S&P500: Ziel bleibt bei 3020 Punkten und was mir auf den Geist geht

Liebe Leserin, lieber Leser, ich gebe es offen zu: Meine mentale Ausgeglichenheit ist komplett auf meine Aktionen am Markt beschränkt. Da gibt es sehr selten Momente, in denen ich mich von meiner „inneren Mitte“ entferne. Macht ja auch wenig Sinn, denn spätestens nach einigen Jahren Börsenaktivität sollte man gelernt haben, dass nur ein kühler Kopf mit den entsprechendem verinnerlichten Regelwerk den langfristigen Erfolg bringt.

 

Das geht mir auf den Geist

 

Was mich aber regelmäßig auf die Palme bringt, sind übermäßig plakative „Analysen“, die meiner Meinung nach ganz bewusst und durchaus perfide mit den Urängsten der Menschen spielen. Was ich damit meine?

Ganz einfach: Eine Überschrift wie „S&P500: Ziel bleibt bei 3020 Punkten“ wird sicherlich weniger Clicks erhalten, als „S&P500: Der Untergang ist nahe“.

 

Für Aufmerksamkeit geben manche alles

 

Denn Menschen werden dann hellhörig, wenn sie etwas Bedrohliches wahrnehmen. Gegen eine solche Überschrift oder den ganzen Artikel mit diesem Inhalt wäre ja auch nichts zu sagen, wenn es sich dabei wirklich um eine brisante Situation handeln würde. Stattdessen wird immer häufiger die „Primitivkeule“ herausgeholt, um die ersehnte Aufmerksamkeit zu erlangen.

Besonders war das wieder in den vergangenen Tagen zu beobachten, als das Thema Nordkorea durch die Medien gejagt wurde. Ach ja, wussten Sie übrigens, dass Kimg Jong Un vergleichbare Drohungen seit Jahren ausspricht? Nein? Das muss wohl daran liegen, dass dieses Mal das Sommerloch mit dem Herren aus Nordkorea und dem – vorsichtig formuliert – US-Präsidenten mit den kreativen Verhaltensmustern gefüllt werden musste.

Kursziele: Hauptsache bedrohlich

 

Aber bevor ich mich hier politisch um Kopf und Kragen schreibe, zurück zum eigentlichen Thema. Es gab dann also eine wahre Inflation von Analysen, die die beherztesten Kursziele auf der Unterseite der jeweiligen Indizes ausriefen. Bisweilen hatte ich das Gefühl, dass ich in einer Parallelwelt lebte. Ich kann es ja verstehen, dass man beim DAX einen Rutsch von rund 7,5% vom Allzeithoch bis zum Test der 200-Tage-Linie als bemerkenswert empfindet. Jegliches Verständnis fehlt mir hingegen, wenn man minimale Gegenbewegungen im S&P500 als Crash-Vorboten „verkauft“.

 

Auch wenn gar nichts passiert ist

 

Denn genau in diesem Index ist so gut wie nichts passiert. Es reicht noch nicht mal bei einer Kästchengröße von 20 Punkten und einem Reversal von 3 für die Darstellung einer fallenden O-Säule. Von einem Verkaufssignal ganz zu schweigen. Am besten ist, wir werfen einmal zusammen einen Blick auf den Point & Figure-Chart des S&P500 mit einer Kästchengröße von 20 Punkten, die einen guten Kompromiss zwischen Trend-Bestimmung und Signalhäufigkeit bietet.

 

Und eigentlich alles in Ordnung ist

S&P500 im Point and Figure Chartbild
S&P500 im Point and Figure Chartbild

 

Das berechnete vertikale Kursziel stellt sich weiterhin auf 3020 Punkte. Und das nächste Verkaufssignal und damit der sinnvolle Stopp lautet auf 2320 Zähler. Bei aktuellen Notierungen von 2466 ergibt sich damit ein Chance-Risiko-Verhältnis für „Jetzt-Einsteiger“ von immerhin noch 554 zu 144, also 3,8:1.

Fazit: Aktuell habe ich keinen „Untergang“ dabei

 

Das war es eigentlich schon, was ich Ihnen mitteilen wollte. Bitte seien Sie nicht enttäuscht, dass ich Ihnen keinen Untergang liefern kann. Zumindest aktuell stehen die Chancen für Bullen noch gut. Sicherheit gibt es eh nicht, aber wir handeln ja eh Wahrscheinlichkeiten.

In diesem Sinne verabschiede ich mich für heute erneut ohne „Crash“

Ihr Jörg Mahnert

www.xundo.info (Alles rund um Point & Figure )

 

Joerg Mahnert

Jörg Mahnert ist seit nunmehr 28 Jahren im Bereich Trading und Investment tätig. Seit 2001 macht er die in Deutschland zu Unrecht vernachlässigte Methodik Point&Figure-Charttechnik bekannt und veröffentlicht seine Analysen auf seiner Seite XundO.info und auf einigen etablierten Finanz-Portalen.

    4 Gedanken zu „S&P500: Ziel bleibt bei 3020 Punkten und was mir auf den Geist geht

    • 18/08/2017 um 11:25 am
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      Hallo Joerg

      Ja, diese „Ich weiss dass der Crash Morgen kommt“ Kommentare sind absolute nervig und zeigen das Niveau von denen die dies immer und immer wieder rausblasen. Aber jeder darf seine Meinung haben zur jeglicher Marktsituation und deshalb ist der Markt so wie er ist: Unberechenbar.

      Gebildete Haendler, ob nun Pro oder Retail, fuerchten sich nicht vor einem Crash solange sie auch in Hedgestrategien jeglicher Art ausgebildet wurden. Heisst: In alle Richtungen die ein Markt gehen kann, ob nun up or sideways or down. Natuerlich machen auch gute Hedgers Verluste. Nur sind die in Crash Situationen wesentlich geringer wenn nicht sogar hoch provitable.

      Man muss dazu sagen dass auch viele Pros nur Long oder Short ausgebildet sind, aber nicht im Hedgebereich. Dies hat einerseits mit rechtlichen Standpunkten zu tun, da wenn ich z.B. einen Aktien Fonds anmelde, ich den Regeln folgen muss die ich dort angebe und ist dies auf Kaufstrategien aufgebaut, muessen sich die Verwalter dieses Fonds daran halten. Wie sich die Banken intern und hinter den Kulissen aber dann trotzdem da absichern ist ein anderes Thema.

      Follow up: Und anderer Seits mit einer schlechten Ausbildung in gewissen Banken/Firmen.

      Bei den Retailern duerfte die Quote bezueglich „Hedging“ im Allgemeinen schlecht aussehen, da sich der Zeitaufwand um sich in die Thematik „Hedging“ einzuarbeiten ohne professionelle Hilfe fuer die Meisten in keinster Weise rechnet. Da wird dann einfach gehofft dass der Stop Loss im entscheidenden Moment schon haelt.

      Gruss / Delta_Peter

      Antwort
    • 15/08/2017 um 7:02 pm
      Permalink

      Das Kursziel im DAX aus dem P&F halte ich auch für möglich, jedenfalls wenn die 11.930 halten.

      Antwort

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