Handelsrekord: Deutsche Bank AG und das VaR

 

Die Deutsche Bank, dass Sorgenkind der Deutschen Nation. Nicht nur der Deutschen oder Europäer, auch in den Vereinigten Staaten stehen sie unter besonderer  Beobachtung. Die Bank muss der Fed quartalsweise einen detaillierten Bericht über ihre Handelsaktivitäten zukommen lassen. Sowas lässt aufhorchen und Bloomberg hat was gefunden.

 

Das 1. Quartal und die Deutsche Bank AG

Das erste Quartal war an den Börsen weltweit Volatilitätsgeladen. Das Februar-Event, das von manchen Tradern jenseits und diesseits auch Volageddon genannt wird, entfaltete sich. Die Anlagewelt wurde einmal kräftig durchgeschüttelt und nur die damals vorherrschende positive Konjunktur Erwartungen verhinderten schlimmeres.

Wäre dieses Event in einer Zeit Realwirtschaftlicher Turbulenzen geschehen, es wäre sicherlich noch schlimmer ausgegangen. Ein Glück für die Deutsche Bank AG. Diese musste, wie Bloomberg berichtete, der FED in ihrem Report für das erste Quartal ungewöhnliches melden.

 

Der ungewöhnliche Handelsrekord

Während die anderen großen Banken ihre schlimmsten Handelsverluste im ersten Quartal auf einen Bereich zwischen 0,53 (UBS) bis 1,66 (BNP) VaR begrenzen konnten, stach hier die deutsche Vorzeige Bank hervor.

Sie musste der FED eine recht verstörende Zahl melden. Ihr schlimmster Handelsverlust in dem Quartal lag nicht bei 1 oder 2 VaR, sondern bei 11,97 VaR. Erstaunlich, denn dass ist etwas, was theoretisch unmöglich sein sollte.

 

Exkurs Value at Risk (VAR)

VAR ist ein Risikomaß im Finanzwesen. Es gibt den zu erwartenden Verlust bei einem gewissen Wahrscheinlichkeitslevel von Risikopositionen innerhalb eines Portfolios wieder.

 

Der Verlust des einzelnen Tages lässt sich zwar nicht genau bestimmen, doch man kann sich ihm annähern. Das Value at Risk lag in der gemeldeten Periode im Durchschnitt bei $30,8 Millionen. Damit liegt der mögliche Handelsverlust des entsprechenden Tages zwischen ca. $330 Mio. und $405 Mio.

Dies war jedoch nicht der einzige Tag an dem die VaR Kennzahl gerissen wurde. Es gab im ersten Quartal weitere drei Tage an denen das errechnete Risiko überschritten wurde.

Ein besonderer Ausweis für die Qualität des Risikomanagements der Deutschen Bank. Zuvor bewies die Bank schon ihre Kompetenz, als sie irrtümlich €28 Milliarden auf einen ihrer auswärtigen Accounts überwiesen hat.

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Die Kontrollen versagen

Obwohl die Bank unter besonderer Aufsicht steht, können solche Extreme anscheinend nicht ausgeschlossen werden. Das könnte an der Möglichkeit liegen, dass die VaR Kennzahl nur ein kleiner Hinweis darauf ist was an normalen Tagen riskiert wird. Doch hat die Kennzahl keine Prognosekraft in Bezug auf zukünftige Verluste. Dazu schrieb ich in dem Beitrag Evolution der Volatilität folgendes:

 

Er wollte infolge der Kurskapriolen zukünftig jeden Tag darüber informiert werden, wieviel die Bank mit ihren Handelspositionen riskiert. Daraus entwickelte Till Guldimann für JPMorgan das Value at Risk (VaR) Modell. Das Modell zeigt den Betrag an, den die Bank an jedweden Tag mit einer Wahrscheinlichkeit, dem Konfidenzniveau, von 95% verlieren kann.

Hier wird oft vergessen, die richtige Frage zu stellen. Was passiert in den restlichen 5% der Fälle, wie hoch ist hier das Risiko? Leider wird sich zu oft mit der Aussage begnügt, dass man in 95% der Fälle nur Betrag x verlieren kann.

 

Eine Tatsache, die die Bemühungen zur Risikokontrolle der Bankenaufsichten und Zentralbanken letztendlich ad absurdum führt.

Erschreckend ist es, dass eine solche Abweichung innerhalb einer noch recht ruhigen Periode geschehen ist. Wäre zu den Kursturbulenzen noch ein wirtschaftlicher Abschwung hinzugekommen, wie hätte das nur gewirkt?

Eine Frage, die den Verantwortlichen der FED sicherlich unruhige Nächte beschert. Denn die Schlussfolgerung aus dem erneuten Versagen der Risikokontrolle und der Unvorhersehbarkeit der Auswirkungen auf ein Handelsportfolio, ist, dass die gesamte Stabilität der Banken auf tönernen Füßen ruht.

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