Überlegungen zu Engagements im Wassersektor, Teil 3

 

Und wieder nähern wir und dem Thema Wasser als Investment ein weiteres Stück. In diesem Teil erfahren Sie mehr über den Transport und die Aufbereitung des Wassers.

Die ersten beiden Teile dieser Reihe befassten sich mit Grundüberlegungen zum Wassersektor (Teil 1) und Besitz von und Versorgung mit Wasser (Teil 2). Dieser Teil beschäftigt sich mit den Perspektiven in den Bereichen Wassertransport und Wasserqualität.

Die im Vorangegangenen aufgestellte Behauptung, dass Wasser nicht knapp sei, werden nicht alle Menschen zustimmen. Das trifft, zumindest periodisch, unter anderem für Landwirte in so unterschiedlichen Regionen wie Eritrea und derzeit Nord Dakota und Süd-Arizona (i), den Betreibern von Kraftwerken in Europa (ii) und petrochemischer Anlagen in Saudi-Arabien (iii) sowie der Einwohner einer Reihe von Städten in niederschlagsarmen Gebieten zu. Technisch ist heute aber die Wasserversorgung jeder Region der Welt in gewünschter Quantität und Qualität machbar, es ist nur eine Frage des Preises und der notwendigen Vorlaufzeit für den Aufbau der Infrastruktur. Zumindest jedes Land mit Meeresküste hat damit „nur“ ein finanzielles anstelle eines physischen Wasserproblems.

Kernelemente im engeren Bereich des Wassersegments sind folglich Wassertransport und Wasseraufbereitung. Wie im vorangegangenen Teil der Reihe angesprochen, ist der Betrieb regionaler Wasserpipelines durch seine enge Verknüpfung mit dem öffentlichen Auftrag der allgemeinen Wasserversorgung für privatwirtschaftliche Investments derzeit von geringem Interesse. Auch das Scheitern finanzwirtschaftlicher Experimente in dieser Richtung (iv) kann mit einiger Berechtigung auf mehr Faktoren als ausschließlich die Probleme der letzten Finanzkrise 2008 zurückgeführt werden.

 

Möglichkeiten im Bereich Wassertransport

 

Anders stellt sich die Lage bei den Zulieferern der Wasserinfrastruktur dar, die für den Privatinvestor durchaus Chancen bieten. In einem Artikel des deutschsprachigen Finanzportals Motley Fool (v) wurde im Mai dieses Jahres auf Unternehmen im Sektor der Pumpenhersteller hingewiesen, deren jährliches Marktpotential und Wachstumsraten dort mit etwa 80 MRD US$ und durchschnittlich 5% p.a. geschätzt wurde. Zukunftsperspektiven im Bereich des Wassertransports liegen derzeit in Fortschritten bei der Verzahnung mit moderner Informations- und Kommunikationstechnik durch intelligente und digital vernetzte Systeme und in verbesserter Energieeffizienz. Vollständig neue Transportverfahren, wie z.B. die Idee des Hyperloop (vi) von Elon Musk, sind für Wasser in weit absehbarer Zukunft zumindest wirtschaftlich nicht denkbar.

Die Entwicklung der Aktienkurse einiger, wenn auch beileibe nicht aller, der im erwähnten Artikel genannten Pumpenhersteller zeigen über die letzten 5 Jahre eine erfreuliche Tendenz, aber gerade die deutsche KSB (WKN 629200) ist derzeit auch ein Beispiel für die Problematik der möglichen Wandlung der Unternehmensform durch den Mehrheitsaktionär (vii). Der Rückzug von der Börsennotierung ist zumindest bei europäischen Unternehmen des Wassersektors nicht selten (viii) und unterstreicht den Trend weg von der AG hin zu außerbörslichem Eigenkapital. So ist beispielsweise in Großbritannien der Anteil börsennotierter Gesellschaften an den Umsätzen im Wassersektor von ursprünglich 90% im Jahr 1989 auf 40% zugunsten von „Private Equity“ im Jahr 2012 gesunken (ix). Potentiellen Minderheitsaktionären mit längerfristigem Anlagehorizont in diesem Segment ist anzuraten, bei der Auswahl von Titeln die bestehende Besitzstruktur entsprechend mit zu berücksichtigen.

