Zusammenbruch des DAX, Dow Jones und der Nasdaq – Ende der Rekordhausse kommt dichter

 

Vor einiger Zeit begab ich mich bereits auf den Pfad des Skeptikers in Bezug auf die aktuellen Aufwärtsbewegung der Aktienmärkte. Dabei ging es nicht um ein Urteil, ob die Märkte nun „billig“ sind oder die Gesellschaften in den Indizes ihre Gewinne ausweiten können oder nicht. Nein, es geht eher um eine der größten Verzerrungen der Märkte, die es je gab. In den beiden Artikeln „Warum der DAX sich demnächst halbieren wird“ stellte ich die starken Auswirkungen der Zinsen auf die Aktienmärkte dar. Vielen Lesern ist sicherlich bekannt, dass ein tiefes Zinsniveau positiv wirken kann, doch wie genau die Zusammenhänge zu sehen sind, stellte ich eben dort dar – wenn auch etwas vereinfacht. Heute geht es allerdings um die Frage: Ob wir aktuell vor dem Ende der Rekordhausse stehen? Damit gehe ich den zweiten Schritt auf dem Skeptiker-Pfad.

Auch in diesem Text versuche ich meine Gedankengänge möglichst einfach und nicht übertrieben ausgedehnt darzulegen, um Sie, geehrte Leser, „mitzunehmen“. Den Anstoß zu meinen Gedanken gab ein Artikel auf Börse-Online. Demnach prophezeit die Ökonomien Christiane von Berg den Beginn der Bilanzverkürzung der FED. Zeit also, einen weiteren Gedankengang zur Geldpolitik und ihrer Auswirkung auf das Finanzsystem darzulegen.

Ende der Rekordhausse
DAX im großen Bild

Quelle Finanztreff

Schulden sind nicht gleich Schulden

Um die Auswirkungen der extremen Bilanzausweitung der Notenbanken zu verstehen, bedarf es einen Blick auf den Inhalt der großen Kaufprogramme. Immer wieder wurde dabei von einigen Ökonomen und Mahnern bemängelt, dass die Notenbanken eine Verschlechterung der Assets in ihren Bilanzen zugelassen haben. Sei es nun als Sicherheiten von Banken, um an Zentralbankgeld zu gelangen, oder direkt über Ankäufe am Markt. Diesen Mahnern wäre es lieber gewesen, die Notenbanken hätten sich ausschließlich auf bessere Bonitäten festgelegt und so die Risiken in der eigenen Bilanz überschaubar gehalten.

Vom Standpunkt eines Beobachters der einzelnen Teile des großen Ganzen, ist diese Haltung sicherlich zu verstehen. Allerdings ist die Welt ein wenig komplexer und die Zusammenhänge die sich aus der Kombination der Zentralbankgeldschöpfung und der Giralgeldschöpfung ergeben, verkomplizieren die ganze Sache nochmals. Doch heute gehe ich nicht nochmals darauf ein, denn dieses Thema können Sie bereits zu genüge auf Trading-Treff recherchieren.

 

Die Notenbank kauft zu viel erstklassige Bonität

Da uns die Politik der EZB einfach näher liegt als die der FED, gehe ich in meinem Gedankenexperiment auch eher auf die EZB und ihr Programm ein.

Die EZB kaufte in den letzten Monaten immer wieder Anleihen bester Bonität am Markt. Gerade Staatsanleihen stellen dabei den Großteil der Ankäufe dar. Dieses Aufkaufen bester Bonitäten führte bis zum heutigen Tage zu einem Zustand der Knappheit eben dieser Anleihen. Es wird immer schwieriger für die EZB geeignetes Material für ihre Käufe zu bekommen. Doch wem werden diese Papiere eigentlich abgekauft? Die Frage lässt sich recht leicht beantworten, denn die wenigsten Anleger bescheidener Vermögen halten Staatsanleihen in ihren Portfolios. Die Staatsanleihen stammen tatsächlich von den richtig großen Marktteilnehmern. Darunter sind vor allem Banken, Versicherungen und Fonds.

