P&R Pleite – Anlageskandal? Wo sind die Kundengelder?

 

Erneut ist ein Anbieter des Grauenkapitalmarktes in die Insolvenz geschlittert. Ein Markt der trotz all seiner Pleiten und Betrügereien weiterhin bei den Deutschen äußerst beliebt ist. Nun kommt es anscheinend so wie es kommen musste und ein neues wesentlich größeres Kapitel wird aufgeschlagen. Schätzungen zufolge sind 3,5 Mrd. € Anlegergelder in Gefahr. Damit erreicht die Pleite von P&R eine ganz neue Dimension. Die Unternehmung, die Schiffscontainer an Anleger verkauft hat und im Anschluss diese vermietete war seit über 40 Jahren am Markt tätig.

 

Für viele Anleger ist die lange Zeit, in der P&R am Markt tätig war, ein Beleg für die Qualität des Managements. Dabei wurde anscheinend vergessen auch nur einmal zu hinterfragen, wie denn das alles möglich sei mit den Auszahlungen, denn seit der Finanzkrise steckt auch die Containerschifffahrt in einer Krise.

 

Standard Container im Hafen
Standard Container im Hafen

 

Neugeschäft bricht ein – P&R Insolvent

 

Wie berichtet wird, brach das Neugeschäft der P&R im vergangenen Jahr um 40% ein. Das lag wohl auch daran, dass seit Anfang 2017 ausführlichere Verkaufsprospekte vorgeschrieben sind. Dadurch wurde es offensichtlich, dass die Unternehmung seit mindestens 2014 mehr Geld an die Anleger ausgezahlt hatte, als sie durch Mieteinnahmen hereinbekommen hat. Ein Umstand der wohl bei den potentiell neuen Anlegern auf Ablehnung getroffen ist und das Neugeschäft nahm in der Folge ab. Auch die Pleite von Magellan, die im selben Bereich tätig waren, wird zu der Abnahme des Neugeschäfts geführt haben.

Hängt die Auszahlung der Altanleger vom Neugeschäft ab, könnte man versucht sein von einem gewissen System zu sprechen.

Ob es sich bei dem System P&R um ein Schneeballsystem gehandelt hat, so wie es in verschiedenen Medien gemunkelt wird, wird sich am Ende vor Gericht zeigen.

Ärgerlich ist es auf jeden fall. Die Anleger verlieren viel Geld, so wie es der Fall Magellan gezeigt hat. Ein Wermutstropfen ist es, dass die Container existieren und verwertet werden können. Doch wie die Verträge zwischen der Deutschen P&R Vertriebsgesellschaft und der, in der Schweiz ansässigen, für das operative Geschäft zuständige P&R Gesellschaft aussehen ist bisher nicht bekannt. Hier könnten noch so einige Hindernisse lauern.

Darüber hinaus ist es ärgerlich, denn während in Deutschland die Börse fast wie die Pest gemieden wird, strömt das Geld in zweifelhafte Kanäle. Es scheint auszureichen eine Fixe Rendite zu versprechen, um die Zurückhaltung der Anleger hinwegzufegen. Besonders wenn es keine offensichtlichen Kursschwankungen gibt, wird die Anlage als besonders sicher angesehen. Dem ist natürlich nicht so.

 

Verantwortung für Geldanlagen übernehmen

 

Das eigene Geld in fragwürdige Geschäftsmodelle und Provisionen zu investieren, und dabei die Börse aufgrund von Kursschwankungen zu meiden ist keine Option für eine seriöse Geldanlage. Allzu oft ersetzen unseriöse Versprechen die Rationalität der Anleger. Dabei dirigieren Anleger die Verantwortung für die Geschäfte oftmals an die Verkäufer der Produkte. Diese achten leider zu oft eher auf die Provision und weniger auf die Qualität.

Ein Interessenkonflikt ersten Ranges möchte man meinen.

Es wird spannend zu sehen welche „Regulierungen“ nun von der Regierung ersonnen werden. Bisher sind die Skandale im Volumen immer weiter angewachsen. Und auch die Anzahl dieser Geschichten wurde nicht geringer, obwohl die „Regulierung“ in den vergangenen Jahren zugenommen hat. Damit bleibt es wahrscheinlich, dass gerade in Zeiten tiefer Zinsen weiterhin Gelder in solche Kanäle fließen werden.

 

Vermeidung Konkaver Renditeprofile

 

Viele dieser zweifelhaften Anlagemöglichkeiten gehören im erweiterten Sinne zu dem Short Volatility Universum. Ein Universum, dass besonders stark auf Veränderungen reagiert und das meist nicht im positiven Sinne.

Einem begrenzten Gewinn stehen sehr hohe Risiken entgegen, ein Umstand der stets gemieden werden sollte. Ein solch Konkaves Renditeprofile besitzen viele beliebte Anlagestrategien, denn ein Fixed Income / Total Return Modell lässt sich wesentlich besser vermarkten, als ein Modell, dass nur unregelmäßige Renditen verspricht.

Einige der Anlagestrategien hatte ich schon im Jahr 2015 in der Reihe Fragilität aufgezählt, während in den letzten Monaten unter dem Thema Short Volatility Strategie weitere erörtert wurden. Unteranderem wurden dabei die Probleme der Versicherungsbranche beleuchtet.

Es ist also elementar, dass Anleger diese Fallen erkennen können. Denn Cent Stücke direkt vor einer rollenden Dampfwalze einzusammeln führt zwangsläufig zu einem bösen Unfall.

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