 

Chancen im Bereich Wasseraufbereitung

 

Wasseraufbereitung ist häufig ein weiterer Geschäftsbereich der Hersteller von Wasserpumpen. Ausschließliche Hersteller von Technologien zur Wasseraufbereitung, wie beispielsweise Dr. Hönle AG (WKN 515710), werden bei Erfolg und gleichzeitig nicht zu großer Marktkapitalisierung gerne als Übernahmekandidaten gehandelt.Der Unternehmenstrend geht zum Angebot von Komplettpaketen der technischen Wasserbereitstellung, das dann oft in Form von Holdings im Bereich des außerbörslichen Eigenkapitals angesiedelt ist und dem Investor nur indirekte Beteiligungsmöglichkeiten erlaubt.

Etwas anders stellt sich die Situation bei Unternehmen dar, deren Leistungen zur Wasseraufbereitung Teil eines breiter aufgestellten Angebots an Filter- und Membrantechnik oder genereller Abfallentsorgung sind. Als Beispiele für derartige Unternehmen, die sowohl eine Marktkapitalisierung von mehreren Milliarden € besitzen als auch positive Entwicklungen im Aktienkurs über die letzten 5 Jahre aufweisen, seien hier Roper Technologies Inc. (WKN 883563) und Danaher (WKN 866197) genannt.Dass die Spartenzugehörigkeit alleine die individuelle Analyse nicht ersetzt, zeigt die zwar ebenfalls positive, aber doch schwächere Kursentwicklung der Suez Environment Company (WKN A0Q418).

Auch kleinere börsennotierte Unternehmen dieses Segments mit Marktkapitalisierung unter der Milliarden-€-Schwelle können für kurz- bis mittelfristige Engagements von Interesse sein. Dieses zeigt beispielsweise der Kursverlauf von ItN Nanovation (WKN A0JL46). Auf lange Sicht gelten für diese kleineren Unternehmen aber dieselben Überlegungen zu potentiellen Squeeze-Outs von Minderheitsaktionären wie für den Bereich der Pumpenhersteller.

Wassertransport und Wasserqualität
„Wasseraktien“ im Vergleich

Aufgrund der Unterschiede in zukünftigen Potentialen und Anbietern von Wasseraufbereitungstechnologien ist an diesem Punkt eine Trennung der Sektor-Analyse in Entsalzung von Meerwasser einerseits und Aufbereitung anderen Wassers minderer Qualität bzw. Provenienz andererseits angebracht. Dies wird Gegenstand des nächsten Teils dieser Reihe sein, zu dem ich Sie gerne wieder begrüße.

Bis dahin wünsche ich Ihnen ein gutes Händchen an der Börse,

Heinz-Peter Wolff

In Teil 4 erfahren Sie mehr über die Wasseraufbereitung und Aktien die davon profitieren könnten.

Quellen:

i vgl. http://droughtmonitor.unl.edu/ , eine wichtige Seite auch für diejenigen, die in landwirtschaftlichen Produkten spekulieren

ii vgl. http://www.spektrum.de/news/wassermangel-bremst-europas-kraftwerke/1485111?utm_source=zon&utm_medium=teaser&utm_content=news&utm_campaign=ZON_KOOP

iii Vgl. https://www.researchgate.net/profile/Shakhawat_Chowdhury2/publication/264824831_Water_resources_and_water_consumption_pattern_in_Saudi_Arabia/links/5453a4c30cf2bccc490b1ef1/Water-resources-and-water-consumption-pattern-in-Saudi-Arabia.pdf

iv Ein Beispiel aus Deutschland ist der ehemalige Cross-border-Leasingvertrag der Bodenseewasserversorung, siehe z.B. http://www.zvbwv.de/fileadmin/user_upload/PDF/09_04_09_BWV_LW_CBL.pdf

v https://www.fool.de/2017/05/05/wasser-sicherer-megatrend-aber-wie-investieren/

vi Vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Hyperloop

vii http://www.manager-magazin.de/unternehmen/industrie/ksb-massenruecktritte-in-aufsichtsrat-und-vorstand-des-pumpenherstellers-a-1145677.html#ref=rss

viii Beispiele dafür sind unter anderem FRIATEC AG (2005) und derzeit BWT (WKN 884042)

ix Vgl. http://www.right2water.eu/sites/water/files/21621_waterindustry_report_mono.pdf

Heinz-Peter Wolff
Über Heinz-Peter Wolff 4 Artikel
Heinz-Peter Wolff arbeitet seit rund 30 Jahren als Berater und Lehrbeauftragter im Bereich natürliche Ressourcen und ländliche Entwicklung mit Schwerpunkt quantitative Methoden in Analyse und Planung. Im Geschäftsfeld Märkte und Börsen nutzt er seine Erfahrungen und methodischen Hintergründe seit 8 Jahren. Gerüchten zufolge soll er in diesem Rahmen den Satz "Afrika ist überall" geprägt haben.

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