Trading-Treff-Ausblick für den 3. Juli 2017

Trading-Treff-Ausblick
Trading-Treff-Ausblick
 

Sehr geehrte Leser willkommen beim Trading-Treff-Ausblick. Bevor wir die abgelaufene Woche reflektieren und einen vorsichtigen Blick auf die kommenden Tage werfen, rechtfertige ich mich vorsorglich bei allen sensiblen Lesern für den Kraftausdruck „Arsch“. Dieser entstammt einer philosophischen Betrachtung. Vor geraumer Zeit subsumierte nämlich ein Mitglied im projekt30 Blog sinngemäß über uns private Trader:

Wir alle sind nur Ameisen auf dem Arsch der Elefanten und versuchen die Richtung zu erahnen, in die sie laufen werden.

Applaus! Seine wahre Bedeutung im Markt zu begreifen, ist ein erster Schritt, den tatsächlichen eigenen Handlungsraum zu erkennen. Leider sind wir Ameisen oft zu sehr mit unserem Lebensraum auf dem Arsch der Elefanten beschäftigt, wo jede tiefere Falte die Dimension des Grand Canyons hat. Wir traden uns durch diese Täler und Berge in den Minuten- und Stundencharts, um sodann, prüfend den befeuchteten Finger in die Luft haltend, zu verkünden, warum die Herde nun gen Süden oder Norden marschieren sollte.

DAX-Daten aus der Statistik

Wenn wir aber tatsächlich nur erahnen können in welche Richtung die Elefanten den Dax schieben, wäre es eher sinnvoll, die Wege zu betrachten, die die Elefantenherde schon mehrfach ging. Und da wären wir dann bei der Statistik. Und im Quartals- und Jahreschart.

Die sagt uns, dass der Dax seit 1959 durchschnittlich 8.79% Rendite per Anno erwirtschaftete. Natürlich, es gab Jahre, in denen Dax mehr als 40% seiner Punkte verlor. Trotzdem beträgt der durchschnittliche Zugewinn seit 1959 8.79%. Schaut man sich die Sache seit 1988 an, erst dort begann Dax auch seinen Namen zu tragen, liegt der durchschnittliche Zugewinn sogar bei beachtlichen 11.66%.

Die Elefanten der Branche, also große Banken, Fonds und institutionelle Anleger, können aufgrund der Volumina ihrer Cash Bestände und Engagements keine 500% Rendite erwirtschaften, wie es einige Ameisenkönige von sich behaupten. Die langjährige durchschnittliche Rendite zwischen 8.79% und 11.66% ist für Elefanten die Benchmark, die es zu erreichen gilt. Wer 5 Millionen Euro anlegt und über 10 Jahre durch fachmännische Hilfe der Elefanten 10% Rendite mit Wiederanlage erwirtschaftet, bringt es immerhin innerhalb einer Dekade zu rund 13 Millionen Euro.

Die Ameisen mit nur 5.000 Euro Kapital würden nach 10 Jahren zwar auch 13.000 Euro Kapital zur Verfügung haben. Das wäre allerdings kaum Anlass zur Freude, schließlich hätte man die 5.000 Euro doch jährlich gerne mindestens verdoppelt. Mit ein gewichtiger Grund, warum 90% aller Trader mit kleinem Kapital nach durchschnittlich 2 Jahren kein Kapital mehr haben. Den Broker freut´s.

Wenn wir also von historischen Zielen von 8.79% und 11.66% ausgehen, die für die Elefanten der Branche Benchmark sind und deren Zielerreichung Boni und wohlwollende Zustimmung der Großanleger auslöst, müssen wir diese Ziele jedes Jahr ab dem ersten Handelstag auf den Dax projizieren.

Das sieht dann so aus im Tageschart:

Trading-Treff-Ausblick DAX
DAX Tageschart mit Zonen

Die Elefanten haben im April 2017 das erste Ziel (Rendite Durchschnitt seit 1959) erreicht und konnten ab der ersten Maiwoche auch den Zieleinlauf (Rendite Durchschnitt seit 1988) verkünden.

Alles oberhalb 12.819 war also Sahne auf der Torte. Es gab Jahre, in denen Dax auch deutlich über die Benchmark lief und 20% bis 40% Rendite erwirtschaftete. Entscheidend für die Elefanten ist aber das Erreichen der durchschnittlichen Jahresperformance.

