Aktien-Absturz – Ist die Panik berechtigt?

 

Lieber Leser,

die Reaktion des US-Aktienmarktes und damit auch einiger europäischer Indizes auf die Ereignisse in der US-Politik kommen zu einer ungünstigen Zeit. Nämlich dann, wenn die Skepsis so oder so schon beginnt die Runde zu machen. Denn einige kurzfristige Faktoren,  sprechen ebenfalls für die Schwäche. Da wären zum Beispiel die zuletzt etwas gemischt ausgefallenen Konjunkturdaten, zudem die saisonal bedingt schwache Phase und das Ende der Quartalssaison, das in der Regel für Gewinnmitnahmen bekannt ist.

Die Marktbreite hat sich in den letzten Wochen etwas abgeschwächt. Um das zu erkennen brauchen Sie in der Regel keine A/D-Line, sondern einfach nur den Vergleich zwischen der Entwicklung der drei Indizes S&P 500, Dow Jones und NASDAQ zu ziehen. Und hier hat der Dow Jones Index eindeutig Schwächesignale ausgesendet, da er seit März partout nicht schaffte auf ein neues Allzeithoch zu steigen.

Ich habe bereits auf die erwartete Schwächephase, die sich gleich an die Rede Trumps Anfang März anschloss, in einigen Beiträgen hingewiesen. Spätestens seitdem scheint sich die Outperformance auf einige Sektoren zu konzentrieren und nicht auf den Gesamtmarkt.

Die US-Quartalssaison, die sich nun dem Ende neigt, ist positiv ausgefallen. Die im Schnitt erzielte Steigerung der Ergebnisse der S&P 500 Unternehmen betrug bis dato 15 %. Erwartet wurden nur ca. 10 %. Das ist ein deutlicher Widerspruch zu den kürzlich schwächelnden Konjunkturdaten und lässt auf weitere, mittelfristige Stabilität im US-Aktienmarkt schließen.

Ohne Korrekturen geht es aber in keinem Trend und der panikartige Abverkauf in dieser Woche, hat die Schwächetendenz unter der Decke, wie so oft, meiner Meinung nach nur verstärkt. Eine Korrektur im Umfang von 5 % ist normal und gesund. Wer jetzt panisch wird, hat in der Zeit der steilen Rally einfach nur vergessen, wie sich das Ganze anfühlen kann.

Kommt ein starker Aktien-Absturz wenn Trump scheitert?

Ob nun eine Amtsenthebung Trumps die richtige Schlussfolgerung ist, das glaube ich nicht einmal. Denn, dafür liegen meiner Meinung nach noch keine Vorwürfe vor, die auf illegale Machenschaften Trumps schließen würden. Das kann sich sicherlich noch ändern, darüber jetzt aber zu spekulieren ist unnötig.

Ein weiterer wichtiger Punkt in der Debatte, der vergessen wird ist, dass es für eine Amtsenthebung, bzw. Vertrauensfrage mehr Gegner innerhalb der eigenen Partei braucht. Trumps Unterstützung ist jedoch seit seiner Wahl stetig gestiegen. Daher ist auch das bis dato unwahrscheinlich.

Nein, meiner Meinung nach wurden hier nun die letzten Optimisten, die an den Plänen Trumps die Wirtschaft anzukurbeln erwartungsgemäß festhielten, kalt erwischt und warfen das Handtuch.  Denn, auch eine Gesundheitsreform scheint nun in weitere Ferne gerückt zu sein. Erwartungen an einen eventuellen neuen US-Dollar Trend, führen möglicherweise ebenfalls zu Umschichtungen innerhalb der Asset-Klassen.

Aber, es sind letztendlich alles Spekulationen und ich denke in der nächsten Woche wissen wir mehr, was die politischen Angelegenheiten in den USA angeht. Die Frage, in wie fern die Rally nur aus Erwartungen an stimulierende Maßnahmen bestand, wird schnell beantwortet werden, wenn sich die Ereignisse überschlagen.

Spricht die Markttechnik für einen Aktien-Absturz?

Schauen wir noch kurz in die Markttechnik. Für den US-Dollar Index werden die nächsten Tage die Entscheidung bringen. Meiner Meinung nach, befindet sich der US-Dollar Index weiterhin im Aufwärtstrend. Das wird sich jedoch ändern sofern der 100-Wochendurchschnitt nachhaltig unterschritten wird. Hier fehlt allerdings noch ein Schlusskurs auf Wochenbasis darunter.

