Crash der Lebensversicherungen?

Crash der Lebensversicherungen
Crash der Lebensversicherungen
 

Seit gestern ist die Versicherungsbranche wieder in aller Munde. Insbesondere die Lebensversicherung, des Deutschen Liebling, ist in die Kritik geraten. Gestern Abend wurde bei Hart aber Fair die Frage diskutiert, ob die Lebensversicherer vor einem Crash stehen.

 

Daneben kam es natürlich auch zu Diskussionen über den Sinn oder Unsinn der beliebten Anlage- bzw. Vorsorgeform. Dabei kamen die üblichen Kritikpunkte zum Vorschein, wie zu rosige Versprechungen im Beratungs-, äh Verkaufsgespräch oder die mangelnde Transparenz der Produkte.

Doch zurück zu der Crash Diskussion bei den Lebensversicherern. Ist da etwas an der Vermutung dran, dass die Branche dem Untergang geweiht ist?

 

Die Lebensversicherer, eine Blackbox?

Es ist allgemein bekannt, dass die Branche unter den weltweit herrschenden niedrig Zinsen leidet. Altverträge sind mit einem hohen Garantiezins ausgestattet, während die Erwirtschaftung von Rendite immer schwieriger wird. Erst vor kurzem hatte ich über dieses Problem berichtet. In dem Artikel „Schreckgespenst Alternative Anlagen“ schrieb ich folgendes:

Gestern konnte ich im Handelsblatt etwas lesen das mich überhaupt zu der Recherche bewogen hat. Einer der Marktführer im Bereich der Lebensversicherungen kann seine Verzinsung bei 3,7% halten. Das wird damit erklärt, dass sie sich eines gewissen Freiheitsgrades erfreuen können im Bereich der Kapitalanlage. Sie können weltweit Anlegen, direkte Investments tätigen und auch Alternative Anlageklassen nutzen. Letzteres wird auch verstärkt genutzt. Die relativ sicheren Anlagen wie Pfandbriefe und Staatsanleihen machen nur noch 50% der Kapitalanlagen aus. Der Aktienanteil mit 9% ist meiner Meinung nach angebracht, doch der Casus Cnaccus liegt bei dem 4% Anteil Alternative Anlagen.

Da holt sich der Konzern ein Konkaves Renditeprofil, mit Absicht? Nein! Sie sind auf der verzweifelten Suche nach Rendite und die Produkte die Ihnen dazu verkauft werden, scheinen die Lösung zu sein. Mit dem Blick auf die Entwicklung der letzten 10 Jahre sind sie es auch, doch das in der Zeit gezeigte Rendite Risiko Verhältnis täuscht über das Konkave Verhalten des Portfolios hinweg. Das Asymmetrische Risiko wird sich nicht Symmetrisch absichern lassen! 

Für mich handelt es sich bei Versicherungsunternehmen wie auch anderen Vorsorgeeinrichtungen um eine Art Blackbox. Man weiß nie so genau was man bekommt. Zusätzlich ist es eine Wette darauf, dass die entsprechende Unternehmung auch noch in einigen Jahrzehnten existieren.

 

Veränderungen in der Versicherungsbranche: Solvency II lässt schön grüßen

Die Branche ist mittlerweile dazu übergegangen, Lebensversicherungsverträge an sogenannte Run Off Gesellschaften zu verkaufen. Im Jahr 2016  führte die Unternehmensberatung Willis Towers Watson im Auftrag der FWU AG eine Befragung unter 50 Versicherungsgesellschaften durch. Dabei kamen interessante Ergebnisse heraus.

Ein großer Teil der Befragten Manager sahen im Run Off eine Perspektive und lehnte sie nicht kategorisch ab.

„Nach unserer Erfahrung suchen Versicherer zunehmend nach Partnern, mit denen sie die Abwicklung von geschlossenen Beständen aktiv gestalten können.“

Zitat: FWU-Vorstandsmitglied Thomas Doyle.

