handelspositionen riskiert. Daraus entwickelte Till Guldimann für JPMorgan das Value at Risk (VaR) Modell. Das Modell zeigt den Betrag an, den die Bank an jedweden Tag mit einer Wahrscheinlichkeit, dem Konfidenzniveau, von 95% verlieren kann.

Hier wird oft vergessen, die richtige Frage zu stellen. Was passiert in den restlichen 5% der Fälle, wie hoch ist hier das Risiko? Leider wird sich zu oft mit der Aussage begnügt, dass man in 95% der Fälle nur Betrag x verlieren kann.

Seine Verbreitung fand das Modell endgültig im Jahr 1993. In diesem Jahr hatte JPMorgan beschlossen, das Modell frei zugänglich zu machen.

 

Volatilität als Risiko – Absicherung des Risikos?

Da nach den Erfahrungen aus dem 1987er Crash die Volatilität mit dem Risiko gleichgesetzt wurde, kam das Verlangen auf, die Volatilität als solches auch handeln zu können.

Das ging bisher nur indirekt mithilfe von Optionen. Da in ihre Bewertung aber mehr als nur die Volatilität einfließt, war es keine adäquate Antwort auf die Bedürfnisse der Handelsteilnehmer, die sich versichern wollten.

Schon in den 80er Jahren wurden die ersten Versuche unternommen, einen Volatilitätsindex zu entwickeln. Im Gegensatz zu einem Aktienindex ist die Berechnung eines Volatilitätsindex jedoch wesentlich komplexer. Doch 1993 war es endlich soweit und der CBOE Volatility Index, kurz VIX, erblickte die Welt. Dieser konnte zu der Zeit aber immer noch nicht direkt gehandelt werden.

Die UBS war die erste Bank, die sich selbst geholfen hat und über einen Variance Swap ihr Vega (Volatilität) Exposure auf den Aktienmarkt Großbritanniens absicherte. Das geschah 1993 – ab da erfreuten sich die Variance Swaps einer großen Beliebtheit. Diese Welle fand ihren Höhepunkt mit der Pleite von Long Term Capital Management (LTCM).

Die Verborgenen Risiken der Finanzmärkte

 

Wunsch des direkten Volatilitätshandels

Nach den wilden 90er Jahren und dem Finale im Platzen der Dotcom Blase, setzte sich der Wunsch durch, das Risiko zentral handeln zu können. Im Jahr 2004 startete endlich der VIX Future, sodass ein direkter Handel des angenommenen Risikos möglich wurde.

Ein wichtiger Schritt in der Evolution der Volatilität, denn nur so konnte sie zu der dominierenden Anlageklasse werden, die sie heute ist. Seit 2009 gibt es auch die auf den VIX Future basierende Exchange Traded Products (ETP), die im Februar 2018 traurige Berühmtheit erlangt haben.

Die ETP´s machten es der breiten Masse von Akteuren erst möglich, die Volatilität direkt zu handeln. Damit wuchs schlussendlich das Short Volatility Universum zu seiner aktuellen Größe und die damit einhergehenden Probleme konnten im Februar beobachtet werden.

Die negativen Effekte, die sich zu einer Feedbackschleife zusammenfinden, führten bisher nicht zu der von einigen antizipierten Gammabombe. Doch diese Gammabombe ist das Ungeheuer, dass unter der ruhigen Wasserfläche lauert.

Schlussendlich wurde aus dem Fetisch der Risikomessung die einzige Anlageklasse der Welt. Die Volatilität dominiert alles, sodass der Marktakteur stets nur noch eine Frage beantworten muss, Long Volatilität oder Short Volatilität.

Crisis Alpha Long Volatility

 

 

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