Financial Engineering – Buyback Programme als Risiko

 

Das Financial Engineering umfasst eine breite Palette an Aufgaben. Heute soll es um einen Teilaspekt dessen gehen, dem Auftakeln der Konzernbilanz. Etwas, was seit vielen Jahren in Mode ist und eine gewisse Perspektivlosig- und Kurzsichtigkeit des Managements widerspiegelt. Es ist ein gefährlicher Trend und das Exposure gegenüber diesem Risiko sollte im eigenen Portfolio so gering wie nur möglich gehalten werden.

 

Buyback Programme – Die Zombifizierung der Wirtschaft

Buyback Programme sind ein beliebtes Mittel zur Kurspflege einer Aktie. Die Kurspflege durch die erhöhte Nachfrage von Aktien ist der eine Effekt, der von dem die Aktionäre selbst auch noch ein wenig profitieren. Der andere ist die Steigerung der Unternehmenskennzahl Earnings per Share (EPS). Durch die Verringerung der ausstehenden Aktien wird die EPS Kennzahl verzerrt und nach oben bewegt. Das steigert die offensichtliche Attraktivität einer Aktie und das Management kann behaupten die Gewinne gesteigert zu haben.

Hier erfahren Sie ausführlich, warum Aktien zurückgekauft werden.

Seit 2008 haben US Unternehmen ca. 5 Billionen USD aufgewendet für den Rückkauf eigener Aktien. Doch in diesem Jahr wird wahrscheinlich selbst diese hohe Summe übertroffen.

Steigende Zinsen gleich steigender Dollar?

Durch die US Steuerreform ist es den Unternehmungen möglich ihre im Ausland gelagerten Cash Bestände zu repatriieren. Bisher haben die US Unternehmungen Buyback Programme für mehr als 200 Milliarden USD angekündigt.

Zwischen den Jahren 2007 bis 2016 haben die S&P500 Unternehmungen mehr als 50% ihrer Gewinne auf diese Weise verwendet. In der selben Zeit stagnierten jedoch die Investitionen in neue Anlagen oder die Weiterbildung der Mitarbeiter. Doch damit nicht genug. Viele der Unternehmen haben in dieser Zeit zusätzlich einen hohen Schuldenberg aufgetürmt. Immerhin wurden einige dieser Buyback Programme über Schulden finanziert. Die Zinsen waren ja auch verschwindend gering und ein Anstieg nicht in Sicht.

Nicht nur die Schuldenanhäufung der Unternehmen für solche Programme ist bedenklich, sondern auch dass im Zeitraum zwischen 2009 und 2017 über 40% des Gewinnanstieges der S&P500 Unternehmungen auf eben solche Aktienrückkäufe zurückzuführen ist.

 

Nicht tragbare Unternehmensschulden

Schon im vergangenen Jahr warnte der IWF davor, dass mehr als 20% aller US-Unternehmungen in Zahlungsschwierigkeiten geraten werden, sollten die Zinsen steigen.

Über die vergangenen sechs Jahre stiegen die Schulden des Non-Financial Corporate Sektors Global um 15% an. Der Schuldenberg hat mittlerweile eine Höhe von 95% des Welt GDP erreicht. Ein immenser Betrag und der Schuldendienst könnte irgendwann erdrückend werden. Selbst für gut aufgestellte Unternehmungen, könnte damit ein Zinsanstieg belastend wirken. Sei es nun direkt über die Verteuerung der eigenen Schulden, oder durch den Zusammenbruch von anderen Unternehmen.

In den vergangenen Monaten wiesen vor allem der Technologie-, Energie- und Finanzdienstleistungssektor steigende Gewinne aus, während die anderen Sektoren, und besonders die in der Mehrheit nur National tätigen kleinen Unternehmungen, eine Stagnation erfahren haben.

Schon jetzt gelten ca. 12% der US Unternehmen als Zombies. Wirtschaftliche Zombies sind Unternehmungen, deren EBIT nicht ausreicht um ihren Schuldendienst ordentlich zu bedienen.

Profitieren vom steigenden LIBOR für Trader

Das ist eine sehr gefährliche Lage, deren Anerkennung durch die Marktteilnehmer nach und nach und dann abrupt im Februar diesen Jahres vonstatten ging. Diese Anerkennung der Realität wird die High Yield Anleihen weiterhin unter Druck setzen.

Die sich fortsetzende Zombifizierung der westlichen Unternehmenswelt, insbesondere der US-amerikanischen, ist der Grund überhaupt, Investmentmöglichkeiten jenseits der durch Financial Engineering verzerrten Märkte und Sektoren zu suchen. Natürlich werden wir auch darüber weiterhin berichten. Seien Sie gespannt.

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