US Dollar Index Trend

Im S&P 500 Index haben die Bullen mustergültig einen Angriff an der ersten wichtigen Unterstützung vorgenommen. Die Gerüchteküche brodelt. Angeblich soll ein Zerohedge-Artikel für die steile Erholung gesorgt haben, demnach Comey seine Aussage hinsichtlich der Vorwürfe gegen Trump wieder revidierte. Wen interessiert`s?

Mittel- bis langfristig werden die fundamentalen Faktoren dazu beitragen, dass sich der Aktien-Absturz entweder fortsetzt oder eben nicht. Konzentrieren wir uns lieber darauf. Auswirkungen einer politischen Krise a la Brasilien, halte ich für unwahrscheinlich, denn hier geht es nur um interne Streitigkeiten, keine Korruption oder dergleichen.

S&P 500 Index Chartanalyse

 

Viel Erfolg!

David Iusow

David Iusow
Über David Iusow 19 Artikel
David Iusow ist zurzeit als Markt Analyst bei DailyFX Deutschland tätig. Einem Tochterunternehmen der IG Group, die wiederum das weltweit größte Brokerhauses für CFDs und Aktien ist. Er bringt zehn Jahre an Handels- und Analyseerfahrung mit und führt zudem einen eigenen Blog. Seine Strategien basieren auf der Analyse der Charttechnik, Analyse der Intermarketbeziehungen sowie der Analyse der aktuellen fundamentalen News und Trends.

7 Kommentare

  1. Das zu optimieren macht schon Sinn, denke ich. Auch die P/C-Ratio ist dem Preis nachlaufend. Ich nutze sie im Moment gar nicht, hat sich irgendwie nicht ergeben. Habe auch immer das Gefühl gehabt, dass die Umschwünge sehr kurzfristig stattfinden. Und alle Informationen, die gefühlt Hektik verbreiten, habe ich für den Handel, bis auf den Preis selbst, mit der Zeit aussortiert 🙂

    • Genau. Wobei ich es schon seit längerem nicht mehr verfolge. Damals hatte ich noch Reuters Terminal, da war das alles recht leicht. Heute habe ich diese ganzen Sachen nicht mehr, heute schaue ich nur noch in den Chart. Aber damals war mir klar: Einfach P/C Ratio muss Unsinn sein. Also nahm ich P/C Ratio in Verbindung mit der Preisänderung. Diese Instrument war damals subjektiv besser als 50/50 im Timing.

  2. So was genau.

    Bessere Aussagekraft hat allerdings das P/C Ratio. Nur nicht in der Standardauslegung. Der absolute Wert ist mir dabei relativ egal. Immerhin steht einem Long Put auch ein Short Put gegenüber. Interessanter ist da die Preisveränderung im Handel. Psychologisch sind ja aggressive Käufe oder Verkäufe in Preisänderungen zu sehen. So könnte der VDAX ja theoretisch auch 30% zulegen, obwohl an der Börse nichts passiert. Wenn dann 80% Calls gehandelt wurden und nur 20% Puts, dann würde ich von Optimismus sprechen.

    Weiß nicht ob ich es sauber ausgedrückt habe. Weißt du was ich meine?

    • Moin, danke für den Artikel! Ich schließe mich voll und ganz an (insbesondere dem Hinweis, dass ggf der ein oder andere Marktteilnehmer vergessen hat, dass kleinere Korrekturen normal und gesund in einer Hausse sind – den Eindruck habe ich auch zurzeit). Das AAII Sentiment der Privatinvestoren ist zB schon wieder sehr bärisch. Die Investors Intelligence Zahlen (Börsenbriefe Sentimen) sind hingegen noch recht bullish. Es wird spannend wie sich die Daten in den nächsten Tagen/Wochen entwickeln 🙂

  3. Interessant wird es sicherlich, wenn man die Stimmungsindikatoren nach dieser Minikorrektur sieht. So unsinnig diese (in meinen Augen) mit absoluten Werten sind, so spannend sind diese in einer Phase des Trendwechsels. Trübt sich die Stimmung rapide ein, ist der „Wechsel“ meist nur kurzfristig. Kommt es sogar zu einem Anstieg im Optimismus, dann könnte mal mehr draus werden.

    Vielen Dank für den Artikel!

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