Digitalisierung der Branchen Automobil, Banken, Investmentbanking

Digitalisierung der Branchen ist der 2. Teil der Serie „Industrie 4.0“ von den beiden Ökonomen und Querdenkern Matthias Weik und Marc Friedrich. In diesem Teil (Teil 1 hier abrufbar ->) gehen sie auf die Digitalisierung der Branchen Automobil, Banken und Investmentbanking ein. Denn im Zuge der Industrie 4.0 werden so viele Jobs wegfallen und verhältnismäßig wenige neue Jobs für absolut hochqualifizierte Fachkräfte entstehen, dass wir überhaupt gar keine andere Möglichkeit haben, als das Bedingungslose Grundeinkommen einzuführen, so die Autoren dieses Textes.

 

Digitalisierung der Branchen und Lebensstandard

Die sogenannte Industrialisierung hat uns in der westlichen Welt einen sehr hohen Lebensstandard gebracht: Wohnraum mit Strom, fließend Wasser, Heizung, ein voller Kühlschrank und unzählige sonstige technische Geräte sind für uns heute genauso selbstverständlich wie das Reisen mit dem Schiff, der Bahn, dem Auto oder dem Flugzeug und die tägliche Kommunikation mit dem Laptop und dem Smartphone. In den letzten 250 Jahren sind bei der Transformation vom Agrar- zum Industriestaat einerseits laufend Arbeitsplätze durch Maschinen vernichtet worden und andererseits neue entstanden. Kontinuierlich steigen jedoch die Anforderungen und somit auch der Grad der Qualifikation der Mitarbeiter. Viele einfache Hilfsarbeiterjobs, welche vor 50 Jahren in der Produktion Usus waren, sind heute schon verschwunden bzw. werden in Kürze verschwinden. In Fabrikhallen, in denen vor 40 Jahren noch 100 Menschen gearbeitet haben, sind es heute noch 20. Bald werden es nur noch 5 hochqualifizierte Experten sein, und in maximal 15 Jahren nur noch einer.

 

Auswirkungen auf die Automobilbranche

Bei der VW AG sollen in den kommenden Jahren global 30.000 und in Deutschland 23.000 Stellen wegfallen.  (Anmerkung der Redaktion Trading-Treff: Auto Aktien: Die Probleme werden nicht kleiner)

Andererseits sollen 9.000 Jobs in Zukunftsbereichen wie Digitalisierung und dem autonomen Fahren neu geschaffen werden. Jedoch ist davon auszugehen, dass die Obengenannten für diese Jobs zumeist nicht einmal ansatzweise qualifiziert sind. Im November 2016 appellierte VW-Personalvorstand Karlheinz Blessing an die allgemeine Lernbereitschaft: „Der Umbau in den kommenden Monaten und Jahren betrifft jeden Einzelnen. Wer einen zukunftsfesten Arbeitsplatz haben will, muss bereit sein, neue berufliche Herausforderungen anzunehmen. Nutzen Sie deshalb Qualifizierungsangebote, nutzen Sie Ihre Chancen!“ Ein gut gemeinter Rat, ob er fruchtet, sei einmal dahingestellt. Jedoch nicht nur bei VW, sondern auch bei allen anderen Automobilherstellern werden massiv Arbeitsplätze in der Produktion wegfallen. Dass das Zeitalter des Verbrennungsmotors sich dem Ende zuneigt, ist nicht mehr von der Hand zu weisen. Folglich werden zigtausende Jobs in diesem Bereich allein in Deutschland wegfallen. Was die nächste große Entwicklung in puncto Antrieb wird, ist heute noch nicht klar. Egal was kommt, ob Elektromotor, Brennstoffzelle, eine Kombination von beidem, fraglich ist, ob die Arbeiter, die in der Entwicklung und Fabrikation der Verbrennungsmotoren beschäftigt sind, auch die Richtigen für den Antrieb der Zukunft sind. Wir haben in dieser Causa nach Rücksprache mit Experten erhebliche Zweifel.

 

High-Tech-Branche ist Vorreiter der Digitalisierung

In der High-Tech-Branche ist man bereits um einiges weiter. Der taiwanesische Apple-Zulieferer Foxconn beschäftigt mehr als eine Million Menschen und baut Teile für iPhones und Galaxy-Handys. In einigen seiner chinesischen Fabriken gibt es ganze Produktionsstraßen, in denen keine Menschen mehr arbeiten. Mitte 2016 erschütterte der Konzern die Welt: In einer einzigen Fabrik wurde die Mitarbeiterzahl von 110.000 auf 50.000 verringert. Ersetzt wurden die menschlichen Arbeitskräfte durch Roboter. Jetzt hat der für Automatisierung zuständige Manager Dai Jia-Peng erklärt, dass mittelfristig in den chinesischen Werken beinahe gar keine Menschen und nur noch Maschinen arbeiten sollen. Ziel ist es, gesamte Fabriken zu automatisieren. Übrig bleiben ihm zufolge für Menschen einige Arbeitsplätze in den Bereichen Produktion und Logistik sowie in der Überwachung von Robotern.

