Die Neue Mitte – Drehscheibe des Handels

Die Neue Mitte - Drehscheibe des Handels
Die Neue Mitte - Drehscheibe des Handels
 

Die Neue Mitte wurde in den letzten Beiträgen über die Seidenstraße und den damit assoziierten Projekten immer wieder erwähnt. Diese Neue Mitte wurde bisher nur kurz umrissen, ohne sie genauer zu definieren. Das soll hier nun geschehen, denn die genaue Einordung kann den Blick auf die Welt von morgen schärfen.

Die Antizipation der künftigen Routen, über die die Güterströme geleitet werden, ist für den Investor nicht uninteressant, da hier große Chancen warten, wie es schon die Vergangenheit immer wieder aufgezeigt hat.

 

Die Alte Mitte

Die Alte Mitte war geprägt von der alten Seidenstraße. Diese alte Handelsverbindung erreichte ihre größte Bedeutung im Zeitraum zwischen dem 1. Jahrhundert v. Chr. und dem 13. Jahrhundert. In dieser Zeit erstreckten sich an der Seidenstraße prosperierende Städte, die durch den Handel einen enormen Wohlstand anhäufen konnten.

Die damalige Hauptroute verlief von Hangzhou im Osten Chinas über Kaschgar nach Usbekistan hinein. Von dort an ging es weiter über Turkmenistan und dem Iran hinein in das Zweistromland Irak.  Im Anschluss ging es dann über Syrien Richtung Byzanz oder Agypten und Schlussendlich nach Europa.

Die Alte Mitte wurde durch die Länder Usbekistan, Turkmenistan, Iran und Irak gebildet. Sie waren unumgängliche Logistikdrehscheiben im damaligen Handelsgefüge.

Hauptroute der historischen Seidenstraße
Hauptroute der historischen Seidenstraße – Quelle: wikipedia Bild:Seidenstrasse GMT.jpg von Benutzer:Captain Blood * Zuschnitt: Benutzer:Alexander.stohr * Lizenz: GNU-FDL

Diese Stellung verloren die Länder mit dem zunehmenden Seehandel, der mit der Zeit, aufgrund von hohen Zöllen und kriegerischen Auseinandersetzungen entlang der Seidenstraße, an Attraktivität gewonnen hatte.

Die Entwicklung ging erst langsam von statten und am Anfang dominierten noch Chinesische und Arabische Seefahrer die Routen. Doch das änderte sich mit dem Technologischen Fortschritt und der Entdeckung des Seeweges nach China durch die Portugiesen.

Der Seeweg wurde im 15ten Jahrhundert entdeckt und besiegelte das Schicksal der Alten Seidenstraße, wie auch der Alten Mitte.

Zuerst dominierten die Europäer den Handel durch ihre Vormachtstellung auf dem Meer und konnten so ihre Macht und damit ihren Reichtum ausweiten. Ihnen folgten dann die USA, die diese begehrte Stellung noch immer inne haben.

Diese Ära neigt sich langsam dem Ende entgegen, da von vielen Seiten her engagiert daran gearbeitet wird die alten Landverbindungen zwischen China und Europa wiederzubeleben.

 

Die Neuen Routen

Im Jahr 2013 wurde die One Belt One Road Initative der Welt vorgestellt. Eine Präsentation die vielleicht damals großspurig klang und das vielleicht auch heute noch tut. Egal, sie macht Fortschritte, denn den Ankündigungen folgten Taten. Doch es war nicht die erste Initiative mit der eine Wiederbelebung der alten Handelsrouten unternommen wird.

International North South Transportation Corridor

Schon im Mai 2002 wurde von Russland, Iran und Indien das International North South Transportation Corridor Projekt angeschoben. Dieses Projekt machte im Gegensatz zu dem OBOR jedoch wesentlich kleinere Schritte, doch sind die meisten Verbindungen mittlerweile operabel. Der Initiative haben sich bisher weitere 10 Staaten angeschlossen, sodass sie inzwischen 13 Mitglieder umfasst.

Mitglieder der INSTC:

Russland, Iran, Indien, Türkei, Aserbaidschan, Kasachstan, Armenien, Weißrussland, Tadschikistan, Kirgisistan, Oman, Ukraine und Bulgarien

Iran Sanktionen – Ein unmögliches Unterfangen

Eurasische Wirtschaftsunion

Daneben existiert ein weiterer wichtiger Zusammenschluss, die Eurasische Wirtschaftsunion, die im Jahr 2015 gegründet worden ist. Sie ist die Nachfolgeorganisation der Eurasischen Wirtschaftsgemeinschaft, die schon im Jahr 2000 das Licht der Welt erblickt hatte. Der Zusammenschluss ist für die Mitglieder vornehmlich wirtschaftlicher Natur und soll den Austausch von Waren, Kapital, Dienstleistungen und Arbeit erleichtern. Die EAWU hat gewisse Züge der EU, doch ist sie weniger Zentralistisch angelegt.

