Die Jedermann Strategie

Die Jedermann Strategie
 

Eine einfache Anlage Strategie, die ein jeder Anleger umsetzen kann, ohne dabei Derivative Techniken anwenden zu müssen soll hier vorgestellt werden. Zuvor hatte ich in dem Artikel „Risiken Beherrschen – Management des Unbekannten“ schon einmal einige Überlegungen in diese Richtung vorgestellt. Eine dieser Überlegungen sollen hier vertieft werden.

Zuletzt fiel mir das Buch The Dao of Capital von Mark Spitznagel in die Hand, in dem er einige interessante Gedanken formuliert hat. Einer war es das Portfolio mithilfe des CAPE oder auch als Shiller P/E bekannt zu steuern. Dabei kamen interessante Ergebnisse heraus, die ich direkt auf ihre Stimmigkeit hin prüfen musste. Die dort erreichte Performance erschien mir unwahrscheinlich.

 

Rahmen der Jedermann Strategie

Das CAPE Ratio, welches auch unter dem Namen Shiller P/E bzw Shiller KGV bekannt ist, ist eine Art Barometer, dass die Bewertung des Aktienmarktes misst. Kurz gesagt ein Wert unter 10 deutet auf einen stark unterbewerteten Aktienmarkt hin und ein Wert größer 20 zeigt eine Überbewertung an. Was ist, wenn man nun die Phasen der Überbewertung in dem eigenen Portfolio ignoriert und stattdessen zu 100% in Anlagen aus dem Bereich des „Sicheren Hafens“ investiert?

Anlagen aus dem Bereich des "Sicheren Hafens"

Dazu schrieb ich im Artikel „Risiko Beherrschen – Management des Unbekannten“: Ansatz Sicherer Hafen Nichts, was man auf den Finanzmärkten nicht lösen könnte, selbst ohne Financial Engineering sollte es möglich sein und ist es theoretisch auch. Theoretisch sind Bundesanleihen aber auch US Staatsanleihen die sichersten Investment Vehikel unserer Zeit, also könnte man zu dem Schluss kommen, dass ein sicheres Portfolio entsteht, wenn man diese Anlage Vehikel nimmt und sie bis zur Endfälligkeit hält. Auf gewisse Art und Weise liegt man mit dieser Überlegung schon richtig, doch kommen hier andere, oft versteckte, Risiken zum tragen, welche ich im Artikel „Überlegung zur Sicherheit der Staatsanleihen“ schon einmal behandelt habe und hier nicht wiederholen will. Egal wie, wir nehmen einfach an, dass die Bundesschatzanweisungen und 2 Y US Treasury Notes sicher sind. In diesem Fall teilen wir ganz simpel das Portfolio auf beide Positionen mit je 50% auf und zur Vereinfachung ignorieren wir dabei das Wechselkursrisiko. Die Schatzanweisungen bieten zur Zeit eine Rendite von -0,5% und die 2 Jährigen US Treasury Notes eine in Höhe von 2,74% p.a. an. Damit kommen wir auf eine gesamt Rendite von 1,12%, die als theoretisch sicher gelten kann, egal was an den Märkten geschieht. Daneben kann ein Konto bei der Sparkasse aber auch der Volksbank als sicher gelten und ist dementsprechend zuzuordnen.

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Dieser Frage ging Marc Spitznagel nach und die Ergebnisse waren interessant, sodass eine Überprüfung angebracht erschien.

Kommen wir nun zu der Überprüfung, deren Rahmendaten folgende sind:

  • Der Beobachtungszeitraum Umfasst die Zeit zwischen Januar 1957 und September 2018, in dem die Daten zum Schluss eines jeden Quartals erhoben wurden.
  • Die theoretisch „Sichere Anlage“ ist in dieser Untersuchung eine 2Year US Treasury Note, welcher eine Rendite von 2% unterstellt wird. Diese liegt zwar weit unter der wirklichen Rendite der Anleihe, doch soll uns die Annahme reichen. Im Jahr 1976 lag die Rendite der 2Y US TN bei über 7% und steigerte sich bis 1981 auf sagenhafte 16,46%. Sie sehen das Ergebnis ist durch die Annahme, dass die Anleihe eine Rendite von nur 2% abwirft nach unten hin verzerrt.
  • Die Indexkomponente wird durch ein direktes Investment in den S&P 500 simuliert und es werden keine Dividenden Auszahlungen mit einbezogen.
  • Liegt das Shiller P/E über 20, so werden 100% in die sichere Anlage investiert. Notiert es jedoch unterhalb spiegelt sich die Aufteilung und es werden 100% in einem Index Investment.

Ok, nachdem wir nun die Bedingungen festgehalten haben, kommen wir nun zuerst zu dem CAPE Chart.

Shiller P/E bzw. CAPE 1957 bis 2018

Schaut man sich hier den Chart des Shiller P/E an, bekommt man schnell das Gefühl, dass der Verzicht auf die Performance der 90er Jahre aber auch der letzten Jahre enorme Nachteile mitbringen müsste.

Es ist jedenfalls gegen die Intuition so zu handeln.

 

Ergebnisse der CAPE Portfolio Steuerung

Schauen wir uns jetzt einmal die Kapitalkurve von drei verschiedenen Ansätzen an.

