Warum der DAX sich demnächst halbieren wird – Teil 2

 

Im ersten Teil, warum der DAX zu teuer ist ging ich bereits auf die „Ist Situtation“ ein. Nun folgt der Ausblick der meine Kernthese stützt: Der DAX könnte sich halbieren!

Der DAX ist zu teuer

 

Wenn wir bei dem Thema „Zukunft“ sind, stellt sich doch die Frage, ob es für die Börsianer auch Anhaltspunkte gibt, ein düsteres Bild zu malen? Und ja, so verrückt es klingt: Die Inflation wird langsam zu einem Problem für die Märkte!

DAX könnte sich halbieren: Verbraucherpreisindex 2016
Verbraucherpreisindex 2016

Hier können sie die Inflation im Blick behalten.

Immerhin war es in den vergangenen Jahrzehnten noch völlig normal, dass die Inflationsrate und die Zinsen in Korrelation standen. Kein Anleger bei Verstand leiht einer Institution über 10 Jahre Geld für unter einem Prozent, wenn die Inflationsrate bei über zwei Prozent steht, es sei denn, er erwartet einen heftigen deflationären Schock, den dieser spezielle Emittent überstehen würde. Sollte es zu diesem Schock kommen, sind steigende Aktienkurse sehr unwahrscheinlich und der Investor tat gut daran, sein Geld für unter einem Prozent zu verleihen. Auf der anderen Seite wäre es allerdings ebenfalls denkbar, dass die Renditen wieder mit der Inflationsrate korrelieren. Aktuell hält nur die rege Nachfrage der Europäischen Zentralbank diese Korrelation auf. Sollte diese nicht mehr dauerhaft intervenieren, wären „sichere“ Renditen von über 2 % im 10 jährigen Bereich mehr als nur wahrscheinlich.

 

Auswirkungen eines Renditeanstiegs

 

Im Zuge dessen würden sich die Verbindlichkeiten der Konzerne deutlich verteuern. Natürlich würde auch das nicht über Nacht geschehen, aber auch hier gilt: An der Börse wird die erwartete Zukunft gehandelt.

Sicherlich würde es auch Profiteure auf der Passivseite der Bilanz geben. So würden Pensionsverpflichtungen auf die Dauer entlastet werden. Allerdings bleiben wir bei der „Milchmädchenbetrachtung“, denn hier geht es nur um das Prinzip an sich. Ein Renditeanstieg von nur einem Prozent würde so zu einer kalkulativen zukünftigen Belastung von mehr als 10 Milliarden Euro führen. Je nach Schuldenstand für 2017 wären auch deutlich höhere Werte möglich. Wie wir es drehen und wenden, der DAX ist zu teuer, jedenfalls wenn die Inflation weiter steigt. Im Jahr 2016 war der Jahresüberschuss der DAX Konzerne ex Finanz bei circa 65 Milliarden. Man könnte also durchaus eine deutliche Verschlechterung der Finanzlage erwarten. Diese würde sich zusätzlich auf die Spreads zwischen Staatsanleihe und Coporate Bonds auswirken.

 

Der DAX könnte sich halbieren da er auch relativ zu teuer ist

 

Doch auch das ist nur die eine Seite der Medaille. Die zweite Seite wurde hier auf Trading-Treff bereits thematisiert. Der Anstieg des Zinsniveaus würde auch die relative Attraktivität der Anlageklassen Immobilien und Aktie verschlechtern. So kann man also bei einem Anstieg des Renditeniveaus um mehr als 2 Prozent auf der einen Seite mit deutlich schwächeren Ergebnissen rechen. Auf der anderen Seite werden dann auch relative Einbußen stattfinden. Eine „sichere Anleihe“ ist mit 2-3 Prozent deutlich attraktiver für risikoscheue Anleger, als eine Aktie mit einer Dividendenrendite von 3 Prozent.