Ihre Mitglieder sind:

Armenien, Kasachstan, Kirgisistan, Russland und Weißrussland

Doch das alle Staaten der Region verbindende Element ist die SCO.

Shanghai Corporation Organisation

Die Shanghai Corporation Organisation ist die bedeutendste Supranationale Organisation der Eurasischen Landmasse. In ihr sind ca.  50% der Weltbevölkerung vereint und sie dient nicht nur der Beilegung von Grenzstreitigkeiten, sondern auch der Koordinierung der Außen- und Wirtschaftspolitik. Zusätzlich wird der Kulturelle Austausch und weitere Zivilgesellschaftliche Interaktionen gefördert.

Mitglieder der SCO:

China, Kasachstan, Kirgisistan, Russland, Tadschikistan, Usbekistan, Indien und Pakistan

Beobachter der SCO:

Mongolei, Iran, Afghanistan, Weißrussland

Dialogpartner der SCO:

Armenien, Aserbaidschan, Kambodscha, Nepal, Sri Lanka und Türkei

Aufgrund der Möglichkeit zur Koordinierung der wirtschaftlichen Entwicklung ist die SCO ein Eckpfeiler für das OBOR Projekt.

One Belt One Road

OBOR umfasst nicht nur die Nachbarschaft von China, sondern einen Großteil der Welt. Es ist weitaus mehr als nur die Einrichtung neuer Handelsrouten, sondern wird auch den Zivilgesellschaftlichen Austausch zwischen den Völkern beflügeln.

Doch Grundsätzlich ist es ein Projekt, dass die Maritime Vormachtstellung des Westens ins Leere laufen lassen soll. Während 2014 zwischen Chongqing und Duisburg nur 25000 Standardcontainer transportiert wurden, stieg diese Zahl im Jahr 2016 auf 145000 Standardcontainer an. Ein Wachstum von 480% in nur zwei Jahren. Der Gütertransport auf der Schiene machte im Jahr 2016 schon 1% des gesamten Handels zwischen Europa und Asien, vornehmlich China, aus.

Mittlerweile dauert der Transport auf der Strecke Duisburg nach Chongqing nur noch 12 Tage. Im Gegensatz dazu dauert es auf dem Seeweg um die 40 Tage. Hier ist nicht unbedingt die Kostenseite für China entscheidend, sondern die Zeit und die gebotene Sicherheit.

Über die Landroute können die Engpässe wie die Straße von Malakka und der Suezkanal umgangen werden, womit die Versorgungssicherheit von China erhöht wird.

Handelskorridore:

China-Mongolei-Russland Korridor (China, Mongolei, Russland)

Neue Eurasische Landbrücke (China, Kasachstan, Russland, Weißrussland, Europa)

China Zentral Asien West Asien Korridor (China, Kirgisistan, Usbekistan, Turkmenistan, Iran, Türkei)

China Pakistan Korridor (China, Pakistan)

Natürlich werden die Landkorridore den Seehandel nicht gänzlich ablösen, dass ist nicht möglich und soll auch nicht geschehen. Jedoch wird ein nicht unwesentlicher Teil des Güterverkehrs in den nächsten Jahrzehnten auf diese neuen Routen umgeleitet werden.

Die Neue Mitte

Die Neue Mitte definiert sich durch ihre besondere Stellung innerhalb der neuen Handelsrouten. Sie sind in der Regel weitaus mehr als reine Logistikdrehscheiben bzw. Transitländer, da sie auch über enorme Rohstoffvorkommen verfügen. Daneben haben sie, wie zum Beispiel Kasachstan, einen starken Industriesektor.

Eine besondere Bedeutung innerhalb der neuen Routen kommt den folgenden Ländern zu:

Russland (Rohstoffe, Technik, Agrar und Transit), Kasachstan (Rohstoffe, Industrie, Agrar und Transit), Kirgisistan (Rostoffe und Transit), Weißrussland (Transit, Tor Richtung Europa), Iran (Energie und Anbindung Indiens, Transit) und Türkei (Transit, Tor Richtung Europa)

Die wichtigsten Länder der Neuen Mitte sind Russland, Kasachstan und der Iran. Daneben spielen natürlich der Kaukasus die übrigen Stans und die Tore Richtung Europa eine wichtige Rolle, doch sind sie für den Investor an sich weniger interessant, wenn man einmal von der Türkei absieht.

Investieren an der Seidenstraße

Somit bilden die drei Staaten Russland, Kasachstan und Iran die Schwergewichte, die entlang der OBOR am besten positioniert sind. Das gilt nicht nur aus geographischer und wirtschaftlicher Perspektive, sondern auch aus der politischen heraus, da sie an den wichtigsten Supranationalen Organisationen beteiligt sind.

Es ist recht wahrscheinlich, dass sich die positiven Perspektiven, die sich daraus ergeben, auch in der Wirtschaft entfalten werden. Dadurch kann es in den nächsten Jahrzehnten zu einem starken Wirtschaftswachstum der Neuen Mitte kommen, von der man als Investor profitieren kann.

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