Die digitale Zukunft der Bankenbranche – es geht voran, aber langsam

Robo Advisor, Digitalbranche im Wandel
Ahmad Ardity / pixabay
 

Ohne Internet geht es nicht mehr. So scheint es jedenfalls, wenn man sich die nackten Zahlen anschaut: 2017 waren die Deutschen im Schnitt zweieinhalb Stunden täglich online. Bei den 20- bis 29-Jährigen waren es sogar über vier Stunden. Meist wird nach etwas gesucht oder eine E-Mail verschickt, aber knapp 60 Prozent nutzen das Internet auch für Online-Banking. Immer mehr Organisationen sind in hohem Maße abhängig von digitalen Tools.

 

Banken sind konservativ

13,4 Millionen Deutsche tätigen ihre Bankgeschäfte mindestens ein mal pro Woche über diesen Weg. Dabei gilt die Finanzbranche noch immer als verstaubt und wenig fortschrittlich. Vor 20 Jahren war es üblich, seinen Bankberater für jede Kleinigkeit persönlich sprechen oder für eine Überweisung mit einem Zettel zur Filiale zu müssen. Die größte Hürde dabei: die Öffnungszeiten der Banken. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Oftmals machen die Filialen bereits um 16 Uhr dicht, freitags sogar schon früher. Persönliche Beratung am Wochenende? Fehlanzeige.

 

Mit dem Online-Banking sind zumindest Transaktionen einfacher geworden und der Kontostand kann am Smartphone oder PC gecheckt werden. Ein paar Services wie das Bestellen eines neuen TAN-Blocks oder die Freischaltung der EC-Karte für ein bestimmtes Land. Danach hört es aber auch schon auf. Altersvorsorge, Geld anlegen, Probleme mit dem Konto klären – hier geht nichts ohne den Bankangestellten vor Ort. Und mit Telefon-Banking wird es auch nicht einfacher.

 

Robo Advisor können nur ein Anfang sein

In vielen Bereichen ist die künstliche Intelligenz bereits angekommen, bei den meisten Banken nicht. Es sind Fintech-Startups, welche die Branche revolutionieren. Beispielsweise mit dem Robo Advisor. Seit einigen Jahren kommen immer neue Anbieter auf den Markt, die eine automatisierte Vermögensverwaltung ermöglichen. Doch für viele Kleinanleger ist dieses Thema noch immer nebulös. Vermögensverwaltung ist etwas für Reiche. Ist das überhaupt sicher? Die meisten Kunden sind vorsichtig beim Geld anlegen.

 

Und auch wenn es inzwischen immer mehr Banken gibt, die einen Robo Advisor anbieten – die Branche tut sich schwer. Dabei gibt es tolle Technologien, die sich wunderbar integrieren ließen, um die Kommunikation mit den Kunden zu erleichtern. Denn immer wieder treten dieselben Fragen auf. Bots könnten per SMS oder Whatsapp darauf antworten. Das würde die oft ziemlich zeitaufwendige Suche auf der Webseite der Bank hinfällig machen. Unternehmen wie Liveperson bieten diese künstliche Intelligenz längst an.

 

Anderswo ist man schon weiter

Was nach Zukunftsvision klingt, ist in anderen Ländern längst Realität. So bietet die italienische Bank UniCredit einen Dienst namens Buddybank an. In der App ist die Bankkarte gespeichert, die dort bei (physischem) Verlust sofort ersetzt wird. Anrufe im Callcenter werden durch einen Messaging-Service vermieden, denn heute wird lieber geschrieben als angerufen. Darauf setzt auch Bankwest aus Australien.

 

Nur in Deutschland scheinen die Hürden höher als anderswo zu sein. Gibt sich eine Bank dann doch einen Ruck und bringt beispielsweise einen Robo Advisor auf den Markt, ist sie damit selten innovativ. Im Gegenteil: Häufig sind die Verwaltungsgebühren höher als bei der Startup-Konkurrenz und der Service nicht besser. So gewinnt man keine Kunden, auch wenn Millionen von Euro in Werbung und Marketing gesteckt werden. Und weil Robo Advisor hierzulande noch relativ neu sind, können sie auch nur langsam mit Fakten aufwarten, die überzeugend sind: durchschnittlich gute Renditen bei einem langen Anlagehorizont. Das sollte doch eigentlich ziehen.

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