Was sind Anleihen? Eigenschaften, Klassifizierungen und die Bewertung von Anleihen

Was sind Anleihen? Klassifizierungen etc
Was sind Anleihen? Eigenschaften, Klassifizierungen und die Bewertung von Anleihen
 

Sie fragen sich was genau eine Anleihe ist? Dann lesen Sie diesen Text, denn genau dieser Frage gehen wir nach. Im zweiten Teil dieses Artikels erfahren Sie außerdem, wie Anleihen bewertet werden.

 

Anleihen, auch Bonds genannt, entstehen, wenn ein Schuldner am Kapitalmarkt Fremdkapital in größeren Umfang aufnimmt. Hierbei werden die Gläubigeransprüche verbrieft und sind damit handelbar. Die Ausgabe einer Anleihe wird Emission genannt und der Schuldner Emittent.

 

Eigenschaften von Anleihen

Anleihen lassen sich anhand ihrer Eigenschaften kategorisieren. Folgende Eigenschaften sind dabei vor allem ausschlaggebend:

  • wer ist der Emittent
  • welche Zinszahlungsmodalitäten sind vereinbart
  • die Laufzeit der Anleihe
  • die Bonität der Anleihe

 

Die Emittenten von Anleihen

Die Emittenten sind entweder Staaten und deren Körperschaften, Unternehmen oder Supranationale Institutionen. Jeder Emittent hat andere Eigenschaften die es zu beachten gilt. Vor allem die Bonität der Emittenten ist sehr wichtig um das Risiko einer Anleihe zu beurteilen. Es gibt neben den Risiken aus der Bonität noch weitere Risiken, wie etwa das Marktpreisrisiko.

Allerdings ist das Bonitätsrisiko ein sehr wichtiges, auf welches gesondert eingegangen wird.

 

Zinszahlungsmodalitäten der Anleihen

Die Emittenten bieten ihren Gläubigern entweder einen fixen, einen variablen, oder keinen Zinssatz für die Anleihe an.

Ein variabler Zins kann von unterschiedlichen Dingen abhängen. Oftmals richtet sich dieser allerdings nach den kurzfristigen Zinsen am Markt, wie etwa dem 3-Monats-Euribor und der Bonität des Emittenten.

Der feste Zins richtet sich nach dem Zinsniveau für die entsprechende Laufzeit und dem Risikoaufschlag für die Bonität des Emittenten.

Bei einem sogenannten Zerobond oder auch Nullkuponanleihe werden keine laufenden Zinsen gezahlt. Die Rendite entsteht durch den Ankauf des Papiers und dem unterschiedlichen Rückzahlungskurs.

 

Laufzeiten der Anleihen

Bei den Laufzeiten unterscheidet man zwischen kurz, mittel und lang laufenden Anleihen, in Zahlen ausgedrückt sieht es so aus, dass eine Laufzeit bis zwei Jahren als Short Term bezeichnet wird. Zwischen zwei und sieben Jahren werden die Anleihen als Medium Term bezeichnet. Alles oberhalb von sieben Jahren wird als Long Term eingestuft. Die Laufzeiten Einteilung basiert auf meiner persönlichen Einschätzung.

 

Bonität der Emittenten

Zu guter Letzt spielt natürlich die Bonität des Schuldners eine gewichtige Rolle, hierbei bieten verschiedene Rating Agenturen ihre Einschätzungen an.

Moody´s teilt die Bonität der Schuldner folgendermaßen ein:

Investmentgrades

Aaa Zuverlässige und stabile Schuldner höchster Qualität
Aa Gute Schuldner, etwas höheres Risiko (vor allem im Langfristbereich) als Aaa
A Wirtschaftliche Gesamtlage ist zu beachten
Baa Schuldner mittlerer Güte, die momentan zufriedenstellend agieren

Non Investmentgrades

Ba Sehr abhängig von wirtschaftlicher Gesamtlage
B Finanzielle Situation ist notorisch wechselhaft
Caa Spekulative Bonds, niedrige Einnahmen des Schuldners
Ca in der Regel liegen hier bereits Zahlungsstörungen vor
C Zahlungsverzug
NR keine Bewertung

Gehen wir nun ein wenig mehr ins Detail.

 

Die Details der Anleihen

 

Bei den Zinsen muss man unterscheiden zwischen der Nominal- und Effektivverzinsung. Das kommt daher, dass die Anleihe selten dem Nennwert entsprechend gehandelt wird. Liegt der Kurs unterhalb des Nennwertes spricht man von unter pari, notiert der Kurs oberhalb, spricht man von über pari.