All diese Gedanken zeigen eines deutlich auf: Die aktuelle Stärke der Märkte ist vor allem dem „künstlichen Zinsniveau“ geschuldet. Dieses Zinsniveau ist aktuell bereits deutlich verzerrt. Jeder weitere Anstieg der Inflation würde diese Verzerrung verstärken. Im Gegensatz zu der sonst so einhelligen Meinung, wird der Aktienmarkt in der aktuellen Situation von „mehr Inflation“ sehr wahrscheinlich nicht profitieren können. In meinen Augen wird er eher deutlich verlieren. Einzig eine langsame Rückkehr der Inflation in Richtung Nulllinie kann den DAX noch retten, so verrückt das auch klingen mag. Ansonsten sehe ich Abgaben von 30-50% als sehr wahrscheinlich an

 

Fazit – Die Inflation könnte zu einem Problem werden

 

Da Zinsen aber gewöhnlich nicht über Nacht um zwei Prozent steigen und die EZB aktuell noch alles tut, um die Märkte zu beruhigen, ist eine direkte Angst unangebracht. Trotzdem kann ein Blick auf die langlaufenden Bundesanleihen ab und an nicht schaden. Wir möchten Sie mit dem Text nicht verunsichern, aber den Blick auf ein paar Fakten lenken, die durchaus schon bald kritisch beleuchtet werden könnten. Und dann haben Sie bereits auf Trading-Treff davon gelesen und können direkt in die Argumentationskette einsteigen.

Die oben genannten Punkte klingen sicherlich ungewöhnlich, denn die Lehrbücher erzählen uns andere Dinge über Inflation und Aktien. Doch die Lehrbücher beschreiben auch keine Phase mit einem unangemessenen Zinsniveau im negativen Bereich. Daher fehlt wohl uns allen aktuell auch die Intuition um kluge Entscheidungen aus dem Bauch heraus zu treffen. Auf diesen Punkt gehe ich in meiner nächsten Analyse ein. Bis dahin wünsche ich gute Trades,

deepinsidehps

Teil 1 ist hier zu finden.

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15 Kommentare

  1. „Essen/FrankfurtDie Autohersteller haben sich die hohen Zulassungszahlen im Januar einer Studie zufolge mit hohen Rabatten erkauft. Neben den offen beworbenen Sonderaktionen und Internetrabatten griffen Händler und Hersteller auch wieder verstärkt zum Mittel der Eigenzulassungen, wie das Forschungszentrum CAR der Universität Duisburg-Essen am Montag berichtete. 30,2 Prozent aller rund 241.000 Neuzulassungen gingen auf ihr Konto.“

    http://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/opel-seat-renault-dacia-autohersteller-erkaufen-sich-zulassungen-mit-rabatt/19384432.html

    Das neue „Normal“.

    • Moin,
      das ist mir alles bekannt…insbesondere der US Markt sehe ich kritisch…deshalb stimme ich deiner vorsichtigen Sicht auf die Autowerte grundsätzlich zu…sehe es aber nur anscheinend noch nicht ganz soooo kritisch wie ihr…VW sehe ich zudem aufgrund der vielen Baustellen deutlich kritischer als BMW/Daimler…Grund für einen Kurseinbruch, sehe ich aber eben eher bei einem Absatzeinbruch und nicht bei steigenden Zinsen…zumindest dann nicht, wenn 10jährige Bunds Renditen „nur“ auf 2% stiegen…und wenn es realwirtschaftliche Probleme gibt, werden die Zinsen eher nicht auf 2% steigen…so meine Denke…keine realwirtschaftlichen Einbrüche und dadurch Zinsanstieg bei den Bunds auf spürbar über 2,5%, dann sehe ich zinsinduzierte Rückschläge am Aktienmarkt (Gesamtmarkt), aber keine minus 50%… es sei denn Bunds bei 4%-5%…
      letzte Frage zum Thema: Warum siehst du bei Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen anscheinend grundsätzlich eine Verzinsungspflicht ?

