Volatilität wieder normal oder nur Fasching an der Börse?

 

Mein kurzer Eulenblick auf die Kurstafel-Übersicht genügt, um die Farbe zu erkennen, die auch ein Clown auf seiner Nase trägt: ROT. Der Bär steppt und die gemütliche Kuschelfahrt nach Norden hat offenbar erst einmal ein jähes Ende gefunden. Aber eines kann nicht bestritten werden: Die Volatilität ist zurückgekehrt und wenigstens Daytrader können sich vergnügt ins Getümmel stürzen. Ist die Volatilität damit wieder normal geworden oder von was sprechen wir eigentlich in diesen Tagen? Von einem Crash, einem Mini-Crash, einer Korrektur oder gar einem Faschingsgag, weil die Börse närrisch geworden ist? Ich versuche dies ein wenig zu ordnen und objektiv zu betrachten.

Aktienmärkte leiden unter Volatilität

Der Dow Jones in den USA kannte noch bis Ende Januar nur eine Richtung. Er stieg und stieg, wie jeder Laie beim Blick auf das Chartbild erkennen konnte. Eine vorbildliche Leistung, aber da die Börse ist bekanntlich keine Einbahnstrasse. Bei ungefähr 26.600 Punkten war dann wohl eben mal „Schluss mit lustig“. Anfängliche Gewinnmitnahmen lösten vermutlich eine Abwärtsspirale aus. Automatisierte Leerverkäufe und die Angst vor Zinserhöhungen könnten die ersten Gründe dafür sein. Zum Wochenausklang nach einem Abschlag von mehr als 5 Prozent steht der amerikanische Index um die 24.100 Punkte, also vom Hoch „nur“ ca. 2.500 Punkten entfernt. Ist das auf diesem Level als viel oder wenig zu bewerten?

Der Dax wurde dabei mit in den Strudel gezogen. Die 14.000er Marke ist in weite Ferne gerückt, der 13.000er Bereich wurden auch schon verlassen und stattdessen steht die 12.000er Punktemarke wieder vor der Haustüre. Schwerlich ist er in die Gänge gekommen zum Jahresbeginn, der deutscher Leitindex. Das sah nicht wirklich hoffnungsvoll aus. Aber Pustekuchen: Er legte einen strammen Ritt nach Norden hin bis knapp 13.600 Punkte – um von dort wieder zackig und mit Tempo die Rückreise anzutreten, wobei es hierbei den einen oder anderen Reiter vom Sattel geschmissen haben könnte.

Minicharts von finanztreff.de mit Wochenentwicklung Aktienmärkte
Minicharts von finanztreff.de mit Wochenentwicklung Aktienmärkte

Katerstimmung, Wunden lecken, Bestätigung oder Gleichgültigkeit? So einige Börsianer haben es sicherlich geahnt: So etwas wird passieren. Der Tag X stellte jedoch eine unbekannte Variable dar genauso wie der Umfang des Rücklaufes. Man kann gewinnen oder verlieren, je nachdem was man für ein Produkt hat und wie man positioniert ist.

Viel wichtiger ist nun die Frage: Wie geht es denn jetzt weiter? Rauf oder Runter – wo liegt der Trend und wie ist die Stimmung der Marktteilnehmer. Überwiegt die Unsicherheit, Nervosität oder doch die Kauflaune? Welche Impulse könnten sowohl in positive als auch in negative Bahnen lenken? Eine Zwischenerholung hat diese Woche stattgefunden, aber es geht schon wieder weiter nach Süden. Kleine Anleger vs. die großen Fische im Teich: Wer kann hier denn eigentlich etwas bewegen?

Alles hat bekanntlich zwei Seiten: Rücksetzer können auch als positiv angesehen werden, und zwar für diejenigen, die an günstigen Kaufkursen interessiert sind um bei einem Wertpapier neu einzusteigen oder Nachkäufe zu tätigen, sofern der Trend aus persönlicher Sichtweise aufwärts gesehen wird. Doch was war eigentlich mit dem sicheren Hafen der digitalen Welt?

Kryptowährungen waren kein sicherer Hafen

Virtuelle Währungen wie beispielsweise Bitcoin, Bitcoin Cash, Ethereum sind vor nicht allzu langer Zeit stark gestiegen und zuletzt im Januar dramatisch eingebrochen. Geld ist offenbar aus diesem Markt raus genommen worden und preislich ging es down, down und nochmals runter über Tage. Wer zu Höchstständen gekauft hat, dem dürften dabei die Tränen in den Augen gestanden haben ohne erst eine Zwiebel schneiden zu müssen. Erinnert mich irgendwie an so manch eine Hot-Stock Aktie oder auch Monopoly: Gehe zurück auf Start.

