Steht der Euro vor einer neuen Schwächephase?

Steht der Euro vor einer neuen Schwächephase
Steht der Euro vor einer neuen Schwächephase
 

Die europäische Gemeinschaftswährung zeigte in den vergangenen zwei Wochen eine ausgeprägte Schwäche gegenüber dem Dollar. Doch das könnte erst der Anfang einer längeren Abwertungsphase sein. Dabei sprechen sowohl fundamentale als auch technische Gründe für eine weitere Schwäche.

 

Fundamental ist es vor allem die Zinsdifferenz zwischen amerikanischen und europäischen Staatsanleihen. Der Mechanismus dahinter ist eindeutig: Während die EZB vorerst weiter noch an ihrer Niedrigzinspolitik festhält und dies in den nächsten Monaten, wenn sie nach Fahrplan verfährt, auch noch beibehalten wird, wird die US-Notenbank Fed den Leitzins für den Dollar in den kommenden Monaten weiter nach oben schrauben.

Die Marktzinsen haben auf diese Perspektive längst schon reagiert. Die zehnjährigen US-Staatsanleihen zeigten bereits Renditen von über 3%. Die Spreads zwischen den Dollar- bzw. Euro-Renditen haben sich dadurch nochmals vergrößert und neue Höchststände seit mindestens 1989 markiert.

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Dollar-Raum zieht wieder Investmentgelder an

In der Praxis bedeutet dies: Anlegergelder fließen verstärkt wieder in den Dollar-Raum, was zu einer entsprechenden Aufwertung des Greenback führt. Dieser dürfte generell auch davon profitieren, dass die Märkte davon ausgehen, dass Amerika den weiterhin schwelenden Handelsstreit insbesondere mit China, aber auch mit Europa, deutlich zu seinen Gunsten beilegen kann. Dies alles findet seinen Widerhall letztlich in der Charttechnik.

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Euro kommt zunehmend unter Druck

Nach der kräftigen Aufwertungsphase von November letzten Jahres bis Anfang Februar hatten wir es in der Folgezeit mit einer Art Konsolidierung zu tun. Allerdings eine, die sich zunehmend durch fallende Spitzen auszeichnete.

Der jüngste Durchhänger testete dabei die wichtige Unterstützungszone im Bereich von 1,21 Dollar die Euro. Ob sie hält, ist bis dato noch nicht entschieden. Natürlich ist hier durchaus eine Gegenbewegung möglich. Aber ich rechne damit, dass der Euro eher einen weiteren Anlauf auf den Bereich 1,1910-1,9060 versucht. Von Analysten ist dabei zu hören, dass sie sogar Kurse von 1, 16-1,15 für vorstellbar halten.

 

Steht der Euro vor einer neuen Schwächephase?
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Fazit der Analyse

Ganz grundsätzlich wäre ein schwacher EUR/USD natürlich positiv für die europäischen Aktienmärkte. Wie gehabt würden hierbei sicherlich vor allem Exporttitel, zu nennen die deutsche Automobilindustrie, profitieren. Dies allerdings weiterhin unter dem Vorbehalt möglicher neuer Handelsrestriktionen.

Eine Aufwertung des Dollar könnte dagegen ebenfalls für die amerikanische Börse positive Impulse liefern. Denn es ist auch durchaus vorstellbar, dass hier ausländische Investmentzuflüsse zunehmen, um die Extra-Rendite durch eine Währungsaufwertung mitzunehmen.

Carsten Müller
Über Carsten Müller 11 Artikel
Seit mehr als 20 Jahren schreibt Carsten Müller über die Kapitalmärkte. Die ersten Sporen verdiente er als Redakteur in der n-tv-Telebörse und war dann als freier Journalist für einige der renommiertesten Börsenbrief-Verlage im deutschsprachigen Raum tätig, darunter auch den Bernecker-Verlag. Heute fokussiert er sein Interesse insbesondere auf seine Lieblingsthemen Nebenwerte, Auslandsaktien und Anleihen.

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