Finanzmarkt Trends 2018: Ausblick 2. Halbjahr

Finanzmarkt Trends 2018: Ausblick 2. Halbjahr
Finanzmarkt Trends 2018: Ausblick 2. Halbjahr
 

Nachdem in der zurückliegenden Woche ein kleiner Rückblick auf das Geschehen des ersten Halbjahres vollzogen und die im Februar gemachten Antizipationen geprüft wurden, soll es jetzt zum Ausblick für das zweite Halbjahr 2018 kommen. Der Fokus wird auf den Renten-, Devisen- und Aktienmärkten liegen.

Zu Beginn sollen hier nochmals kurz die Anfang Februar formulierten Thesen vorgestellt werden.

 

Die Antizipation von Anfang Februar 2018

  1. Die Zinsen steigen weiter an => fallende Anleihekurse und eintritt der 30Y T-Bonds in einen Bärenmarkt
  2. Der USD wird gegenüber den anderen Währungen weiter Schwach wirken; der Euro jedoch gegenüber den meisten hinzugewinnen, Ausnahmen sind der CHF und CHN
  3. Das Jahr 2018 wird von einigen spektakulären Pleiten begleitet werden, wobei Clarillion den Anfang gemacht hat. Die steigenden Zinsen werden es auslösen.
  4. 2018 wird auch durch die Rückkehr zur Normalität gekennzeichnet sein und die Volatilität im besten Fall langsam, im schlimmsten rasant ansteigen
  5. Auch 2018 wird sich der Langfristige Trend in den Aktienmärkten fortsetzen, wobei die Outperformance der US Indizes bleiben wird. Chancen bestehen außerdem in den BRIC Märkten.
  6. Das Gold hat die Chance auf einen Ausbruch und damit die Möglichkeit das Jahr 2018 golden scheinen zu lassen. Der Ausbruch ist entscheidend.

Kommen wir nun zu dem Ausblick auf die Finanzmarkttrends für das 2. Halbjahr 2018.

Ausblick 2. Halbjahr 2018: Anleihen und Zinsen

Die Zinsen befinden sich in einem festen Aufwärtstrend. Die Fed will im 2. Halbjahr die Zinsen wahrscheinlich in zwei weiteren Schritten erhöhen. Damit werden die Finanzierungsbedingungen für die Unternehmungen in den USA aber auch in den Emerging Markets  weiter abnehmen. Umstände die sich schon in den Anleihekursen widerspiegeln.

Die Fed erhöht seit einiger Zeit die Zinsen und der Societe General fiel etwas in dem Kontext auf. Seit 1960 kam es immer wieder zu einer Rezession, wenn die Effective Fed Funds Rate um 450 Basispunkte erhöht wurde. Da die Fed bisher die Zinsen erst um 175 Basispunkte erhöht hat, könnte man meinen das alles in Ordnung sei, doch so einfach ist es damit nun auch wieder nicht.

Nachdem eintreten der Great Financial Crisis wurden die Zinsen auf 0% gesenkt, doch reichte es nicht und die diversen Quantitative Easing Programme wurden aufgelegt. Damit wurde die Effective Fed Funds Rate in den negativen Bereich gedrückt und fand ihr Tief im Jahr 2014 bei -3%.

Sollte die SocGen mit dieser Ansicht richtig liegen, dann hat die Fed die Zinsen schon um über 475 Basispunkte angehoben. Eine Überlegung die man nicht so einfach zur Seite wischen sollte, da auch andere Beobachtungen in die Richtung deuten.

Eine Beobachtung die gemacht werden kann, ist die Abnahme der Spreads und das bevorstehen einer Invertierung in der Zinsstrukturkurve.

10-Year Treasury Constant Maturity Minus 2-Year Treasury Constant Maturity

10Y Minus 2Y Treasury Notes Spread
Invertieren sie oder nicht? – Quelle: Federal Reserve Bank of St. Louis, 10-Year Treasury Constant Maturity Minus 2-Year Treasury Constant Maturity [T10Y2Y], retrieved from FRED, Federal Reserve Bank of St. Louis; https://fred.stlouisfed.org/series/T10Y2Y, July 19, 2018
Der Spread zwischen den Renditen der 10Year und 2Year Treasury Notes nimmt weiter ab und es ist im Moment nur eine Frage der Zeit ab wann sich die Zinsstrukturkurve invertiert. Dieser Trend wird sich im 2. Halbjahr weiter fortsetzen und wahrscheinlich noch bis in das Jahr 2019 anhalten. Aber was passiert hier genau?