Wenn dann die Dynamik sichtbar nachlässt, die Amerikaner sagen „Flat tops produce drops“, dann setzen Umschichtungen und Gewinnmitnahmen, also Konsolidierungen ein. Das sehen wir aktuell im Dax.

Wenn wir nun eine Fibonacci Strecke nicht an bedeutenden Tiefs oder Hochs anlegen, sondern uns stur an den Elefantenpfad halten, der stets mit Beginn eines neuen Jahres beschritten wird, wird die Fibonacci Strecke demnach am Schlusskurs des Vorjahres und dem Hoch des aktuellen Jahres angelegt. In diesem Fall also 11.481 als Startpunkt 2017 und 12.952 als aktuelles Hoch 2017.

Sodann sehen wir, dass Mitte Mai die untere Begrenzung der Benchmark bei 12.490 angelaufen und verteidigt wurde. Nachdem es aber erneut nicht nachhaltig über die 11.66% Benchmark ausbrechen konnte und nach einem neuen Allzeithoch bei 11.952 die Kurse nachgaben, schaute man auf mögliche Fibonacci Retracements.
Als das erste 23.6% Retracement bei 12.604 brach, setzten größere Gewinnmitnahmen ein, die den Dax zum 38.2% Retracement der 2017er Aufwärtsstrecke bei 12.390 sinken ließen.

Das sieht dann so aus im Tageschart mit Fibonacci Rückläufen:

Fibo-Werte im DAX Tageschart
Tageschart DAX mit Fibo-Werte

Es ist erkennbar, dass der Bruch des kleinen Retracements 12.604, nachdem dieses zuvor 2 Tage hielt und verteidigt werden konnte, Gewinnmitnahmen auslöste. Und spätestens beim Bruch der unteren Benchmark 12.490, man könnte auch Elefanten Value Area sagen, flogen Positionen aus den Depots der großen Anleger. Und einige gingen wohl auch erste Short oder Hedge Positionen ein.
Angekündigt hatte sich das nicht zuletzt durch eine Wolfe Wave, eine Keilformation mit Besonderheiten, die wir in den Ausblicken schon in der Entstehung eng begleiteten und die am 28. Juni punktgenau ins Ziel 12.534 lief.

Wolfe Wave Studenchart H2

In den beiden ersten Charts mit den Elefanten Benchmarks sind weitergehende Marken unscharf maskiert. Diese Prozent- und Zielmarken sind aus umfangreichen Analysen der Jahre seit 1959 und 1988 entstanden und nennen verfeinerte Ziele auf der Ober- und Unterseite. So gibt es für 2017 Ziele, die bis über 14.000 und unter 9.500 reichen. Jede dieser 9 Marken für 2017 wird aber Bedeutung im Elefantenlager haben und uns so wertvolle Hinweise geben, wie es die Benchmark Zone 8.79% bis 11.66% bereits tat. Diese Marken sind zunächst unseren Abonnenten vorbehalten, denn schließlich zahlen diese zwei Euro täglich für das projekt30 Abonnement.

Broadening Top, Stundenchart H1

Synchron zur Wolfe Wave besprachen wir seit dem 15. Juni im täglichen Trading-Treff-Ausblick ein mögliches Broadening Top. Nachdem die 4 erreicht war, erwarteten wir den finalen Anlauf an die 5 dieser Chartfigur. Die 5 wurde am 20. Juni erreicht und es konnten die Ziele auf der Ober- und Unterseite errechnet werden. Als Long/ Short Weiche wurde die Mittellinie 12.781 benannt, deren Unterschreiten die Ziele 12.501, 12.421 und 12.298 aktivieren sollte.
Am 30. Juni wurde auch das dritte Ziel 12.298 mit Tief 12.319 fast erreicht.

Technisch ist damit, neben der Wolfe Wave, auch das Broadening Top abgearbeitet. Die begrenzenden Linien des Broadening Top werden wir natürlich weiter im Auge behalten, sie könnten in der Zukunft noch eine Rolle spielen.

