Historischer Moment – Das Ende eines Super Trends

US-Dollar

 

Es ist schon sehr lang her, dass die Finanzmarktteilnehmer ein solches Schauspiel geboten bekommen haben. Trotz der angespannten Situation an den Finanzmärkten erhöhte die Fed die Zinsen. Damit hinterließ sie ein zuerst sprachloses Publikum, doch als diese das Gesagte verdaut hatten, kam es zum Sell Off.

 

Würde es hier nur um die Aktienmärkte gehen, dann wäre es eigentlich ganz ok, doch das ist es nicht. Es geht um wesentlich mehr, es geht um die Vormachtstellung des US-Dollars (kurz: USD) und die Finanzen der USA.

 

Die Fehlannahme zum Dollar

 

Bisher ging es immer gut aus und der USD ist der Stein in der Brandung. Die meisten Marktteilnehmer sehen ihn als eine Art Safe Haven an, wie auch die US-Staatsanleihen, doch das ist nur eine Illusion. Die Lage der Welt hat sich soweit verschoben, dass ein Kipppunkt erreicht wurde und die Vormachtstellung des USD, als alleinige Weltreservewährung, in Zweifel gezogen wird. Es gibt genügend Bestrebungen Alternativen aufzubauen. Dabei handelt es sich um viele Akteure, die den Wunsch hegen den Käfig des Greenback zu verlassen, denn er ist für sie zu einem Problem geworden.

Wir haben hier also die Weisheit, eigentlich einen Super Trend hin zum US Dollar als Safe Haven. Eine Tatsache die sich im 20ten Jahrhundert manifestieren konnte und selbst die einseitige Aufkündigung des Bretton Woods System überlebt hat. Doch der Deal Güter gegen USD und dem anschließenden recyclen der USD über den US Amerikanischen Finanzmarkt ist ins stocken geraten. Und wie wir als Anleger wissen, Trends die auf falschen Annahmen basieren haben immer ein Ende. Eines welches häufig sehr abrupt und heftig daherkommt.

Erinnern wir uns nur einmal an die Aufkündigung der Gold Konvertibilität in den 30er Jahren des 20ten Jahrhunderts. Da hatte auch keiner was zu lachen, denn der USD wurde massiv gegenüber Gold abgewertet, nachdem das Gold von den Bürgern eingesammelt worden ist. Das nächste Beispiel bei dem wir auch beim USD bleiben ist die schon angesprochene Aufkündigung des Bretton Woods Systems (das endgültige Ende der Goldbindung des US Dollars), bei dem es erneut zu einer massiven Abwertung des USD kam.

Das der USD der Stein in der Brandung ist, dass ist eine sehr gefährliche Fehlannahme. Er und sein umgebendes System sind weder Gottgegeben noch unersetzlich.

 

Bisher technische Probleme

 

So wie es scheint haben viele ausländische Akteure aufgehört US-Treasury Notes zu kaufen, ein Umstand auf den hin und wieder aufmerksam gemacht wurde. Dieser Trend hat sich in diesem Jahr enorm beschleunigt, denn seit September ist es Ausländern nicht mehr möglich eine positive Rendite mit US Staatsanleihen zu erzielen, wenn sie den Wunsch hegen das Währungsrisiko zu eliminieren. Der Hedge ist einfach zu teuer geworden, sodass z.B. Japanische Investoren mittlerweile Japanische Staatsanleihen kaufen, da die dortige Rendite zumindest auf dem Papier positiv ist. Aber auch China baut seine US-Treasury Holdings ab, wie es erst vor kurzem bei Bloomberg zu lesen war.

Hier kommen wir nun auch zum Auslöser der Panik, dem zu teuren Hedge. Erstaunlicherweise herrscht seit geraumer Zeit ein Dollarmangel vor, der genau diesen Umstand verursacht. Die Ursache für die Knappheit lässt sich im Quantitative Tightening finden, welches auf Autopilot weitergeführt werden soll. Spätestens nach dieser Äußerung auf der Pressekonferenz war es das Gebot der Stunde, wer zuerst in Panik gerät, der panikt am besten. Raus aus der Tür bevor es alle wollen.

 

Werden zum Defizit Problem

 

Durch die bisherige Unruhe und dem wirklich schlechten abschneiden der Aktienmärkte, wird sich auch das Steuereinkommen verringern. Denn der Aktienmarkt ist in den USA die Wirtschaft. Er macht mehr als 150% des GDP aus, womit ein Einbruch der Kurse direkte steuerliche Konsequenzen nach sich zieht. Auch die Auswirkungen auf die Konjunktur im Allgemeinen darf nicht vernachlässigt werden, denn die Zukunftseinschätzungen werden durch einen schlechten Aktienmarkt beeinflusst.