Der Spread zeigt die Relation zwischen den verschieden Laufzeiten an. Dafür, dass dieser Spread abnimmt kann es zwei Gründe geben.

  1. Die Zinsen am kurzen Ende steigen schneller, als die am langen Ende.
  2. Die Zinsen am langen Ende fallen schneller, als die am kurzen Ende.

Dieses Phänomen wird jedoch nicht ewig anhalten und in den kommenden Jahren wird sich der Spread wieder ausweiten. Dafür muss folgendes geschehen:

  1. Die kurzfristigen Zinsen fallen schneller, als die langfristigen oder
  2. die langfristigen Zinsen steigen stärker, als die kurzfristigen.

Ein weiterer Punkt der daraus abgeleitet werden kann ist, dass die Investoren, die in den lang laufenden Anleihen unterwegs sind, nicht davon überzeugt sind, dass die Zinssteigerungen noch lange anhalten werden. Dazu schrieb ich im Rückblick auf das 1. Halbjahr folgendes:

30Y T-Bonds Future Entwicklung H1 2018

ZB Candle Monats Chart: Ein niedrigeres Hoch und Tief stehen im Chart

Mit der Ausformung eines niedrigeren Hochs (2017) und dem diesjährigen niedrigeren Tief, wurde hier im 30Y T-Bonds Future ein Abwärtstrend erzeugt. Dieser ist jedoch nach dem erreichen des neuen Tiefs ins stoppen geraten.

In Abhängigkeit zu der politischen und wirtschaftlichen Lage, kann es sein, dass es zu einer Rückkehr in den Aufwärtstrend kommt. Diese Vermutung kommt mir, da die Leerverkaufspositionen in diesem Bereich Rekordverdächtig hoch sind. Sell Short T-Bonds und Notes sind recht überbevölkerte Trades, ein Umstand der hier zur Vorsicht mahnt.

Verkaufspositionen bei den High Yield ETF´s auf Rekordhoch: Schlechtes Zeichen?

Mit diesen Informationen kann man sich nicht nur den Kopf zermartern, sondern auch was in der Trading Praxis anfangen, was wesentlich wichtiger ist als die pure Spekulation darüber, ob und wann der Aufschwung endet. Genutzt werden kann die Information über den Spread mittels einer Optionsstrategie.

Euribor & Libor

Euribor 12M Candle Chart
Euribor 12M: DIE EZB ist am Drücker

Der Euribor notiert noch im negativen Bereich und es ist nicht zu erwarten, dass das negative Terrain in diesem Jahr verlassen wird. Natürlich kommt es hier sehr auf die Entscheidungen der EZB an, denn sollte sie die Zinsen anheben, dann kann die Null-Linie schnell erreicht werden.

Libor USD 12M Candle Monats Chart
Libor USD 12M: Der Anstieg wird sich weiter fortsetzen

Da die Fed in diesem Jahr die Zinsen weiter anheben will ist auch im Libor mit steigenden Zinsen zu rechnen. Diese können bis zum Jahresende noch auf weit über 3% ansteigen. Natürlich ist auch der Libor USD in einer starken Abhängigkeit zur Fed und ihren Entscheidungen zu sehen. Doch bleibt alles bei der bisherigen Politik ist ein Anstieg auf über 3% sehr wahrscheinlich.

Insgesamt ist die Situation in den USA durch den Handelskrieg wesentlich fragiler als gemeinhin angenommen wird. Nicht nur, dass die Ausgaben und damit das Defizit aufgebläht werden, nein, es wird auch den wichtigsten Handelspartnern mit aller Kraft vor den Kopf gestoßen.

Dumm nur, dass diese Handelspartner es sind, die die Treasury Notes, etc. kaufen, also die Verschuldung erst ermöglichen.

 

EUR Währungspaare & USD Index Future

EUR/CZK Monats Chart: Umkehrstab möglich
EUR/CZK Candle Monats Chart: Rücklauf nachdem Fall der Grenze abgeschlossen

Die Peg in der CZK konnte nicht mehr gehalten werden und wurde 2017 aufgegeben. Der Kurs sackte rasant ab und kam erst Anfang 2018 zu einem Halt. Die dort gestartete Erholung scheint sich nun in der Value Zone festgefahren zu haben. Hier traf das Währungspaar auch einen Widerstandsbereich, der bei ca. 26,25 CZK je EUR verläuft.

Wenn sich die Kerze des aktuellen Monats nicht mehr ins positive dreht liegt hier ein Umkehrstab vor, der für eine Fortsetzung der Abwärtsbewegung spricht.