 

Beispielchart eine Bundesanleihe über pari
Beispielchart eine Bundesanleihe über pari

 

Die Nominal Verzinsung ergibt sich durch den Zinskupon der Anleihe bezogen auf den Nennwert. Da wir aber festgestellt haben, dass der Kurs meistens unter oder über pari gehandelt wird, entstehen so Unterschiede in der erreichbaren Rendite.

Der Nennwert liegt bei 100%, kauft man nun die Anleihe für 98%, hat man sich hier schon einen kleinen Gewinn gesichert, denn für 100 Euro Rückzahlung zum Zeitpunkt x haben wir in dem Moment des Kaufs nur 98 Euro gezahlt. Auch die Zinsen werden nicht auf die 98% berechnet, sondern auf den Nennwert. Damit liegt die Effektivverzinsung über der Nominalverzinsung. Wenn der Kurs über pari notiert verringert dieses die Effektivverzinsung.

Ein weiterer Punkt sind die bisher angelaufenen Stückzinsen. Die Stückzinsen sind die Zinsen, die seit dem letzten Zinstermin aufgelaufen sind. Will man nun eine Anleihe kaufen, muss man natürlich dem Verkäufer die Stückzinsen bezahlen. Dieses ist weiter nicht schlimm, da dem Käufer beim kommenden Zinstermin der Kupon in voller Höhe zusteht.

Auch zu beachten ist der Unterschied zwischen der Laufzeit, die Zeit, die zwischen Emission und Rückzahlung liegt und der Restlaufzeit. Die Restlaufzeit bezeichnet den Zeitraum zwischen dem Betrachtungszeitpunkt und der Rückzahlung.

Hier endet nun auch der erste Teil, der zweite Teil ist eher für diejenigen gedacht, die sich ein wenig näher mit der Bewertung einer Anleihe und dem errechnen des Kursrisikos beschäftigen wollen. Ein weiterer Punkt in Teil Zwei wird die Verwendung von Anleihen im Alltag sein.

 

Teil Zwei – Die Anleihenbewertung

 

Als erstes nehmen wir uns die Bewertung einer Anleihe vor.

Für die Bewertung einer Anleihe sind folgende Punkte entscheidend: Geldmarktzinssatz p.a., der Nominalwert, der Kupon und der Bewertungstag sowie die Anleihe bzw. deren Restlaufzeit selbst.

Haben wir eine Bundesanleihe mit einer Restlaufzeit von genau einem Jahr, einem Nominalwert 100, einen Coupon in Höhe von 2,5% und einen Geldmarktzinssatz p.a. In Höhe von -0,332 ergibt sich folgende Berechnung.

 

Barwert = (Nominalwert + Coupon)/(1+(Geldmarktzinssatz/100))

Barwert = (100+2,5)/(1+(-0,332/100)) = 102,84

 

Läuft die Anleihe noch n Jahre sieht die Formel wie folgt aus.

 

Barwert = Coupon 1 / (1+Geldmarktzinssatz/100)^1 +…+ ((Nominalwert + Coupon) /(1+Geldmarktzinssatz/100)^n)

 

Steigt der Geldmarktzinssatz p.a. auf 3% so verändert sich der Barwert auf 99,51%. Wir sehen, dass die Zinsen den Barwert invers beeinflussen. Steigen die Zinsen, so sinkt der Barwert einer Anleihe, im Gegensatz dazu steigt der Barwert, wenn die Zinsen fallen.

Dieses Kursrisiko kann man mithilfe der Modifizierten Duration berechnen. Die Daten die zur Berechnung herangezogen werden, sind die Macaulay Duration, der Bewertungstag, die Eigenschaften der Anleihe, der Zinssatz p.a., der Barwert der Anleihe und die Restlaufzeit des ersten Coupons.

Wir sehen, dass wir zuerst die Macaulay Duration berechnen müssen. Bevor es nun zu der Berechnung kommt, muss kurz noch gesagt werden, was die Macaulay Duration überhaupt darstellt. Zuvor stellten wir ja schon das inverse Verhältnis von Zinsen zu dem Barwert einer Anleihe fest.

Steigen die Zinsen so sinkt der Barwert der Anleihe, doch die Wiederanlage der erhaltenen Zinsen wird dadurch profitabler, da die Anleihe weniger kostet. Die Duration zeigt an in wie vielen Jahren sich beide Effekte gegeneinander aufwiegen. Schauen wir uns nun eine Anleihe als Beispiel zur Berechnung der Duration an, die heute ihren Zinstermin und genau 2 Jahre Restlaufzeit hat.