  1. Der erste ist ein 100% Index Investment, nach dem Motto komme was wolle.
  2. Nummer Zwei ist die Cape Steuerung mit dem Extremen 100% Investment in den Index oder die Anleihe und
  3. Nummer drei ist eine 80/20 bzw. 20/80 Hantel Aufteilung in Abhängigkeit vom Shiller P/E.
SPX 100% Investment (Blau), CAPE Gesteuertes Investment (Rot) und Hantelstrategie (Gelb)

Schon erscheint es spektakulär und ja, so ein Ergebnis ist es auch. Während ein 100% Buy and Hold Index Investment in dem Zeitraum 1957 bis 2018 eine Rendite von 6332% erzielt hat, konnte das durch CAPE gesteuerte Portfolio eine Rendite von mehr als 16700 Prozent erreichen. Wohingegen die Hantel auf die gesamte Zeit sogar schlechter abschnitt, als das reine Buy and Hold Index Investment. Die Rendite der Hantelstrategie liegt bei nur 6070%. Korrektur: Formelfehler (Anstatt die Verzinsung der 2Y TN hatte sich hier die theoretische Rendite der 10Y TN eingeschlichen!)

Leider hat sich oben ein Formelfehler eingeschlichen, ich bitte um Nachsicht. Die Ergebnisse der Performance Betrachtung haben sich dementsprechend nach unten korrigiert. Beim 100% SPX Investment bleibt alles gleich, doch bei der CAPE Steuerung und der Hantelstrategie hat sich etwas geändert. Das CAGR für das Portfolio welches mit Cape gesteuert wird liegt bei 5,63%, was eine gesamt Rendite von 2822% ausmacht. Die Hantelstrategie kommt auf eine Rendite von 2130%.

Ok, die Rendite ist nicht alles, das Risiko ist es welches Umgangen werden muss. In Bezug auf das Risiko schneiden beide durch CAPE gesteuerte Portfolio Strategien besser ab, als das Buy and Hold Index Investment.

Quartals Gewinn / Verlust in Prozent

In Bezug auf die Schonung der Nerven liegt das CAPE Hantelstrategie Portfolio klar vorn, denn der Maximalverlust, der innerhalb eines Quartals angefallen ist liegt bei 22,20%. Das Portfolio, welches zwischen 100% Index oder 100% Anleihe wechselt, hat dagegen einen Maximal Verlust in Höhe von 24,21% zu Buche stehen und das Buy and Hold 100% Index Investment führt hier die Gruppe mit einem Minus von 27,88% an.

Dagegen stehen die maximalen Quartals Gewinne der Portfolios. Hier führen das Buy and Hold und CAPE Portfolio die Rangliste an. Beide blicken auf eine maximale Quartalsperformance in Höhe von 24,91%, wohingegen die Hantelstrategie eine geringere maximale Quartalsperformance erreichen konnte. Diese lag bei dem Portfolio bei nur 20,03%.

Die hier gezeigten Differenzen bei der Performance und dem maximalen Verlust erscheinen zwar auf den ersten Blick gering, doch wie oben im Performance Chart gezeigt, machen sie den riesigen Unterschied zwischen den Strategien aus. Korrektur: Formelfehler

Die Differenzen in der Performance zwischen reinem Buy and Hold sind schon riesig. Sie entstand seit den 90er Jahren und es wird sich noch zeigen müssen ob es ein dauerhafter Zustand sein wird. Jedoch ist das verminderte Risiko gegenüber einer reinen Buy and Hold Anlage hervorzuheben, was es dem Anleger wesentlich leichter machen sollte schwierige Zeiten an den Märkten gelassen gegenüber stehen zu können.

Insgesamt lässt sich aus diesem Ergebnis folgendes ableiten. Der Verzicht auf einen kurzfristigen Gewinn, könnte der Schlüssel zum langfristigen Erfolg sein. Jedoch muss hier eines bedacht werden, dass theoretische Risiko einer Anlage, egal welcher liegt immer bei 100%, sodass das stumpfe abkupfern vielleicht nicht die beste Lösung sein könnte.

Hier könnte man sich Gedanken machen zum Thema der Synthetischen Abbildung eines Indizes, mit dem Ziel das Maximal Risiko weiter zu begrenzen, ohne die Chance auf die reine Index Performance aufgeben zu müssen. Es könnte sein, dass man mit einer Synthetischen Herangehensweise, bei der dass meiste in einer „Sicheren Anlage“ geparkt ist und einem Derivativen Anteil, der nur wenige Prozent des Kapitals ausmacht, eine beidseitig Konvexe Aufstellung erreicht wird. Vielleicht ist ja auch eine Aufteilung auf verschieden Aktien die gewisse Kriterien erfüllen besser und man setzt gegen diese eine Versicherung ein oder steuert das Aktienportfolio nach dem CAPE Ansatz.

Bei den Aktien Kriterien möchte ich nur zwei Stichworte geben:

  • MS Index
  • Faustmann Ratio

Egal wie Sie sich entscheiden, die Minimierung des Risikos sollte das erste Ziel sein. Das zweite der Verzicht auf die Hatz nach kurzfristigen Gewinnen, damit der langfristige Erfolg sich einstellen kann. Und was natürlich niemals vergessen werden darf, Warren Buffets Regel Nr. 1 : Don´t lose Money!

 

 

 

 

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