 

Digitalisierung der Branchen - hier: Bill Gates
Schild Bill Gates in Boston

„Banking is necessary, banks are not. “
Bill Gates (1994)

 

Digitalisierung der Bankenbranche

Die Digitalisierung stellt auch das klassische Bankgeschäft vollkommen auf den Kopf. Egal ob Deutsche Bank, Commerzbank, Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken – keiner wird verschont. Filialen werden bereits heute nach und nach geschlossen, digitalisiert und Stellen massiv abgebaut. Ob Sie einen Kredit aufnehmen, Geld überweisen oder anlegen, im Netz oder in der realen Welt einkaufen gehen, für all das benötigen Sie eine Bank im klassischen Sinne schon lange nicht mehr. Das Bezahlen per PayPal ist für viele Menschen genauso selbstverständlich wie das Einkaufen im Netz. Bald werden wir das Bezahlen via Handy als genauso selbstverständlich empfinden wie bereits das Telefonieren mit Callcenter Robotern. Schon heute können sich laut einer Accenture-Studie weltweit sieben von zehn Befragten vorstellen, bei Bankgeschäften, bei der Altersvorsorge oder bei Versicherungen von Robotern beraten zu werden. Bankkunden lassen sich immer weniger beraten und vergleichen immer mehr Finanzprodukte auf Vergleichsportalen im Internet. Nicht nur die Deutschen wickeln vermehrt ihre Bankangelegenheiten online ab. Lediglich bei größeren Finanzierungen wie einem Immobilienkauf kommen die Kunden noch zur Bank. Laut einer Studie des Verbandes Bitkom nutzen 70 Prozent aller Deutschen Online-Banking – 30 Prozent ausschließlich. Der US- Bezahldienst Paypal – dem unsere Banken mit ihrer häufig veralteten Technologie verzweifelt hinterherrennen – hat die Zeichen der Zeit erkannt und ist jetzt einer der „Big Player“ im zukunftsträchtigen Online-Handel.

 

Das Investmentbanking

Auch im Investmentbanking übernehmen zunehmend die Rechner das Kommando. Selbstlernende Rechner sind nicht mehr Science Fiction sondern Realität. Der Investmentbanker der Zukunft ist kein klassischer MBAler mehr, sondern ein PC-affiner Mathematiker oder Physiker. Der Hedgefonds Bridgewater Associates arbeitet bereits an einem Projekt, um Entscheidungsprozesse zu automatisieren und menschliche Emotionalität auszumerzen. In Japan haben die Hedgefonds-Roboter, des Nomuras Simplex Equity Futures Strategy Funds, den Menschen in punkto erfolgreicher Anlage bereits geschlagen. Dies ist einer der ersten Fonds in Japan, der sich der Technologien aus dem Bereich der künstlichen Intelligenz bedient.

Digitalisierung der Branchen Automobil, Banken und Investmentbanking ist jedoch noch nicht alles. Im 3. Teil der Serie werden wir uns daher den Auswirkungen der Industrie 4.0 auf unser tägliches Leben wie dem Smartphone nähern. Seien Sie gespannt und verfolgen Sie weitere Beiträge von uns HIER!

 

Friedrich & Weik

Matthias Weik und Marc Friedrich sind Initiatoren von Deutschlands erstem offenem Sachwertfonds. Die beiden Ökonomen, Querdenker, Redner und Honorarberater schrieben 2012 gemeinsam den Bestseller “Der größte Raubzug der Geschichte – warum die Fleißigen immer ärmer und die Reichen immer reicher werden“. Es war das erfolgreichste Wirtschaftsbuch 2013. Und weitere Werke folgten...

    4 Gedanken zu „Digitalisierung der Branchen Automobil, Banken, Investmentbanking

    • 27/06/2017 um 1:30 pm
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      Ich vertraue da auch lieber dem menschlichen Verwalter. Bestimmte Faktoren können von einer Maschine nicht berechnet werden, also braucht es selbst bei der besten Maschine immer wieder „menschliche Entscheidungen“, um die Daten entsprechend zu bewerten.

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    • 19/04/2017 um 5:17 pm
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      Absolut richtig!

      „Der Wettbewerb zwischen den automatisierten Anlegern wird sich quasi selbst sabotieren, sollte es tatsächlich dazu kommen, dass nur noch Algos anlegen.“

      Gerade diese ganze Orgie von Passiv investieren und nur noch Algos arbeiten lassen kann man nutzen. Alpha kommt zurück, so viel steht für mich fest.

      Antwort
    • 19/04/2017 um 4:50 pm
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      Sehr gut geschrieben, danke. In Sachen automatisierter Vermögensverwaltung bin ich dennoch geteilter Meinung. Nicht weil ich denke, ein menschlicher Verwalter kann es besser, sondern weil der Kapitalmarkt eben keine Produktionshalle ist. Zudem ist er reflexiv. Der Wettbewerb zwischen den automatisierten Anlegern wird sich quasi selbst sabotieren, sollte es tatsächlich dazu kommen, dass nur noch Algos anlegen.

      Das haben wir ja bereits im HFT gesehen, wo nur noch einige wenige überleben können. Das bedeutet zwar nicht, dass der Großteil des Handels nicht über Algos ablaufe wird, aber die Big Player werden dann eben nur wenige sein. Die größten und besten werden sich die größten Kuchenstücke in der automatisierten Vermögensverwaltung einverleiben und der Rest des Kapitals wird weiterhin von menschlichen Managern verwaltet werden. Anders kann ich mir das im Moment einfach nicht vorstellen. Auch wenn FinTechs wie Pilze aus dem Boden schießen, sollte man den Unterschied zwischen Vereinfachung von Prozessen und Automatisierung, besonders in der Vermögensverwaltung, nicht verkennen.

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