      • Verbindlichkeiten (Pesionen würde ich da rausnehmen) sind für mich immer mit Zins zu belegen. Sei es ein kalkulatorischer. 22 MRD aus Lieferungen und Leistung sind 22 MRD die bezahlt werden müssen und die aktuell auf anderen Schultern liegen. Auch wenn die Unternehmen seit einigen Jahren zu Nettosparen geworden sind, so sind sie trotzdem unter dem Strich noch riesige Schuldner. Wenn ich bei VW die 22 MRD ansetze, dann sind es eigentlich nicht (bis zur Bezahlung) die VW Aufwendungen für Zinsen, aber von anderen Unternehmen die es aktuell „Zwischenfinanzieren“. Wenn man natürlich nur in ein Unternehmen schaut, dann hättest du recht und man müsste es ausklammern. Da ich aber beim Grundgedanken eher global unterwegs war (daher der DAX als Sinnbild für die börsennotierten Unternehmen) ist es mir egal ob VW aktuell die 22 MRD finanziert oder 5 Zulieferer. Die Schuld ist da und wird verzinst.

        Weißt wa ich meine?

        • ja…
          und: die Zulieferer werden im nächsten Abschwung imho die noch größeren Probleme bekommen (im Vergleich zu den eigentlichen Herstellern)
          nun Ende mit dem Fundamentalgedöns 😉

  2. Sie werden ihre Autos schon jetzt nicht mehr los. Kennst du die Zahlen zu den Werksanmeldungen? 3 % Anstieg in den Renditen für Verbindlichkeiten bei VW sind schwer zu tragen. Da bin ich mir recht sicher. Die Finanzverbindlichkeiten sind ja nicht die einzigen Verbindlichkeiten. Verbindlichkeiten aus Lieferungen müssen ebenso verzinst angenommen werden. Der einzige größere Block den man rausrechnen kann sind die Pensionsverpflichtungen in meinen Augen. Die Rückstellungen werden (sagte ich damals schon) am Ende tragend werden. Also im Prinzip sind das echte Probleme. Ein Zinsanstieg von über 2 % in den Bunds wird heikel.

  3. Moin,
    1) ich denke nicht, dass 2% für 10jährige Bunds der Auslöser für Halbierung im DAX wären
    2) Halbierung fände imho eher statt, wenn es zu starken geopolitischen Spannungen und/oder Rezession käme (dann würden aber die Zinsen fallen)
    3) „nur“ Zinsanstieg auf 2% reicht für 50% Kurseinbruch imho nicht aus; DAX KGV auf Basis 2016 Gewinne beträgt rd. 15,6, entspricht somit einer Aktienrendite von 6,4%. Dies wäre im Vergleich zu 2% 10jährige Bund noch ein vernünftiger Aufschlag. Deutlich über 2% hinaus wird es dann natürlich schwieriger mit stabilen/steigenden DAX. Sollten sich aber Gewinnschätzungen für 2018 von inzwischen knapp 950 Indexpunkten als nicht komplett unrealistisch erweisen, sind auch 14000 alles andere als unrealistisch.
    4) natürlich ist mir klar, dass in den DAX Bilanzen so einiges schlummert (Pensionsrückstellungen, Goodwill), was sich im nächsten Abschwung zusätzlich negativ auswirkt (dann aber eben eher kein Zinsanstieg auf 2%).
    5) DAX Buchwert wird in 2017 rd. 7600 erreichen, bei Rezession 10% Rückgang wahrscheinlich ( somit dann rd. 6800) ; dann kämen die 50% Minus von 128000 aus in Reichweite, da Buchwert dann stützen dürfte
    6) imho sind in 2017/2018 2% 10jährige Bund nur realistisch, wenn sich die gesamtwirtschaftlich Lage nicht eintrübt. Dies sollte wiederum dazu führen, dass die Unternehmensgewinne weiter (leicht) zulegen und den DAX stützen
    7) 20% DAX Einbruch kann jederzeit durch politische Entwicklungen (Impeachment ? ) ausgelöst werden, aber dann dürften die Zinsen eher fallen
    8) zum Glück braucht man für das Daytrading das fundamentale Gedöns nicht 🙂 🙂

