Wirtschaftliche Zentren an der Seidenstraße

Von Urumchi über Almaty nach Astana

Wirtschaftliche Zentren an der Seidenstraße
Wirtschaftliche Zentren an der Seidenstraße
 

Die Seidenstraße ist ein Handelsweg, der seit Marco Polos Reisebericht mehr als nur Mythen umwoben ist und die Leser träumen lässt. Schon in der Bronzezeit gab es Verbindungen zwischen Europa und Asien. Die Routen, die damals für den Handelsverkehr genutzt wurden, sind auch heute noch aktuell. Besonders ein Land, das von der Neuen Transeurasische Kontinentalbrücke profitiert, soll uns in diesem Artikel interessieren.

 

Die Neue Transeurasische Kontinentalbrücke ist eine Güterzugverbindung zwischen den Zentren Europas und denen Chinas. Die mittlere Route verläuft von der chinesischen Provinz Xinjiang kommend nach Kasachstan und führt von dort über Russland nach Europa hinein. Der Endpunkt der Strecke liegt in Rotterdam.

Streckenverlauf des TransEurasiaExpress - Quelle: Wikipedia, User Pechristener, Eigenes Werk, map was created using Open Street Map, CC BY-SA 2.0
Streckenverlauf des TransEurasiaExpress – Quelle: Wikipedia, User Pechristener, Eigenes Werk, map was created using Open Street Map, CC BY-SA 2.0

Unsere kleine Reise entlang der Neuen Eurasischen Kontinentalbrücke beginnt in Urumchi, dem wirtschaftliche Zentrum der Xinjiang Provinz.

 

 

 

 

 

 

Urumchi – Neuer Glanz an der Seidenstraße

Zur Zeit Marco Polos war Urumchi unbedeutend. Das wirtschaftliche Zentrum lag damals in Turpan. Im Fluss der Zeit änderte sich das und Urumchi, am Fuß des Tian Shan Gebirges gelegen, ist heute das bestimmende Zentrum der Provinz. Die Wirtschaft ist besonders durch die Petro- und Textilindustrie aber auch durch die Metallverarbeitung geprägt. Daneben gewann die Windenergie-Branche an Bedeutung, so dass der Verwaltungsbezirk die Heimat des größten chinesischen Windparks wurde.

Interessant ist es zu wissen, dass einst ein indogermanisches Volk in der Region gelebt hat. Byzantinische Quellen nannten sie Tocharer und ordneten sie den Skythen zu. Wie es scheint, war es schon damals ein Hotspot der Kulturen und des Handels, der schon vor der Byzantinischen Zeit bei Herodot Erwähnung fand.

 

Urumchi heute

Auch heute ist Urumchi der Handels- und Logistikhub, an dem sich die Wege aufteilen. Richtung Osten verbindet die Bahnstrecke „Lanxin Bahn“ die Provinz mit den anderen wirtschaftlichen Zentren Chinas.

Richtung Westen führen zwei Wege nach Kasachstan. Auf der einen Strecke wird die Dsungarische Pforte an Alashankou vorbei durchschritten, der Heimat des Boreas. Die zweite Verbindung nach Kasachstan hinein führt zu dem wohl größten Trockenhafen „Khorgos Eastgate“.

Bei dem Osttor handelt es sich um eine grenzüberschreitende Sonderwirtschaftszone zwischen Kasachstan und China. Hier werden zum einen die Container von der chinesischen Spurbreite auf Züge mit der kasachischen umgeladen und darüber hinaus entsteht ein Industriepark.

Xinjiang ist nicht nur ein Verkehrsknotenpunkt sondern auch für die Energiesicherheit von großer Bedeutung. Parallel zu den Verkehrsadern verläuft auch das Pipelinenetz, dass China mit den fossilen Rohstoffen Russlands und der Kaspischen Senke verbindet. Selbst Lieferungen aus dem Iran können so China erreichen.

In dieser Provinz bewegt sich jenseits der Meere Gewaltiges. Das sollte man genau beobachten. Nicht weil es so bedeutend ist für China. Nein, der Nachbar Kasachstan bekommt hier enorme Entwicklungschancen.

Kasachstan ist ein Land, das schon in der Antike einen der wichtigen Knotenpunkte an den Fernhandelswegen darstellte.

Russland-Sanktionen: Seidenstraße führt Westen vor

 

Kasachstan Aufstieg eines Land

 

Von China kommend an der Dsungarischen Pforte und dem kasachischen Städtchen Dostyk vorbei soll es nun über Almaty nach Astana gehen.