DAX mit Broadening Top
Broadening Top im DAX

Da wir am Montag die USA nur verkürzt im Handel haben und am Dienstag dort der Independence Day gefeiert wird, ist Dax recht frei für Bewegungen jeder Art.
Wenn wir den Minutenchart M30 betrachten, so wird erkennbar, dass die Unterseite nur eine kleine Unterstützung durch den Schlusskurse der KW13 bei 12.312 und das Tief vom Freitag, 12.319, hat.

Nach oben deckeln den Dax wichtige Marken, die unterschritten wurden: Tief Mai, Hoch Juni, Hoch April und Schlusskurs der KW 17 wurden unterschritten. Das bedeutet Widerstand von 12.433 bis 12.483. Weiter oben wird es noch schwieriger, denn dort warten von 12.716 bis 12.770 insgesamt 4 Wochenschlusskurse, die unterschritten wurden. Das dürfte ein kräftiger Widerstandsbereich sein.

Minutenchart M30, Teil 1

Analyse 30 Minutenchart im DAX
30 Minutenchart im DAX

Wenn wir uns diesen Minutenchart M30 mit Blick nach unten anschauen, wird deutlich, dass der einfachere Weg für Dax nach unten führt. Die offene blaue Gap Zone 12.289 bis 12.048 (wobei 12.048 das Gap schließt) liegt zum Greifen nahe. Dieses offene Gap, das bis zum Erreichen des Allzeithochs schon von einigen Analysten als „Runaway-Gap“ gesehen wurde, ist möglicherweise der Schlüssel für eine Bodenbildung und Kaufkurse.
Dort liegt auch eine kleine aber feine Unterstützungszone, die aus Gap close 12.048, dem Februar Hoch 2017 und dem Schlusskurs der KW 16 besteht.

Das Gap close 12.048 hat in diesem Zusammenhang auch Bedeutung aus Sicht der Elefanten. Wer erneut zum „Elefanten Tageschart mit Fibonacci“ nach oben scrollt, wird sehen, dass dort bei 12.042 das wichtige 61.8% retracement der 2017er Aufwärtsbewegung liegt. Das 61.8% Retracement wird gemeinhin auch gerne als die letzte Bullenausfahrt bezeichnet. Wenn die Elefanten nun nicht ihren Profit auf der Unterseite suchen, was Kurse unter 11.481 nach sich ziehen würde, müssten sie spätestens am 61.8% Retracement des 2017er Anstiegs das Ruder umlegen und kaufen.

Das Gap close 12.048 und das 61.8% Retracement 12.043 des Anstiegs 2017 liegen nur kleine 5 Punkte auseinander. Dort, oder aus Gemeinheit auch 10-15 Punkte höher, könnte eine bedeutende Wende ihren Anfang nehmen.

Minutenchart M30, Teil 2

Sollte sich Dax in der kommenden Woche zum Gap close entschließen, darf es für die Bullen nicht unter diese Zone 12.048 – 12.043 gehen. Ein Unterschreiten der unterhalb im Chart liegenden Marken (Tief April, Hoch Januar und Tief März) würde den Dax jeglicher Performance in 2017 berauben, denn dann würde der Schlusskurs des Jahres 2016 bei 11.481 an Anziehungskraft gewinnen.

Statistik, Teil 2

Schauen wir uns den Dax und seine Jahresperformance seit 1988 an, sehen wir drei wichtige 5er Gruppen. Jeweils 5 Jahre in Folge wurden kräftige Gewinne eingefahren, bevor es deutlich korrigierte.

In der Grafik steigen die Jahre von unten an. Auffällig ist, dass Dax in den Jahren 2014, 2015 und 2016, trotz hoher Volatilität, gegenüber dem Durchschnitt nur noch wenig zulegen konnte. Ausgehend von (links) 27.81% durchschnittlichem Zuwachs und (mittig) 23.15%, sank der Zeitraum 2012 – 2016 auf 14.72% Performance ab.

Ein Blick auf alle Jahresergebnisse seit 1988, also dem Geburtsjahr des Dax, zeigt zudem, dass wir nun den dritten 5er Block in 2016 absolviert haben. Der erste Block, 1995-1999, ging in drei Jahre mit Abschlägen von 7,5%, 19,8% und 43,9% über. Der zweite 5er Block 2003-2007 brachte im Jahr darauf einen Rückschlag von 40,3% mit sich.