In den letzten Tagen scheint zuletzt wieder alles im Aufwind zu sein, trotz Medienberichten hinsichtlich beispielsweise Integration in das Finanzwesen, Regulierungen, Kaufverbot per Kreditkarte, usw. Man darf gespannt sein wie es hier weitergeht und ob alte Stände wieder erreicht oder sogar überschritten werden könnten, insbesondere falls die Aktienmärkte weiter fallen sollten.

Mal so gesehen: nehme ich den Bitcoin und den Dax dann sehe ich, dass Bitcoin stark gestiegen ist im vergangenen Jahr bis knapp 20.000 USD. Dann ging der Preis zurück und es wurden letztens sogar kurzweilig 6.000 USD unterschritten. Das sind ungefähr 70 Prozent Minus in einem kleinen Zeitraum. Der Dax hat nicht so viel an Wert verloren. Eine kurze Gegenüberstellung auf finanztreff.de zeigt dies:

dax versus Bitcoin im Chartbild
DAX versus Bitcoin im Chartbild

 

Bei einem Beratungsgespräch, einer Depoteröffnung oder nur beim Lektürelesen nimmt man sicherlich interessiert zur Kenntnis: Aktien sind als langfristige Investition anzusehen und unterliegen Schwankungen. Es gibt sogar Produkte oder Wertpapiere, die sehr hoch in der Risikoklassifikation eingestuft sind und da steht dabei bevor man kauft so etwas wie: bis hin zum Verlust des eingesetzten Kapitals. Wobei auch immer zu unterscheiden ist zwischen Buchverlusten und realisierten Verlusten. Kryptowährungen sind mittlerweile für Ihre starken Schwankungen bekannt.

Gold in volatilen Zeiten sinnvoll?

Viele Leute warten oder erwarten vielleicht einen Boom bzw. den nächsten Run auf Edelmetalle. Zur Depotbeimischung, Vermögensabsicherung oder einfach nur für Spekulationszwecke. Schließlich sind die Aktienmärkte super gelaufen und ein Crash muss ja irgendwann kommen, oder? Das gibt es doch gar nicht, dass es anders laufen sollte. Sieben gute Jahre, sieben schlechte oder einfach nur die Tatsache, dass vieles in Zyklen abläuft? Ist Gold hierbei in volatilen Zeiten sinnvoll?

Momentan kann ich leider immer noch keine Rally erkennen. Zwar hat der Goldpreis seit Mitte Dezember wieder eine Schippe draufgelegt, aber das ganz ist doch schon wieder rückläufig. Immerhin notiert Gold noch über 1.300 USD. Silber kommt nicht in die Pötte, aktuell liegt der Preis um die 16.30 USD. Gold über 1.400 USD und Silber über 18,50 USD, da könnte dann vielleicht was gehen. Würde dann sicherlich auch den Produzenten zugute kommen und deren Aktionären. Platin und Palladium notieren übrigens momentan wieder unter 1.000 USD.

Ist die Volatilität wieder normal als Begleiter an der Börse?

Wer einen „Crash“ präzise vorhersehen kann (es soll ja hellsichtig veranlagte Menschen geben), und davon monetär partizipieren kann, der darf sich glücklich schätzen. Faktoren wie Marktgegebenheiten und Stimmungen der Marktteilnehmer sind oftmals nur temporär – die Gier des Menschen, nach was auch immer, ist möglicherweise nachhaltig.

An der Börse ist des einen Glück ist des anderen Leid – und wie heißt es so schön wenn man Verluste eingefahren hat: das Geld ist nicht weg, es hat nur ein anderer.

Vorsicht walten zu lassen ist in unruhigen Zeiten sicherlich nicht die schlechteste Idee. Ob das aktuelle Niveau der Volatilität wieder normaler wird oder so hoch bleibt, müssen wir in den nächsten Wochen sehen. Ich bin jedenfalls sehr gespannt.

Ihnen wünsche ich einen schönen Rest-Februar und kommen Sie gut durch die närrische Zeit.

Ihre „Finanzeule“ Anita Görner

Hinweis: Dieser Beitrag beinhaltet meine persönliche Meinung als privater Anleger, Hobby-Börsianer, Börseninteressierter und wurde von mir auf Freizeitbasis erstellt ohne Gewähr auf Richtigkeit und/oder Vollständigkeit. Keine Handelsempfehlung.

Anita Görner
Über Anita Görner 14 Artikel
Als "Eulenblick" enthält diese Kolumne einen unverfälschten und wachen Blick auf die internationalen Finanzmärkte. Dabei kommt weder der DAX, noch der Euro zu kurz. Das große Rundum-Bild, welches nur eine "Finanzeule" wahrnehmen kann, wird somit in regelmäßigen Abständen hier exklusiv skizziert.

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