Short Volatility, der Trade ist zurück!

 

Das Short Volatility Universum ist schon so ein recht komisches. Die normalen Gesetze des menschlichen Verstandes haben in diesem keinerlei Gültigkeit. Jedenfalls kann man auf diese Schlussfolgerung kommen, wenn man sich das Handeln der Marktakteure beobachtet. Obwohl erst im Februar viele der Bewohner des Short Volatility Universums in größten Schwierigkeiten steckten, geht es weiter beim einsammeln der Pennys vor einer Dampfwalze.

Sollten Sie nicht wissen um was es sich bei dem Short Volatility Universum handelt finden Sie in dem folgenden Artikel die Antwort:

 

Die Pennys vor der Dampfwalze Namens Markt

Die verzweifelte Suche nach Rendite und der Irrglaube an die Steuerbarkeit des Unbekannten sind die Ursachen für ein solch riskantes Manöver. Erst im Februar konnte beim XIV Crash und der anschließenden Liquidierung beobachtet werden was passiert, wenn die Theoretischen Risiko Modelle versagen.

Der Verkauf von Volatilität, also die Positionierung Short Volatilität, kann über viele Wege erfolgen. Bis Februar waren die ETP´s a la XIV en Vogue, besonders bei den Endkunden. Egal welcher Weg hier beschritten wird, es geht schlussendlich darum einen Fixed Income Strom zu etablieren. Etwas, was sich dem Kunden gut verkaufen lässt, denn das Risiko, dass sich die Marktparameter plötzlich verändern, erscheint beim Blick in den Rückspiegel als verschwindend gering.

Doch hier wird nicht bedacht, dass die Volatilität nur solange niedrig ist, bis sie es nicht mehr ist. Dabei ist es egal von welcher Volatilität gesprochen wird, ob Aktien, Anleihen, Fonds, Rohstoffe, etc. es gibt viele Möglichkeiten mit der Volatilität einzelner Produkte zu spekulieren, das Risiko ist jedoch immer dasselbe. Man gewinnt ein paar Penny über einen gewissen Zeitraum, doch man riskiert zu jeder Zeit einen Großteil, wenn nicht sogar all sein Kapital.

Dadurch gibt es auch in diesem Gebiet den Wunsch nach Diversifikation, was findige Banken und Konsorten natürlich gerne als OTC Produkt anbieten, solang diese nicht schon als Plain Vanilla an einer Börse öffentlich gehandelt werden.

Plain Vanilla Optionen auf ETF´s

Seit Jahren gibt es schon Futures und Optionen auf die beliebtesten ETF´s. Ob als Underlying Aktien oder Anleihen ETF´s für alle ist etwas dabei. Es ist nicht nur vollkommen Legitim, sondern recht sinnvoll, dass es solche Produkte gibt, denn so kann das Risiko in den verschiedenen Portfolien effizient gesteuert werden. Doch auch in diesem Bereich gibt es merkwürdige Blüten.

Financial Futures und Optionen – Ein Einblick

Eine dieser Blüten ist der Kauf/Verkauf der Volatilität des iShares iBoxx $ High Yield ETF. Ein ETF dessen Underlyings nur relativ Liquide sind und die Preise dieser größtenteils mathematisch bestimmt werden müssen. Diese relative Liquidität kann zu enormen Preisschwüngen im ETF führen, die völlig unvorhersehbar sind.

Ein schon in sich recht fragiles Konstrukt erhält durch die lebhafte Spekulation mit der Volatilität eine weitere Dimension. Es lädt zu einen derben Unfall ein, bei dem der XIV Vorfall im Februar lächerlich wirken könnte. Doch hier sind wir noch im Plain Vanilla Bereich. Es kam jedoch noch etwas recht exotisches ins Spiel, etwas womit man so nicht unbedingt rechnen würde.

Exotische Volatilitätsprodukte

Normale, aktiv gemanagte Fonds kennt im Prinzip jeder, doch kaum jemand weiß darüber bescheid, dass es Möglichkeiten gibt, die Volatilität dieser Anlageprodukte zu handeln. Die Societe General bietet ihren sehr vermögenden Kunden aber auch den Hedge Funds diese Möglichkeit, wie Bloomberg berichtete.