Da diese großen Marktteilnehmer allerdings weiterhin Anlagen suchen und Staatsanleihen nicht mehr im gewünschten Ausmaß und für vernünftige Konditionen zur Verfügung stehen, weichen diese Marktteilnehmer auf immer neue Märkte aus. Selbst extrem riskante Anlagen verlieren dadurch ihre notwendigen hohen Aufschläge im Vergleich zu den sicheren Vertretern. Diese Auswirkung ist natürlich verständlich, denn auf der Suche nach Rendite verbleiben durch die künstliche EZB-Verknappung nicht genügend Anlageformen, die ihr enthaltendes Risiko adäquat bezahlen. Doch wo genau liegt nun das Problem dieser kurz umrissenen Systematik?

 

Erträge fallen, Risiken steigen – Das Finanzsystem ist instabil wie nie

Die logische Schlussfolgerung einer EZB-Politik dieser aktuellen Art ist damit klar. Das Finanzsystem verliert auf immer mehr Ebenen die Möglichkeiten, Erträge zu generieren. Da es allerdings auch für Banken zwingend notwendig ist, Erträge zu generieren, muss die Frage erlaubt sein, ob die Risiken im System durch die Ankäufe reduziert wurden. Und wie mein Gedankengang bereits zeigte, ist das nicht der Fall. Die Bonitäten der erwerbaren Anleihen verschlechtern sich immer weiter. Die besten Bonitäten der Eurozone liegen zunehmend in der Hand der EZB. Da schlechtere Bonitäten eher ausfallen, als es die Guten tun, müssen diese deutliche Überrenditen erzielen, um so die erhöhten Risiken abzufedern. Dieses ist aktuell allerdings nicht mehr gegeben.

Auch Immobilienprojekte sind nur noch zu extrem hohen Bewertungen zu finden und stellen so ebenfalls ein Risiko dar. Im eigentlichen Bankgeschäft sinken die Erträge durch den anhaltenden Nullzins ebenfalls. Die klassische Kreditvergabe ist umkämpft wie nie und auch hier schrumpfen die Margen. Die einzige Antwort der Banken kann und wird damit nur im Abbau von Kapazitäten zu finden sein. Schließungen von Geschäftsstellen und Abbau der Mitarbeiter sind dabei bereits heute das probate Mittel zum Zweck. Ein schrumpfendes Bankensystem mit Ertragsproblemen und der Verschlechterung von Bonitäten ist mit Sicherheit kein Umfeld für eine andauernde Rekordhausse. Jedenfalls nicht, wenn die Bilanzen der Notenbanken nun abgebaut werden. Und genau an dieser Stelle schließt sich der Kreis.

Für mich steht außer Frage, dass die Mahner mit diesen Gedanken widerlegt wurden. Eine Notenbank kann ihr eigenes Geld drucken und im Prinzip nicht Pleite gehen. Hätte die Notenbank die schlechten Bonitäten am Markt aufgesammelt, wären die Erträge, die zu erzielen wären, zwar ebenfalls gesunken, allerdings hätten die Risiken im System ebenfalls abgenommen. Für mich wäre diese Politik weitsichtiger gewesen. Allerdings ist vielen Beobachtern am Markt weiterhin nicht klar, dass Notenbanken eben keine Geschäftsbanken sind. Daher werden die Möglichkeiten die das aktuelle Geldsystem besitzt, nicht genügend genutzt. Statt Stabilität zu schaffen, wurde das System weiter destabilisiert. Ein Ende der Rekordhausse ist damit nicht zwingend morgen zu erwarten, kommt aber näher.

Abbau der Notenbankbilanz – Ende der Rekordhausse

Sollte die Ökonomin von Berg recht behalten und die FED wäre bereit, die Bilanz abzuschmelzen, werden wir in meinen Augen fast zwingend ein Ende der aufgeblasenen Asset-Preise bekommen. Steigende Zinsen könnten auf lange Sicht die Ertragsprobleme vieler Banken entlasten. Doch dürfte der Weg dahin mehr als nur schmerzhaft sein. In meinen Augen können viele Häuser diesen Schwenk der Geldpolitik nicht überstehen. Gerade die Unternehmen, die durch das niedrige Zinsumfeld am Leben gehalten wurden, dürften gehörige Probleme bekommen. Und so steht für mich außer Frage, dass ein Bekenntnis der FED zu einem Abbau der eigenen Bilanz ein völlig neues Kapitalmarktumfeld schafft. Da allerdings keine Aktien zu halten, auch keine Lösung darstellt, werden die Anforderungen an die Auswahl nochmals deutlich zu nehmen. Allerdings sind Sie hier auf Trading-Treff auch in diesem Umfeld gut aufgehoben.

deepinsidehps

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8 Kommentare

    • Das könnte man so sagen…lol…Bei einem VDax von knapp über 10 wäre ein ON Gap von 10% „leicht schwierig“…lol

        • Jo, da fehlt noch die Deflation oder Inflation um sie zu zünden. Aktuell weiterhin unter 2 % die Inflation. Allerdings kommt es langsam in Richtung 2%.