Es ist ein Punkt der sich mit den anderen Brandherden verbindet und eine Eigendynamik entwickelt, eine Art Katalysator bildet, der die Umformung beschleunigt. Das gilt besonders da die Fed die Dollarknappheit eindeutig ignoriert oder erst gar nicht als Gefahr identifiziert hat. Auch die Schwäche der zyklischen Sektoren konnte die Fed nicht nachgiebig stimmen, bzw. wurde ignoriert.

Am Ende einer solchen Entwicklung steht ein außer Kontrolle geratendes Defizit und seihen Sie sich an diesem Punkt sicher, weder Kongress, Senat noch Präsident Trump werden es eindämmen wollen. Sie leben in der Vergangenheit des unnachlässigen Dollarflusses. Irgendwie erinnert die Situation in den USA an die in der ehemaligen Sowjetunion, eine Führung gefangen in der Vergangenheit ohne Kontakt zur Lebenswirklichkeit.

Bisher ging es mit dem Defizit auch immer gut und die Refinanzierung war kein Problem. Die Probleme häufen sich und in wenigen Monaten kommen dann ernsthafte Bedenken wegen des US-Defizits und Schuldenstands auf.

Powell hat sich für die falsche Seite entschieden und bringt wahrscheinlich das Dollar-System zu fall. Die Entscheidung war Inflation oder Deflation und er entschied sich für letzteres.

Und Enden mit

 

Wie ich zuvor schon sagte, es erinnert mich an die Sowjetunion und ihren Zerfall. Ein Koloss bei dem man wusste das es Probleme gibt, doch keiner hatte mit dem Zerfall gerechnet. Trotz der deutlichen Warnzeichen.

Warnzeichen die man auch in den USA sehen kann, googeln Sie nur einmal nach der Opium-Krise in den USA. Es wird sie erstaunen, dass trotz ihres Umfanges keinerlei Aufschrei durch die Bevölkerung geht.

Auch die Polarisierung der Bürger in unterschiedliche Lager und die verbalen Attacken, Ausfälle, usw. zeigen, eine Rettung wie zur GFC und Eurokrise ist nicht möglich. Die politische Führung in den USA und Europa ist zu schwach. Sie genießt kaum Legitimität in den Augen der eigenen Bürger. Der Raubzug der nach der GFC und in Folge der Eurokrise vonstatten ging, der ist nicht vergessen.

Das ist der Schwarze Schwan im System, nicht das Austrocknen des Kreditmarktes und einer Wiederholung der Great Financial Crisis. Nein, es ist der Kipppunkt an dem wir in der westlichen Welt alle stehen. Der Zerfall unseres Systems und die Bürger werden dabei keinen Grund sehen es retten zu wollen, sie haben ja von der letzten Rettung schon nichts gesehen. Der Trend wird von den USA angeführt, es ist ein Trend des allgemeinen Misstrauens gegenüber den Eliten und den mit diesen verbundenen Narrativen.

Der kommende Vertrauensverlust der Fed, denn sie wird zurückrudern müssen, wird immens sein und das Vertrauen in die USA und den US Dollar untergraben. Würde die Welt nur aus Technokraten bestehen, es wäre kein Problem, doch die Dynamik des menschlichen Verhaltens wird die Lösungen, die bis gestern um 19:59 deutscher Zeit noch möglich waren, verbieten.

Wäre es nicht die perfekte Ironie der Geschichte, wenn die USA unter Trump in eine Staatsschuldenkrise rutschen? Er sagte ja erst vor einigen Tagen, dass er schon lang nicht mehr im Amt sein wird, wenn es soweit ist. Ich denke es wäre die perfekte Ironie.

Im Endeffekt wird es besser sein selber das Risiko, welches ein mögliches Ende des Dollar-Systems für das eigene Vermögen darstellt, zu mitigieren.

Wie? Das ist die Frage aller Fragen und es wird keine einfache und eindeutige Antwort darauf geben, denn das USD-System ist weltumspannend.

Gold als sicherer Hafen oder doch nur Mythos?

 

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4 Kommentare

  1. Sehr guter Artikel. Leider wird er die Mehrheit nicht erreichen und wenn er sie erreicht, reicht entweder das Wissen oder der Willen dieser nicht aus die wertvollen Analysen zu beherzigen und Konsequenzen zu ziehen.

    • danke für das lob ….
      ich kann es nur versuchen … mehr bleibt mir nicht übrig und erreicht der Artikel nur eine Person dann soll es mir reichen …
      mfg
      ORBP

  2. Solche Gedanken schwirren seit einiger Zeit in vielen Köpfen.
    Es sind leider nur wenige im Stande diese,so wie hier ausgezeichnet, zu Papier zu bringen.
    Dicken Daumen hoch von mir, und ein Dankeschön dafür

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