Geschichte muss sich nicht wiederholen, das ist klar. Aber ob 2017 wirklich die Serie bricht und ein sechstes positives Jahr in Folge wird, steht in den Sternen. Wer meine Ausblicke liest, wird sich an den Monatschart erinnern, der eine anstehende Korrektur von mindestens 15% möglich erscheinen lässt. Dax ist seit dem letzten bedeutenden Tief 8.696 immerhin um 49% gestiegen. Es muss nicht so kommen, aber die Luft wird dünner.

Dax Performance seit 1988

Da der Handel am Montag und Dienstag impulsiv ausfallen kann, möchte ich keine Ziele nennen. Es wäre vernünftig, wenn Dax sein Gap 12.048 schließen würde. Es ist aber auch möglich, dass die Akteure zunächst eine Zwischenerholung einschieben oder es versuchen.

Wichtige Long/ Short Marken für mich sind:

Oberseite: 12.433 / 12.483 / 12.604 / 12.620
Unterseite: 12.319 / 12.289 / 12.216 / 12.048

Ich wünsche allen Lesern einen erfolgreichen Montag!

Intraday-Updates findet ihr wie immer im p30-LeserStream. Hier veröffentliche ich weiterhin den Trading-Treff-Ausblick in der Rubrik Trading.

Ihr Marius Schweitz

Marius Schweitz
Über Marius Schweitz 295 Artikel
Marius Schweitz ist seit 2001 aktiver Trader und Mitinhaber der Trading Community "Projekt30.de". Gehandelt werden Dax, US Indizes, Forex und Edelmetalle. Marius ist spezialisiert auf Wolfe Waves und die Verdichtung von Fibonacci Marken aus unterschiedlichen Zeitebenen, die sodann klare Ausbruchs- und Unterstützungsmarken ergeben.

5 Kommentare

  1. Thema Aktien:

    Aktien sind immer völlig fair bewertet. Einzig die eigene Wahrnehmung kann unter gewissen Annahmen und Gründen zum aktuellen Zustand divergieren. Unter der Annahme eines Zinsanstieges sind einige Aktien jedenfalls extrem teuer. Wichtig dabei ist allerdings der Zinsanstieg. Klar. Was aber noch viel wichtiger ist: Der Aktienmarkt braucht nicht mal Gründe sich um 50% nach unten zu bewegen. Also ist auch an der Stelle nicht klar, dass du recht behalten wirst. Die spekulative Geldmenge die nicht dem Konsum zur Verfügung steht ignorierst du denke ich zu Unrecht. Zuletzt gesehen 1928-1929. Ein Blick in die Geschichte genügt. Wir beleihen die Zukunft aktuell deutlich zu stark. Gesättigte Märkte kümmern sich nicht um KGVs. Trotzdem macht dieses Wissen im Daytrading natürlich wenig Sinn. Aber Yellens Ansage zu den Assets habe ich trotzdem im Hintergrund.

    Don´t fight FED! 😉

  2. 12325 / 1000 = 12,325
    12,325 ^ 0,033898 = 1,08887

    8,887 % p.a. bis zum letzten Xetra Close.

    Das wäre die Performance.

    Mittelwert ist Mittelwert. „Falsch“ ist es auch nicht, wenn man einen Grund hat diesen zu wählen. Allerdings kann es an dieser Stelle durchaus ein Fehler sein. Marius wird das sicher aufklären.

  3. Sorry Folks wenn ich reingrätschen muss,

    aber die jährliche Performance seit der Aufsetzung des DAXes im Dezember zu 1000 Punkten beträgt 8,9%. Lässt sich vergleichsweise einfach nachrechnen. 12375 Punkte jetzt, 1000 Punkte damals. Also eine 12,375-fachung in 29,5 Jahren ergibt eine Jährliche Performance von 29,5ter Wurzel 12,375 also … 8,9%.

    Den Mittelwertbild über die einzelnen Jahre zu bilden ist mathematisch schlicht und ergreifend falsch.

    Ansonsten mache ich kein Geheimnis daraus, dass ich in Anbetracht der Zinsen (oder soll ich sagen der Realitäten?) die Aktienindizes für massiv unterbewertet halte und spürbar höhere Kurse anvisiere. Somit kann ich mich jeglichen bärischen Schlussfolgerungen aus dem Artikel auch kein bisschen anschliessen.

    Gruss Juergen

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