Dostyk ist die Grenzstadt, die einen auf der Kasachischen Seite im Tian Shan begrüßt. Im Gegensatz zu Alashankou ist es eine sehr kleine Ansammlung Zivilisation. Von hier kann Almaty und Astana erreicht werden.

Almaty – Stadt des Handels, Stadt der Börse

Almaty, Kasachstan
Almaty, Kasachstan – Quelle: https://pixabay.com

Noch immer ist Almaty das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum Kasachstans. Ein Handelszentrum, das schon zu Zeiten der alten Seidenstraße existierte. Es ist auch heute noch das Finanzzentrum, in dem die Kazakhstan Stock Exchange beheimatet ist. Diese Stellung soll durch den Bau des Almaty Financial District gefestigt werden.

Kasachstan ist das wirtschaftlich stärkste Land Zentralasiens und die Bevölkerung erreicht ein BIP pro Einwohner KKP (Kaufkraftparität) von fast 26000 $. Die Börse spiegelt mit dem Aktien Index KASE das Wirtschaftswachstum und die Perspektiven wieder.

Seit 2003 vervielfachte sich der Wert des Index. Gestartet ist dieser im Bereich von 80 Punkten und notiert mittlerweile bei 2468 Punkten. Das ist eine enorme Entwicklung, von der andere Länder nur Träumen können.

KASE Index

Auf die enthaltenen Aktien und ob diese gehandelt werden können, soll in einem extra Artikel eingegangen werden.

Astana Hauptstadt und Neues Machtzentrum

Daneben soll die Stadt Astana das neue Zentrum des neuntgrößten Landes der Welt werden. Vor allem  die Schnittstelle zwischen Europa und Asien scheint eine äußerst lukrativ Position zu sein.

Astana, Hauptstadt Kasachstans
Astana, Hauptstadt Kasachstans – Quelle: https://pixabay.com

Einst hieß die Stadt Akmolinsk. Die Gründung erfolgte bereits im Jahr 1830 in der Akmola-Region am Fluss Ischim. Seit 1998 heißt die Stadt, die schon oft in ihrer kurzen Geschichte den Namen gewechselt hat, Astana. Es ist neben Almaty die Boomregion des Landes und trägt einen großen Anteil am gesamten Wirtschaftswachstums Kasachstans.

Die 2002 gegründete Astana New City Special Economic Zone ist eine wichtige Triebfeder dieser Entwicklung. Ergänzend kam in diesem Jahr das Astana International Finance Centre hinzu. Das AIFC unterliegt einem gesonderten Recht, das an das Englische Recht angelehnt ist. Es soll den Investoren eine höhere Rechtssicherheit gewähren und damit das Vertrauen in den Wirtschaftsstandort stärken. Das Zenter soll der Financial Hub Zentral Asiens, des Kaukasus, der Eurasian Economic Union, des Mittleren Osten, West Chinas, der Mongolei und Europas werden. Das ist kein kleiner Plan.

Ein Plan, den man erst versteht, wenn man sich die Lage Kasachstans vergegenwärtigt. Schaut man auf die Weltkarte erkennt man, dass das Land das Zentrum der Eurasischen Landmasse bildet.

Liste der Sonderwirtschaftszonen in Kasachstan

Die drei oben genannten Sonderwirtschaftszonen Khorgos Eastgate, Astana New City und Astana International Finance Centre sind nicht die einzigen, die in dem Land existieren. Weitere Sonderwirtschaftszonen sind:

  • Aktau Port / Mangistau Region / Logistik und Transport
  • Innovation Technology Park / Medeu Distrikt, Almaty / IT Industrie
  • Ontustik / Süd Kasachstan / Textil Industrie
  • Petrochemical Park / Atyrau Region / Öl und Gas Verarbeitung und Petrochemie
  • Burabay / Akmola Region / Tourismus
  • Saryarka / Karaganda City / Industrie, Metallverarbeitung, etc.
  • Pavlodar / Pavlodar / Chemie und Petrochemie
  • Chemical Park Taraz / Chemie, Petrochemie, Gummi und Plastik und Ausrüstung

 

Rohstoffreiches Land

Doch nicht nur als Finanzzentrum, Logistikdrehscheibe und Industriestandort profitiert das Land von der neuen Seidenstraße. Es ist auch reich an Rohstoffen. Neben den Energievorkommen in der Kaspischen Senke sind auch die Metallvorkommen bedeutend. Das Land verfügt über große Eisenerz und Goldvorkommen sowie zusätzlich über große Kupferreserven.