Bewertungstag 08.04.16

Anleihe 2,5% Bundesanleihe, fällig am 08.04.18

Zinsatz p.a. 0,25%

Restlaufzeit des ersten Coupons 365 Tage

Barwert der Anleihe 104,99

 

Macaulay Duration = ((Coupon 1 / (1 + Zinssatz p.a.)^1) * 1 +((Nominalwert + Coupon2)/(1 + Zinssatz p.a.)^2)*2) / Barwert

 

Macaulay Duration = ((2,5 / (1+(0,25/100))*1 + (102,5/(1 + (0,25/100)^2)*2)/104,99 = 1,94

Die Modifizierte Duration zeigt die Prozentuale Wertänderung einer Anleihe an, sollte sich der Zinssatz um eine Einheit (1%) verändern.

 

Modifizierte Duration = -(Duration/1+Rendite)

 

Modifizierte Duration = -(1,94/1+0,0025) = -0,94

Wenn sich der Zinssatz um eine Einheit verändert, so verändert sich der Barwert der Anleihe um 0,94%. Hierbei ist zu beachten, dass die Restlaufzeit eine entscheidende Rolle spielt. Je länger die Restlaufzeit ist, desto höher ist auch die Macaulay Duration und die Modifizierte Duration.

Anders gesagt, das Kursrisiko einer Anleihe ist um so Höher, je weiter der Rückzahlungszeitpunkt in der Zukunft liegt. Eine Kurzlaufende Anleihe hat ein wesentlich geringeres Kursrisiko, als eine Langlaufende Anleihe.

An dieser Stelle sei noch angemerkt, dass die Modifizierte Duration nicht genau das Risiko darstellt. Sie ist eher als Orientierung zu verstehen, da sie linear berechnet wird und damit die Realität nicht voll und ganz widerspiegelt. Der Zusammenhang von Preis und Rendite verhält sich in der Praxis konvex, damit kann es passieren das man das Risiko über- oder unterschätzt.

 

Wie setze ich Anleihen praktisch ein?

 

An diesem Punkt möchte ich doch gern auf einen Artikel aus dem vergangenen Jahr zurückgreifen, da in diesem das jetzige Einsatzgebiet von Anleihen gut erklärt ist. Die liebe Sicherheit.

 

Anleihen werden auch in den nächsten Jahren kaum Zinsen abwerfen. Doch es ist auch nicht das Ziel in diesem Falle Rendite zu erhalten, vielmehr steht die Sicherheit im Vordergrund. Die Sicherheit in der Zeit, in der die „Kanonen“ donnern agieren zu können. Aber nicht jede Anleihe eignet sich dafür. Grundsätzlich ist es nicht Sinnvoll langlaufende Anleihen zu kaufen, da diese ein hohes Kursrisiko aufweisen. Wir suchen also Staatsanleihen die durch ihre Eigenschaften eine Ähnlichkeit haben wie Cash Bestände.

Staatsanleihen die über eine lange Laufzeit verfügen, beinhalten mittlerweile ein immenses Risiko, sollten sich die Zinsen wieder Richtung alter Normalität bewegen. Die Fondsmanager im Bereich der Anleihen kennen seit mehr als 30 Jahren nur einen Bullenmarkt. Dieser Umstand wird in diesem Sektor zu manch einer extrem gehebelten Position geführt haben, um nur ein wenig mehr Rendite herauszuschlagen, ohne das Risiko, dass dem Markt entspringt, entsprechend zu würdigen. Sollte der Markt allgemein anfangen zu korrigieren aufgrund einer Zinswende könnte dieses zu extremen Überraschungen führen bei den verantwortlichen Managern.

Unbedingt zu meiden sind Anleihen von den Emerging Markets, wie auch die High Yield Corporated Bonds. Nicht nur aufgrund eines erhöhten Ausfallrisikos sind sie zu meiden, nein, das Risiko hier liegt zum einen im aktuellen Preis Niveau und zum anderen in der mangelnden Liquidität. Die Royal Bank of Scotland berichtete im November 2014, dass im Bereich der Unternehmensanleiheneine Abnahme der Handelbarkeit von über 70% eingetreten ist. Dazu gesellt sich noch das Risiko, dass durch eine schwache Währung entsteht im Fall der Emerging Markets Bonds.

Lesen Sie dazu bitte den Artikel „Anleihen, reale negative Verzinsung und es ist uns egal!“ zu Ende.

Neben der gebotenen Sicherheit bei kurzlaufenden Staatsanleihen, kann man mit Anleihen auch auf Wechselkursänderungen spekulieren.

Zusammenfassend kann man sagen, das Staatsanleihen und Anleihen von Supranationalen Institutionen, wie der International Finance Corporation, an der Börse gekauft werden, aufgrund der gebotenen Sicherheit.

Ziel ist es nicht die Rendite zu maximieren, sondern das Risiko zu minimieren. Das ist auch der Grund warum man kurzlaufende Anleihen gegenüber langlaufenden bevorzugen sollte, da bei den Kurzläufern das Kursrisiko wesentlich geringer ausfällt.

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