Weicher Brexit | Rücktritt des Außenministers | Reaktion bei Euro und Pfund

 

Der Brexit scheint beschlossene Sache, das Volk hatte darüber entschieden. Uneinigkeit bei der Planung ist seitdem das bestimmende Thema in England und innerhalb der anderen Eurostaaten. Heute trat auch noch der britische Außenminister und der Brexit-Minister zurück. Wie wirkt sich dies auf den Euro und das Pfund aus?

 

England ohne Außenminister

Dies war sicherlich die Überraschungs-Headline des gestrigen Tages. Der britische Außenminister Johnson und der Brexit-Minister David Davis traten ohne Vorankündigung von ihren Ämtern zurück. Denn es gab einen Streit bezüglich des Brexit-Kurses. Und dies kurze Zeit nach dem Kabinettsauftritt von Premierministerin May. Davis als Verhandler gegenüber der EU in Brüssel verfolgte einen recht harten Kurs und wollte diesen „neuen Weg von May“ scheinbar nicht mittragen.

Dramatisch äußerte Hardliner Johnson diese Position lt. tagesschau.de in seinem Kündigungsbrief mit den Worten:

Der Traum vom Brexit stirbt. Er ist erstickt in unnützem Selbstzweifel.

Durch diese Spannungen innerhalb der Regierung befürchteten Politikexperten einen möglichen Bruch und auch die Möglichkeit eines Sturzes von Premierministerin Theresa May. Doch dies war keineswegs von Davis bezweckt, dennoch trat er am Morgen zurück. Hier stand die britische Währung noch über 1,13 zum US-Dollar und fiel dann jedoch um mehr als ein halbes Prozent ab, als auch der Rücktritt von Außenminister Johnson am Nachmittag des heutigen Tages bekannt wurde.

Damit wurde im Chartbild nicht nur das Tagestief neu „justiert“, sondern dies könnte auch ein erster Impuls für einen Trendwechsel darstellen. Die Wirtschaftswoche titelte von einer „Berg- und Talfahrt im britischen Pfund“ – Grund genug, sich die Charts einmal genauer anzusehen.

 

Blick auf die Charts GBP/USD und EUR/GBP

Im Währungspaar Pfund-Dollar (GBP/USD) war die erste Stundenkerze nicht zu übersehen und sah wie folgt aus:

 

Reaktion im GBPUSD auf die Kündigung
Reaktion im GBPUSD auf die Kündigung

 

Es stellt sich für uns Charttechniker die Frage, ob dies eine Überreaktion war oder erneut in die Aufwärtsbewegung übergegangen werden kann. Denn legt man eine Trendlinie an, wurde diese gestern im Stundenchart verletzt:

 

Trend im GBPUSD gefährdet
Trend im GBPUSD gefährdet

 

Auch zum Euro gab es eine entsprechende Reaktion. Hierbei fiel das Pfund ebenfalls, also der Euro legte massiv in der ersten Reaktion zu. Dies ist in folgendem Chartbild von gestern dargestellt:

 

Euro zum Pfund stärker nach "weichem Brexit"
Euro zum Pfund stärker nach „weichem Brexit“

 

Analysiert man diesen Stundenchart im breiteren Kontext, so brach er kurz über das Monatshoch aus, um sich aktuell wieder an den Hochs der vergangenen Handelstage einzupendeln. Diese Reaktion ist hier gekennzeichnet:

 

Euro zum Pfund stärker nach "weichem Brexit" im großen Zeitrahmen
Euro zum Pfund stärker nach „weichem Brexit“ im großen Zeitrahmen

 

Was bedeutet dies für den Brexit?

Logisch erscheint, dass eine Spaltung der Regierung sicherlich mehr Schaden auf den Kurs des britischen Pfund gehabt hätte, als es der Rücktritt tat. Immerhin ist mit Dominic Raab auch schon sehr zügig ein neuer Brexit-Minister nominiert worden. Vielleicht steigt auch das Bestreben damit an, den Brexit etwas „weicher“ zu vollziehen und Großbritannien zumindest in einer Zollunion zu belassen. Damit hätte Johnson letztlich Recht behalten, denn er betitelte dies schon als „halbherzigen Brexit“.

Wirtschaftlich betrachtet wäre dies jedoch ein guter Zug für das Land. Man sollte das Ganze auch nicht überbewerten. Schließlich wurde Boris Johnson wegen seiner harten Meinung in Richtung schnellem Brexit auch „Brexit Boris“ genannt. Entsprechende Schlagzeilen auf bild.de waren somit schon vorprogrammiert…

 

Fazit der aktuellen Entwicklungen in Großbritannien

Zwei Hardliner sind also gegangen. Kommt Theresa May mit den Nachfolgern entsprechend besser klar? Kann sie ihren „weichen Brexit“ entsprechend mit Rückenhalt durchsetzen? Diese Interpretation überlasse ich den Forex-Märkten selbst und werde hierbei keine „Meinung handeln“ – dies ist immer gefährlich an der Börse. Auf Grund der gestiegenen Volatilität sind beide gezeigten Währungspaare jedoch spannend geworden und in meinen Fokus als Trader gerückt.

 

Lassen Sie sich gerne davon inspirieren. Viel Erfolg wünscht Andreas Mueller (Bernecker1977)

Bernecker1977
Über Bernecker1977 147 Artikel
Bernecker1977 ist der Trader, Referent und Coach Andreas Mueller. Er handelt seit rund 20 Jahren Indizes, Devisen und Rohstoffe an der Börse mit Futures, Derivaten und CFDs und ist nicht nur auf wallstreet-online bereits seit dem Jahr 2005 in den "Tages-Trading-Chancen" Ansprechpartner für alle börsenrelevanten Fragen.

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