“We mentioned they could sell volatility on those underlyings instead of on the S&P 500 for instance,” Mastrangelo, who helps create and sell derivatives products, said. “They’re interested precisely because they want to diversify their sources of return.” Quelle: Bloomberg

Interessanterweise gibt es Kapitalschutz Zertifikate auf Fonds wie den GIS Income Fund von Pimco. Diese beinhalten eine Optionskomponente, den Kauf eines Calls. Das bedeutet auf der einen Seite steht ein Käufer, mit begrenzten Risiko. Auf der anderen Seite sitzt zuerst die Bank mit dem unbegrenzten Risiko, dass durch den Verkauf eines Calls einhergeht. Dieses Risiko will die Bank natürlich nicht behalten und verkauft diese Position an einen anderen, meist Institutionellen, Investor, der damit einen Income Stream generieren möchte.

Selbiges Spiel gibt es mit der Korrelation zwischen einzelnen Aktien, Aktien und ihren Indizes, etc.. Eine Seite ist Long Korrelation, die andere Seite ist Short Korrelation. Aufgrund der Annahme, dass die Korrelation überschätzt wird, ist es ein gefundenes Fressen für so manchen Spekulanten.

Doch nur weil die meiste Zeit die Aktien, Indizes, etc. zueinander kaum korrelieren, bedeutet das nicht, dass es nicht vorkommt. Es wird wieder von der falschen Seite angegangen, denn es ist egal was in normalen Zeiten ist und die Daten suggerieren. Kommt es nur einmal in der ganzen Datenreihe vor, dass sich die Assets gleich verhalten, also eine hohe bis sehr hohe Korrelation aufweisen, sollte das Risiko von diesem Extrempunkt aus betrachtet werden. Aus dieser Warte heraus verliert die Nummer ihre Attraktivität, denn in Krisen, insbesondere Liquiditätskrisen weisen die verschiedenen Assets eine sehr hohe Korrelation auf.

Die Vergessene Liquiditätskrise von 1763

Diese Fehlannahme gepaart mit der Tatsache, dass die OTC Produkte nicht unbedingt liquide gehandelt werden können, lässt Zweifel an der Vernunft der Marktteilnehmer aufkommen.

 

Keinerlei Erinnerung an Schieflagen

Wie Anfangs erwähnt hier müssen andere Gesetze gelten, als in der normalen Welt. Das immer wiederkehrende Verhalten die Volatilität zu verkaufen und damit ein Konkaves Rendite Risiko Profil zu erzeugen, obwohl zuvor viele mit dieser Anlage Strategien, immer und immer wieder, gescheitert sind, erfüllt eigentlich die Definition von Dummheit nach Albert Einstein, jedenfalls in der normalen Welt, oder?

Doch wie in einem anderen Artikel über einfache Heuristiken für den Umgang mit dem Unbekannten festgestellt, werden beim Scheitern eh andere die Schuld bekommen, nicht die „Täter“.

Das erneute aufflammen der Short Volatility Trades ist ein Warnzeichen. Die Erinnerung der Marktteilnehmer reicht nicht weit zurück, anscheinend keine fünf Monate, denn ansonsten wüssten sie, wie riskant das Spiel eigentlich ist. Die Trades des Short Volatility Universums sind welche, die nach einem verheerenden Ergebnis förmlich schreien. Sie sind ein Unfall, der nur darauf wartet einzutreffen.

Das bedeutet jedoch nicht, dass es zu einem ganz großen Knall kommen muss. Ein Flash Crash in einem dieser Volatilitätsbereiche, kann für sich allein genommen, schon einen großen Schaden in einem Konkav aufgestellten Portfolio hinterlassen.

Egal, Bloomberg fasste es perfekt zusammen mit folgender Entleihung:

The short-vol trade is dead. Long live the short-vol trade.

Die Konvexe Aufstellung des eigenen Portfolios ist in der heutigen Zeit unumgänglich. Das gilt besonders, wenn dieses auch noch gehebelt ist. 

 

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