Nur ein Drittel der befragten schlossen den Run Off für ihre Unternehmung aus. Die Produktlinien, die besonders für einen Run Off im Gespräch sind, sind folgende:

  • Kapital- und Rentenversicherungen (47%)
  • fondsgebundene Lösungen (40%)
  • Produkte mit staatlicher Förderung (25%)

Als Grund für diese Offenheit gegenüber Run Offs sagte Michael Klüttgens, Leiter der Versicherungsberatung bei Willis Towers Watson Deutschland folgendes:

„Dieser Trend zeigt deutlich, wie Solvency II, die Zinszusatzreserve und zu geringe Neugeschäftsvolumina die Unternehmen unter Druck setzen. Eine Verbesserung von Kapitalposition und Profitabilität sind die Gründe dafür, dass eine Abwicklung von Teilbeständen immer häufiger in Betracht gezogen wird. Allerdings befürchten einige der Teilnehmer regulatorische und bilanzielle Hürden bei der Übertragung von Teilbeständen.“

Diese Veränderungen und die Zunahme an Verkäufen an die sogenannten Run Off Gesellschaften weisen darauf hin, dass die Profitabilität dieser Produktlinien durch die neuen Kapitalanforderungen nicht mehr gewährleistet ist. Zusätzlich belastet die Demographische Entwicklung das Neugeschäft.

 

Lebensversicherung am Ende?

 

Run Off Gesellschaft?

Hinter den Run Off Gesellschaften verbergen sich Investoren aber auch alle anderen Markteilnehmer, wie Pensionsfonds etc., die Altbestände, Portfolios, ankaufen. Die Gesellschaften betreiben kein Neugeschäft, sondern verwalten nur die Altbestände bis zur Endfälligkeit.

Sie versprechen sich aufgrund ihrer schlanken Struktur und den damit geringeren Kosten, eine attraktive Rendite. Ob diese Gesellschaften die von ihnen versprochenen Leistungen erfüllen können steht jedoch auf einem anderen Blatt. Es ist zu befürchten, dass hier Stolpersteine und Abgründe nur darauf warten, dass jemand fällt.

Irgendwie erinnern diese Konstrukte an die Special Purpose Vehicle, die einst von den Banken genutzt wurden, um die Risiken der Kreditportfolios aus der eigenen Bilanz zu verbannen. An das Ende dieser Konstrukte werden sich die meisten noch sehr lebhaft erinnern können.

 

Grundtenor: Es ist alles in Ordnung

Der Grundtenor des Versicherungsverbandes und der Politik ist, dass alles in Ordnung ist und die Aufsicht ihren Job macht. Die Aufsicht ihren Job macht? Etwa so wie vor der Finanzkrise? Hoffen wir mal das hier die richtigen Lektionen gelernt wurden.

Der Chef der BaFin wurde am gestrigen Abend auch zitiert mit der Aussage, dass es in der Branche „Pappenheimer“ gibt, um die man sich in „Manndeckung“ kümmere.

Die FAZ hat den Braten gerochen. Sie schloss aus dem gestrigen Diskussionsverlauf, dass die Nerven auf Seiten der Politik und der Lebensversicherer blank liegen und die Lage wesentlich beklemmender ist, als sie dargestellt wird.

 

Das Risiko eines Crashs der Lebensversicherer

Ich denke auch, dass die Lage finster ist. Denn wäre alles so rosig, wie es vom Verband dargestellt wird, dann würde das Geschäft brummen und nicht darüber diskutiert, welche Produktlinien in den Run Off geschickt werden.

Selbst vermute ich seit einiger Zeit, dass in der nächsten Krise nicht die Banken geschröpft werden, sondern besonders die Versicherungen, Pensions- und Rentenfonds. Diese bedenken äußerte ich im Artikel „Short Volatility Trade ist das Sub Prime Debakel revisited!„:

Wenn es so ist, wie es scheint, werden bei diesem Raubzug nicht die Banken unter die Räder kommen, sondern die entsprechenden Vorsorgeeinrichtungen. Auch was positives wenn die Banken keinen Bailout benötigen, doch echt blöd für jegliche Renten und Vorsorge Träume der betroffenen Bürger. Der Short Volatility Trade ist das Neue Sub Prime Debakel, was nur noch auf einen Auslöser wartet.

Abschließend lässt sich sagen, dass man das gesamte Short Volatility Strategy Universum meiden muss, denn die kommenden Jahre werden die eine oder andere Überraschung bereithalten.

 

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