Mineralische Vorkommen in Kasachstan

Die weiteren Mineralischen Vorkommen, die von Bedeutung sind, sind folgende:

  • Bauxite
  • Chrom
  • Blei
  • Mangan
  • Titan
  • Zink
  • Uran

Das sind alles Dinge, die für die Chinesen von größtem Interesse sind und falls es mal nicht mehr so sein sollte, ist Europa als Abnehmer zur Stelle. Denn Europa ist einer der wichtigsten Handelspartner des Landes, neben Russland und China.

Neben der zentralen Rolle auf der Neuen Transeurasischen Landbrücke und seinem Rohstoffreichtums hat Kasachstan ein weiteres Ass im Ärmel. Nicht nur die oben angesprochene Energiesicherheit Chinas hängt zum Teil an Kasachstan, sondern auch als Transitland für Öl und Gas aus den Nachbarstaaten hat es hohe Bedeutung.

Land der Pipelines

Die Central Asia China Gas Pipeline führt von Turkmenistan kommend über Usbekistan und Kasachstan nach China. Während eine andere, die Kazakhstan China Oil Pipeline, von Atasu nach Alashankou verläuft. Für China ist das wachsende Pipeline-Netz in Zentral Asien von größter Bedeutung, da so ein Bypass zu den Meerengen von Hormuz und Malacca gelegt werden kann. Im Falle von Spannungen und Konflikten ein unschätzbarer Vorteil.

Zusätzlich hat das Land mit Zugang zum Kaspischen Meer weitere wirtschaftliche Chancen.

Von Atyran aus, dem wichtigsten kasachischen Hafens am Meer, kann Baku in Aserbaidschan erreicht werden sowie auch der Iran. Zwei Länder, deren Gas sich China bestimmt schon gesichert hat. Und falls das noch nicht so ist, wird es bestimmt geschehen.

 

Die neue Mitte bildet sich

Vor einiger Zeit schrieb ich in einem Artikel zur Seidenstraße und der Neuen Mitte folgendes:

…. Schaut man sich die Karte eher aus der Perspektive eines Menschen der Antike an, kommt man zu dem Schluss, dass es sich nicht um den Osten handelt, sondern eher um das Zentrum, an dessen Peripherie Europa als wichtiger Handelspartner lockt. ….

Der Falsche Blickwinkel Europas versperrt zur Zeit noch die nüchterne Betrachtung der Neuordnung, sodass auch keine vernünftigen Rückschlüsse getätigt werden können. Europa hält sich noch immer für den Mittelpunkt der Welt und nimmt aus dieser Fehleinschätzung jede Änderung des Status Quo als einen Angriff war. Es werden zurzeit die Chancen, die mit dem größten Wirtschaftskorridor, der die Eurasischen Landmassen umfasst, innerhalb des Westens nicht erkannt oder aufgrund von Kuturellerarroganz ignoriert.

Ich denke, die besten Investitionsmöglichkeiten, die nicht durch Financial Engineering korrumpiert werden, liegen neben dem Globalen Techsektor (Alphabet, Amazon, Tencent, Baidu, etc.) im neuen Zentrum. Das ist zwar noch Zukunftsmusik, da die Entwicklung erst die Anfangsetappe genommen hat, doch investieren tut man in die Zukunft, nicht in die Vergangenheit.

 

Des weiteren lässt die Vernetzung der Zentralasiatischen Staaten positives vermuten. Zuerst war es die Gemeinschaft Unabhängiger Staaten, deren Kooperation jedoch einschlief. Daneben existierte die Gemeinschaft Integrierter Staaten, die ein Vorgänger der Eurasischen Wirtschaftsunion war. Die EAWU umfasst fünf Mitgliedsländer und wurde 2015 gegründet.

Investieren an der Seidenstraße

Neben den wirtschaftlichen Kooperationen der Zentralasiatischen Staaten gibt es auch noch die Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit. Die SCO wurde 2001 gegründet und ist mittlerweile zu einer nicht zu unterschätzenden Organisation herangewachsen, die stabilisierend in der Region wirken kann.

 

Fazit für Investoren

Aufgrund dieser Entwicklungen halte ich an den immer wieder angesprochenen Zukunftsaussichten für diese Region weiter fest und es ist für mich eine der interessantesten Regionen unter dem Gesichtspunkt wirtschaftlicher Perspektiven.

 

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