EUR/CHF

EUR/CHF Monats Chart: Weiteres Absacken möglich
EUR/CHF Candle Monats Chart: Ehemalige Grenze erreicht und abgestoßen

Das Währungspaar EUR/CHF erreichte im April die ehemalige Grenze von 1,2 CHF je EUR. Hier stieß sich das Forex Paar ab und es scheint so, als ob sich die Schwäche des Euro gegenüber dem Schweizer Franken fortsetzen will. Ein absacken des Kurses in den Bereich 1,1 bis 1,11 ist unter diesen Voraussetzungen durchaus möglich.

EUR/GBP

EUR/GBP Candle Monats Chart: Im Zeichen des BREXIT´s
EUR/GBP Candle Monats Chart: Marktteilnehmer erwarten wohl einen harten BREXIT

Die Marktteilnehmer erwarten wohl einen harten BREXIT. Jedenfalls deutet die Kursentwicklung des Forex Paars EUR/GBP daraufhin. Zur Zeit v.ersucht sich der Kurs aus der seit einigen Monaten bestehenden Range zur Oberseite hin zu lösen.

Wenn es zu einem harten BREXIT kommt, dann sollte der Kurs weiter gen Pari marschieren. Doch die Downside erscheint interessanter, denn hier lauert dann wohl eine kleine Überraschung, sollte es widererwarten zu einem weichen BREXIT kommen.

Beide Seiten können mithilfe einer Long Strangle Optionsstrategie bespielt werden.

EUR/JPY

EUR/JPY Monats Chart: Ausbruch oder kein Ausbruch
EUR/JPY Candle Monats Chart: Linie 1 ist entscheidend

Für den weiteren Verlauf des Währungspaares EUR/JPY wird die Linie 1 entscheidend sein. Solang sich das Forex Paar unter dieser Marke notiert, befindet es sich weiterhin in der großen Seitwärtsbewegung, die mit der Great Financial Crisis ihren Anfang nahm.

EUR/USD

EUR/USD Monats Chart: Hält die Unterstützung?
EUR/USD Candle Monats Chart: Ausbruch oder Absacken

Der EUR/USD Kurs konnte sich zuletzt über dem wichtigen Bereich von 1,15 USD je EUR stabilisieren. Solang der Kurs oberhalb dieser Marke notiert scheint ein erneutes Anlaufen der abfallenden Trendlinie möglich. Fällt das Forex Paar jedoch unter diese Unterstützung, wäre ein Test der 2017er Tiefs durchaus denkbar.

Das absacken halte ich jedoch aufgrund der Überbevölkerung des Trades Long USD Short EUR für unwahrscheinlich.

USD Index Future (DX)

DX Candle Bar Chart: Widerstand 1 hält den Dollar Index auf

Solang der Dollar Index unter dem Widerstand 1 notiert, ist es wahrscheinlich, dass die Dollar Schwäche eine Fortsetzung erfahren wird. Erst oberhalb des Widerstandes kann mit einem weiteren erstarken des Dollars gerechnet werden.

Selbst rechne ich mit einer erneuten Schwäche im US Dollar.

 

Aktienmärkte

Die Aktienmärkte bewegen sich grob gesagt, seit Anfang 2018 seitwärts. Natürlich gibt es hier Ausnahmen wie den Russel 2000 oder den NASDAQ 100 Index, doch das Gros war eine Seitwärtsbewegung. Auch die Outperformance der US Indizes gegenüber ihren Pendants konnte sich halten.

Mittlerweile gibt es jedoch Warnzeichen, dass sich dieser Outperformance Zyklus seinem Ende hin zuneigt. Jeffrey Kleintop veröffentlichte im Mai bei Charles Schwab eine interessante Ansicht.

Die Outperformance der US Indizes hält mittlerweile seit Begin der Finanzkrise an. Diese Outperformance scheint in Zyklen zu verlaufen.

Im Jahr 1972 sah die Outperformance Ratio zwischen dem MSCI EAFE und dem MSCI USA sehr ähnlich. Die USA lagen klar in Führung, doch dieses Gap wurde anschließend geschlossen und sogar gedreht. Bis Anfang der 90er Jahre drehte sich das Bild und der MSCI EAFE Index hatte eine starke Outperformance gegenüber dem MSCI USA Index aufgebaut. Doch auch dieses extrem wurde korrigiert und der Staffelstab der Outperformance wechselte erneut Richtung USA.

Diese Beobachtung sollte man nicht einfach so zur Seite schieben. Es wird langsam Zeit die Übergewichtung der USA im Portfolio abzubauen, besonders wenn man bedenkt dass z.B. im NASDAQ 100 die gute Performance auf den Schultern nur weniger Aktien ruht.

