Trägt der Kapitalismus den Keim des Untergangs in sich?

Man muss sicherlich nicht jedes Werk von Karl Marx gelesen haben, um seine Kernthesen zu kennen. Eine dieser Kernthesen von Marx, war die Zerstörung des Kapitalismus durch den Keim, der bereits in ihm enthalten ist. Doch auf was stützt sich diese Kernthese?

Karl Marx war ein großer Denker, soviel steht für mich fest. Viele seiner Ideen und Ansätze haben die Zeiten, in denen wir leben, weitaus mehr geprägt, als es die gescheiterten Versuche des Kommunismus uns glauben machen könnten. Doch dieser Text soll kein Abgleich seiner Thesen mit der Realität werden, sondern vor allem auf einen wichtigen, vielleicht sogar den wichtigsten Punkt seiner Arbeiten abzielen.

Dieser Punkt ist die „Ausbeutung der Arbeiter“ durch den Kapitalisten. In diesem wesentlichen Punkt sah Marx den Keim, der den Kapitalismus am Ende zu Fall bringen würde. Marx konnte sich nicht vorstellen, dass es ein System geben kann, welches unter diesen Umständen von Dauer sein könnte. Doch er irrte an diese wichtigen Stelle.

Karl Marx Kopf
Karl Marx

 

Kapitalismus-Kritik von Marx

Die Theorie, die in vielen von Marx seinen Ideen und Aussagen steckt, ist tatsächlich nicht falsch. Nicht ohne Grund existiert keine Form des Kapitalismus unter Ureinwohnern (soweit mir bekannt). Denn in der Tat können Menschen, die mit ihrer Arbeitskraft nur ihre täglichen Mindestanforderungen produzieren oder ernten können, einen großen Teil des „Mehrwertes“ der durch ihre Arbeitskraft an den Kapitalisten abgeben. Unter diesen Voraussetzungen wären Revolten an der Tagesordnung und die Menschen würden sich in kurzen Zyklen gegen diese Form der Unterdrückung auflehnen.

Auch heute wäre dieser Umstand nicht anders, jedenfalls unter der Maßgabe, dass die Menschen weiterhin nur Ihre Grundbedürfnisse durch den Einsatz ihrer Arbeitskraft befriedigen könnten. Dem ist allerdings nicht so.

Schon Adam Smith erkannte, dass die Zuweisung von Arbeit an spezialisierte Individuen (Arbeitsteilung) zu der größtmöglichen Wirtschaftsleistung führt. Die Kombination aus 10 spezialisierten Arbeitskräften kann ein vielfaches dessen erzeugen, was die gleiche Gruppe Arbeiter jeder für sich erzeugen kann. Und genau an diesem Punkt, fehlte Marx die Weitsicht.

 

Darum irrte Karl Marx

Der Kapitalismus ist der Nährboden für eben diese Prozesse der Spezialisierung. Der Kapitalist führt diese Prozesse durch sein Gewinnstreben herbei. Auch die Zulieferer und deren Zulieferer organisieren sich durch das Profitstreben von alleine. Es bedarf keiner Genies, die die Produktionsplanung technologischer Produkte übernehmen.

Kein zentrales Planungsbüro könnte jemals die heute üblichen aufeinander abgestimmten Prozesse von komplexen Waren wie Handys oder Autos in dieser Form bewerkstelligen. Auch heute wären die „ausgebeuteten Arbeitnehmer“ nicht in der Lage, sämtliche Güter, die sie nutzen, selbst zu produzieren. Dafür würde ihre Lebenszeit nicht ausreichen.

Daher muss festgehalten werden, dass Karl Marx zwar durchaus recht hatte, als er die Ausbeutung des kapitalistischen Systems sah und die entstehenden Probleme aufzeigte. Doch er bedachte dabei nicht, dass ein „ausgebeuteter Arbeiter“ im Kapitalismus immer noch reicher und produktiver sein dürfte, als ein freier Kommunist.

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Fazit – Kapitalismus-Kritik ist berechtig

Es wäre durchaus denkbar, dass der Kapitalismus in der aktuellen Form schon in der nächsten Wirtschaftskrise abgelöst werden könnte. Immerhin ist die Verteilung des Vermögens bereits auf einer kritischen Größe. In der Geschichte wurden solche Phasen durch extreme Krisen „bereinigt“. Diese Bereinigung wird auch über unsere Zeit kommen, in welcher Form auch immer. Aus diesem Grund ist Kapitalismus-Kritik durchaus angebracht.