    • Ja, die 2 % sind die Hürde ab der es eng wird. Die Inflation bei 2 % würde allerdings eher Renditen um 3 % „rechtfertigen“ und dann wird es gaaaaaaaaanz eng mit dem DAX. Und ja, Goodwill ist DAS Stichwort, denn der Gewinn im DAX ist nichts wert, wenn er über Nacht verschwinden könnte. Beispiel Deutsche Post. Da war des gesamte EK (ist schon etwas her als ich es las) so hoch wie Goodwill…Da nutzt das beste KGV nichts…

      Ich bleibe dabei: Ab Zinsen > 2% sind wir im DAX unter 10.000. Der Rest wird sich zeigen. Ob es auch Politische Geschichten werden die ihn belasten: Mag sein, aber ich habe nur die Gewinne betrachtet und die Bilanzgefahren. Die Gewinne wären bei Zinsen > 2% deutlich belastet, vor allem weil die aktuelle Inflation nicht aus den Löhnen stammt…

      Danke für dein Feedback! Jemand der mitdenkt ist immer Willkommen.

      • Gerne 🙂
        bzgl. Auswirkungen auf Unternehmensgewinne durch steigende Zinsen, wäre zu prüfen, wie hoch aktuell die Finanzverbindlichkeiten im Durchschnitt verzinst werden …da liegen mir keine Zahlen vor…habe mir deshalb eben mal kurz den Bayer Geschäftsbericht angesehen…
        Finanzverbindlichkeiten 2016(2015): 19.581 Mio( 19.934), Zinsen und ähnliche Aufwendungen 2016(2015) 684Mio (752), macht Durchschnittszins 2016 3,49% (3,77%) . .. selbst wenn der Zins um 1% im DURCHSCHNITT für Bayer steigt, sind das rd. 200 Mio…das hätte gerade mal des EBT von Bayer um 3,4% im Jahr 2016 reduziert…zudem bin ich mir nicht sicher, ob bei 10jährigen Bunds bei 2%, sich der Durchschnittszins bei Bayer überhaupt schon von den 2016er 3,49% erhöhen würde…
        klar, ist nur eine Beispiel AG, aber zumindest hier wären die Auswirkungen für das EBT sehr überschaubar…mag bei anderen AG’s anders sein…

        • Nicht ganz ohne Grund reite ich auf den Autos rum. Da darfst du das selbe ansehen mit dann anderen Ergebnissen. Die Autos sind das Hauptproblem im DAX und ihre volkswirtschaftliche Bedeutung zieht den Rest mit. Man kann nur nicht alle Gedanken in einen Artikel legen, dann wird es ein Buch… 😉

          • Bei deinem „Liebling“ VW sehe ich rd. 155 Mrd. Finanzverbindlichkeiten, macht 1,5 Mrd. mehr Zinsaufwendungen bei 1% höheren Durchschnittszinsen…das wären auch nur rd. 10% vom geschätzten EBT für 2017… VW als Zykliker hat auf die erwarteten hohen Gewinne 2017 auch ein einstelliges KGV und weist unabhängig von der Zinsentwicklung sehr hohe Ergebnisschwankungen auf…aber klar hätten bei VW steigende Zinsen stärkere Auswirkungen… insbesondere wenn dann auch noch die Nachfrage einbräche… Absatzeinbruch hätte aber bei VW deutlich negativere Auswirkungen als 1% steigende Zinsen….
            entsprechend sehe ich selbst bei VW einen gemäßigten Zinsanstieg (+1 bis 1,5% mehr) nicht als DEN Grund, dass der Kurs 50% einbricht…da haben die andere Baustellen… dass es für „alte“ europäische Autohersteller die nächsten Jahre nicht leicht wird, kann ich mir gut vorstellen, aber so schwarz (wie Du und ORBP) sehe ich für BMW, Daimler und VW noch nicht…

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