Die übersehenen Probleme der Golfstaaten

Die übersehenen Probleme der Golfstaaten
Die übersehenen Probleme der Golfstaaten
 

Die Golfstaaten genossen dank des hohen Ölpreises ein starkes Wirtschaftswachstum, welches jedoch mit dem Absinken des Preises für das schwarze Gold im Jahr 2014 zum Erliegen kam. Doch auch hausgemachte Krisen und Fehltritte spielen hier eine Rolle. 

Durch die einst hohen Preise für Öl und Gas konnten die sechs Mitglieder des Gulf Corporation Council (GCC) große staatliche Infrastrukturprojekte verwirklichen, die das Wirtschaftswachstum zusätzlich befeuerten. Diese Zeit endete und das Wirtschaftswachstum der United Arab Emirates verschlechterte sich von +3,8% im Jahr 2015 auf nur noch +0,8% in 2017. Andere Länder wie Kuweit und Saudi Arabien erfuhren sogar einen wesentlich stärkeren Abschwung. Während die Ökonomie von Saudi Arabien 2017 um -0,7% sank, schrumpfte die Wirtschaft in Kuweit um sogar -2,9%.

 

Die Probleme der Golfstaaten

Parallel zu dem wirtschaftlichen Abschwung und dem damit verbundenen Schrumpfen der Staatseinnahmen wurde sich der Versuchung ergeben, außenpolitische Abenteuer zu begehen. Eine Taktik, die gerne zur Ablenkung von inneren Probleme dient.

Dazu zählt der Krieg im Jemen, in den Saudi Arabien in Zusammenarbeit mit dem GCC am 26. März 2015 eingetreten ist. Eine Entscheidung die mittlerweile bestimmt bereut wird. Die zu Anfangs gemachten Annahmen, dass sich die Intervention schnell durchführen lässt und die Rebellen ihr nicht standhalten können, erwies sich recht schnell als falsch. Damit steigt der Preis, welcher bestimmt um ein vielfaches über der vorherigen Kalkulation liegt. Ein Punkt, der die Herrscher der Golfstaaten sicherlich nachdenklich stimmen muss im Angesicht ihrer Haushaltsprobleme.

Neben dem Kriegsschauplatz im Yemen, ist da auch noch die 2017 gestartete Qatar Krise, die die Mitgliedsstaaten des GCC und deren Wirtschaft belastet.

Zusammenfassend kann man sagen, dass folgende Probleme die Golfstaaten belasten:

  1. Hohe Abhängigkeit von den Preisen für Fossile Rohstoffe.
  2. Eine Schrumpfende Wirtschaft und den damit einhergehenden Verfall der Immobilienpreise.
  3. Außenpolitische Abenteuer, ohne Aussicht auf Erfolg.

Punkte, die in den Schuldenständen ihren Widerhall finden. 

 

Wachsende Schuldenstände

In Folge dieser Probleme, wuchsen die Schuldenstände der Golfstaaten seit 2014 beständig an. Die größten Probleme haben der Oman, dessen Verschuldung von 5% im Jahr 2014 auf über 40% Ende 2017 angestiegen ist und Bahrain, deren Schuldenstand mittlerweile bei fast 100% des GDP liegt. Doch auch Saudi Arabiens Verschuldung stieg seit 2014 von 1,56% auf mittlerweile fast 20% an. Ein Umstand, der sicherlich dazu beigetragen hat, den IPO von Aramco zu planen, denn MbS hat große Pläne, die finanziert werden wollen.

Es soll nichts weniger als der Umbau der Saudi Arabischen Wirtschaft erfolgen. Weg von den Fossilen, hin zu den Erneuerbaren. Daneben ist noch die Utopie der Megacity NEOM geplant, welche ebenfalls enorme Investitionen verlangt.

 

 

Da wäre der Aramco IPO wirklich hilfreich gewesen, doch wurde er erst letztens abgeblasen, weil anscheinend keine Einigung über die Fragen der Transparenz und des Unternehmenswertes erzielt werden konnten. Es ist definitiv ein Rückschlag für das Land und insbesondere für Mohammed bin Salman.

Insgesamt müssen sich die Mitglieder des GCC noch keine Sorgen über ihre wachsenden Schuldenstände machen, denn ihre Reserven haben noch eine beträchtliche Größe.

Dennoch muss gehandelt werden, denn das Image der Länder wie Dubai oder Katar ist angekratzt.

 

Angekratztes Image

Ihr Versprechen war es, weltweit Geschäfte machen zu können, ohne politische Sperenzchen erdulden zu müssen. Auch die einseitige Ausrichtung der Wirtschaft ist problematisch und es wird spannend zu sehen sein, ob sie eine Transformation der Wirtschaft einleiten können. Ein Weg, der wohl nicht begangen wird, ist der von Dubai, welches zurzeit in der Tourismus Branche ein Race to the Bottom erlebt. Die Preise fallen und der Billig-Tourismus hält Einzug. Eine Strategie, die schon in anderen Ländern misslang und erhebliche Folgeschäden mit sich brachte.

Zusätzlich schwebt über den Ländern am Persischen Golf die Gefahr eines Krieges zwischen den Anrainerstaaten. Ein Krieg, der zur Zeit verdeckt im Jemen geführt wird, der sich jedoch jederzeit ausbreiten kann. Die Bevölkerungen der Staaten sind nicht so homogen, wie wir es schnell annehmen wollen. Ein Umstand, der für die Golfstaaten einen erheblichen innenpolitischen Sprengsatz birgt.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die Länder am Persischen Golf keine Investition wert sind, denn ihr Schicksal ist höchst ungewiss.

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