Netflix, Amazon und Microsoft sind in diesem Jahr für mehr als 80% der Performance des NASDAQ 100 verantwortlich. Das ist kein breites Fundament mehr, sondern erscheint recht fragil. Daneben sind die Buyback Programme eine wesentliche Triebfeder für die Kursanstiege gewesen, etwas, was einen als Investor Nervös machen sollte. Denn werden diese Programme gestoppt, dann war es das auch mit den aggressiven Buy The Dip Käufen.

Buyback-Programme: Ein nie dagewesener Raubzug

Neben diesen Beobachtungen spricht auch die politische Lage für eine erhöhte Vorsicht, denn der Handelskrieg steht erst am Anfang. Durch die aggressive Verhandlungstaktik der Amerikaner kann China nicht auf einen Kompromiss eingehen, ohne das eigene Gesicht zu verlieren. Der Gesichtsverlust ist in Asien wesentlich schlimmer, als keinen Deal zu erreichen.

Auch die Bedeutung der anderen Märkte nimmt für China kontinuierlich zu.  Besonders wenn man die enorme Größe des Süd-Ost-Asiatischen Marktes bedenkt, erscheint das Vorgehen der USA recht tollpatschig und ignorant.

Die Emerging Markets werden dieses Jahr wahrscheinlich für 80% des weltweiten Wirtschaftswachstums verantwortlich sein. Die USA nur für 10%, hier haben sich die Verhältnisse in den letzten Jahrzehnten einfach geändert.

Egal wie, die US Unternehmen sind wesentlich abhängiger von der Globalisierung als gemeinhin angenommen. Seit 2003 haben die US Exporte 17% zum Wachstum des GDP beigetragen und diejenigen S&P 500 Unternehmungen, die Verkäufe ins Ausland melden, erwirtschaften mehr als 40% ihrer Einnahmen außerhalb der USA.

Insgesamt kann davon ausgegangen werden, dass sich die Outperformance der US Märkte bis Ende des Jahres langsam drehen wird und die Länder des MSCI EAFE erneut die Führung übernehmen werden.

Volatilität

Die Normalisierung wird weiter voranschreiten und es immer wieder zu Volatilitätsspikes kommen. Besonders in Bereichen in denen nicht damit gerechnet wird wie z.B. High Yield Anleihen kann das gefährliche Züge annehmen. Insgesamt wird eine erneute Volatilitätsausweitung die Risikobudgets der Institutionellen Investoren mindern und für Verkaufsdruck sorgen.

Short Volatility, der Trade ist zurück!

 

Finanzmarkttrends 2. Halbjahr 2018

Fassen wir einmal die Antizipationen für das 2. Halbjahr 2018 zusammen:

  1. Die Zinsen werden in diesem Jahr noch weiter ansteigen, doch das Ende dieses Zyklus rückt näher. Der Spread zwischen den 10Y – 2Y T Notes kann genutzt werden, Richtungsneutral auf eine Normalisierung der Zinsstrukturkurve zu setzen.
  2. Schwäche des EUR gegenüber der CZK und dem CHF, ansonsten sollte der EUR in der Breite Stärke zeigen. 
  3. USD Index Future deutet auf eine erneute Schwäche gegenüber den wichtigsten Währungen hin.
  4. Die Outperformance der US Indizes wird noch einige Monate anhalten, doch sollte es zum Jahresende hin zu einer Umkehr kommen und der MSCI EAFE langsam aber sicher stärker werden.
  5. Das Risiko das aus der Volatilität und mit dieser assoziierten Trading Strategien verbunden ist, bleibt uns weiterhin erhalten und ein Long Vega Hedge sollte beibehalten werden.

Insgesamt hat sich an dem Februar Ausblick nicht viel geändert. Die Zinsen steigen weiter, der EUR sollte eine gewisse Stärke zeigen und der USD Schwäche. Die Volatilität und ihre Risiken werden ein treuer Begleiter bleiben, nur die Outperformance der US Indices gegenüber dem MSCI EAFE wird sich wahrscheinlich zum Ende des Jahres hin auflösen.

Gold hat weiterhin eine gewisse Chance auf steigende Kurse doch ist die relativ gering. Jedoch sollte nicht auf das Edelmetall verzichtet werden, denn als Hedge hat es natürlich seine Bedeutung behalten. Auch überraschenden Pleiten werden sich wahrscheinlich bis Ende 2018 noch einstellen.

Soweit mit dem Ausblick auf die Finanzmarkttrends für das 2. Halbjahr 2018.

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