Allerdings ist eine Gesellschaftsform mit zentralen Planungsstellen, die fernab des Profitstrebens existieren, keine Alternative. Jedenfalls ist sie keine Form, die dauerhaft bestehen kann.

Die Menschen haben die Leistungsfähigkeit der sich selbst steuernden Spezialisierung längst unter Beweis gestellt. Solange der Staat die Leitlinien festlegt und gegen zu starke Auswüchse der Vermögenskonzentration vorgeht, wäre das aktuelle System sicherlich nicht perfekt, aber es wäre das beste, welches wir bisher hatten.

Damit würde, entgegen der Meinung von Marx, eher die Gesellschaftsform ohne Kapitalisten, den Keim der eigenen Zerstörung in sich tragen.

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5 Kommentare zu Trägt der Kapitalismus den Keim des Untergangs in sich?

  1. Das Matra des ewigen Wachstums ist ein Grund-Dogma des Kapitalismus. Wachstum entsteht, wenn durch Innovationen neue Möglichkeiten entstehen, die von freien Marktteilnehmern(wir sind im Neoliberalismus weit davon entfernt) umgesetzt werden und einen Vorteil den älteren Methoden gegenüber ergeben, was dann Wachstum genannt wird. Ist dieser Vorteil durch Produzenten mit genügend Rescourcen annektiert, bleibt für den Rest nix mehr übrig. Mehr noch, BigPlayer verhindern durch ihre Macht gezielt Innovationen(Patente werden aufgekauft und eingemottet) um den Gewinn bestehender Strukturen zu maximieren.
    Man schaue sich die Entwicklung der Chipindustrie an, hätte das Pentagon nicht in den `60ern die Produktion Subventioniert, so hätte die freie Wirtschaft 20-30 Jahre länger gebraucht, massentauglich und gewinnbringend zu Produzieren. Eine Zentrale Steuerung von Oben lähmt Innovation, aber ebenso überfreie Marktteilnehmer. China versucht hier einen Komptomiß zu finden. Für uns mag das unangebracht sein, trotzdem müssen wir die Systemfrage stellen und fundiert eroieren, wie wir die Regeln zum maximalen Profit aller umgestalten.

  2. Falsch! Das von Ihnen beschriebene trifft auf Wachstumsmärkte zu, nicht jedoch auf ausentwickelte Produktionen zu. Hier nötigt der Wachstumszwang zur künstlichen Verknappung durch Obsolezenz und Monopolbildung. Dadurch wird soviel wie möglich ausgepresst und so wenig wie nötig innoviert.

    • Siehe unten. Der beschriebene Wachstumszwang entsteht nicht durch den Kapitalismus, sondern durch das Geldsystem in der aktuellen Form. Beides zu vermischen ist in meinen Augen nicht zielführend.

      FG

  3. Der Kapitalismus war schon seit Seiner Geburt den Tode geweiht. Diese Gesellschaftsform
    ist schon Sterbenskrank gebohren worden, schon aus den Grunde ,Ihn nie Kontrollieren zu
    können. Was wie Wir sehen können,in was für eine ausser Rand und Band geratene
    Pervertierte und Abartige Seuche sich dieses hochgelobte Geschwühr entwickelt hat.
    Man Kann nur zu den Schluss kommen, das diese Pest den Komunismus auch nicht lange
    überleben wird! Die Frage ist ,Was kommt danach?? Der Mensch ist einfach nicht gebohren
    für eine Gesellschaftsform die es Allen gerecht machen kann. Der Egoismuß ist der
    Größte Hemmschuh für eine Gerechtere Form des Zusammenlebens. Das liegt in Unseren
    Gehnen!

    • Ehrlich gesagt sehe ich es nicht so. Der Kapitalismus ist schon Ok, allerdings passt unser Geldsystem nicht zu diese Modell. Nur die Kombination dieser beiden Dinge sind das echte Problem. Diesen Umstand zeigte ich in dem Artikel Partizipalismus deutlich auf.

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