  1. Moin Body,
    heftige Korrektur an den Aktienmärkten kann jederzeit beginnen, aber es kann imho eben auch noch deutlich weiterlaufen (zeitlich+kursmäßig)
    Ohne jede Frage hat der rückläufige Zinstrend der letzten 30 Jahre die Aktienmärkte unterstützt und dementsprechend wird ein kommender Zinsanstieg die Aktienmärkten auch bremsen. Allerdings bin ich der Auffassung, dass es nicht zu einem starken Einbruch kommen MUSS (können natürlich schon).
    Kursindex finde ich beim DAX übrigens sinnvoller . Bild einfügen geht hier aber wohl nicht. Werde das bei W:O dann auch noch posten mit Chart. 😉
    Im gaaaaanz langfristigen Trend folgen die Aktienmärkte der Entwicklung des nominalen BIP. Beispiel für die USA: S+P 500 Ende 1979 345, aktuell 2500, somit das 7,2 fache. Wenn ich beim nominalen BIP für die USA in diesem Jahr ein Wachstum von 3% unterstelle,dann ergibt sich hier ebenfalls beim BIP das 7,2 fache vom Stand Ende 1979 (sagt zumindest Google 😉 ) . Natürlich ist dies jetzt nur eine zufällige, stichtagsbezogene Gleichheit .
    Aufgrund des kommenden Zinsanstiegs werden in den nächsten Jahren mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit die zukünftigen Zuwächse niedriger ausfallen als in den letzten 20,30 Jahren. Und auch ein Crash wird irgendwann kommen. Wenn das gesamte System aber nicht zusammenbricht, wären das dann aber aus meiner heutige Sicht wiederum Kaufkurse. Es sei denn, es geht erst noch 30% rauf in den nächsten 12 Monaten und danach wird nur auf das heutige Niveau zurück. 😉
    VG

    • Auf jeden Fall! Heftige Korrekturen sind IMMER Kaufkurse, es sei denn wir haben wieder Gold als Währung oder Bitcoin… 😉

      Im Fiatgeldsystem ist jeder Absturz im Prinzip ein Kauf. Was sagst du zur These an sich? Sicherheiten verschlechtern sich und Erträge sinken…

      • grundsätzlich lieber Aktien mit KGV von 20 als High Yield mit 3% 😉
        Risiken werden an den Anleihemärkten aus meiner Sicht absolut nicht richtig bepreist …und wir sind uns wahrscheinlich einig, dass es entscheidend sein wird, wie schnell die Zinsen steigen werden…bei einem langsamen Zinsanstieg und langsamen Abbau der Bilanzsumme der FED durch Nichtanlage von Fälligkeiten, bin ich optimistischer für die Aktienmärkte als du … und leicht steigende Ausfälle von Schuldner müssen die Pensionskassen u.a. tragen … dafür kommen Unternehmen leichter/billiger an Kredite … kommt dann letztlich wieder auf das Tempo und die Größenordnung der Ausfälle an , welche Seite überwiegt … kann ich aktuell nicht beurteilen, wie viel wirklicher Schrott finanziert wird … definitiv spannende Zeiten und definitiv ist das System sehr fragil …aber zur Not geht eben auch negatives EK bei den Notenbanken … und EZB hat noch nicht einmal angefangen Aktien zu kaufen … der Köcher ist noch nicht leer … auf alles vorbereitet sein 🙂

        • Der Wille zum neg. EK ist noch nicht da. Genau darum geht es. DAS wäre eine Alternative. Aktuell „verschlimmbessert“ man aber eher.

          Ansonsten: Ja, alles was sich langsam durchsetzt kann bewertet werden und ist damit unter Kontrolle. Aber nicht immer kommt es langsam um die Ecke. Und aktuell sind wir eher an „schnell und aggessiv“, denn die Märkte wurden zu lange in Watte gepackt. Stress hätte man mal zulassen sollen ab und an, dann wäre ich anderer Meinung. 😉

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