Warum das OPEC-Treffen ein Non-Event werden könnte!

Warum das OPEC-Treffen ein Non-Event werden könnte
Warum das OPEC-Treffen ein Non-Event werden könnte
 

Am Freitag findet das nächste OPEC-Treffen statt. In den vergangenen fünf Wochen ist der Preis für die nordamerikanische Rohölsorte WTI um fast 9 % eingebrochen. Hauptsächlicher Grund für diese Entwicklung dürfte die Sorge über ein steigendes Angebot sein, nachdem Saudi-Arabien und Russland sich für eine Ausweitung der aktuellen Produktionsniveaus ausgesprochen haben. Damit hat man wie gewohnt Kommunikationspolitik im Vorhinein eines Meetings betrieben, was auch gut funktioniert hat.

 

Man kann über die genauen Beweggründe zwar spekulieren, doch naheliegend ist es aus meiner Sicht, dass ein fallender Kurs gewollt herbeigeführt werden sollte. Führt man diesen Gedankengang weiter, so macht das vor allem dann Sinn, wenn man im Rahmen des Meetings plant weniger in Aussicht zu stellen, als die Erwartung es im Zuge der Kommunikationspolitik erwarten lässt. Damit hat man alleine mit Hilfe der Kommunikationspolitik bereits geschafft den Preis sowohl nicht weiter steigen, als auch nicht massiv einbrechen zu lassen.

 

Einige Informationen zur OPEC Produktion nach außen gedrungen

Ein Non-Event könnte es aber nun werden, weil einige Informationen bereits nach außen gedrungen sind. So berichtete das Wall Street Journal, dass es, wenn überhaupt, zu einer Ausweitung der Produktion zwischen 300-600 Tsd. Barrel pro Tag kommen könnte. Zuvor ging man von 500-1.000 Tsd. Barrel pro Tag aus. Doch selbst letzteres dürfte in Anbetracht der Tatsache, dass das venezolanische Angebot auf dem Weltmarkt weiterhin fehlt, kaum übermäßige Auswirkungen auf den Markt haben. Die Iran-Sanktionen dürften erst in einigen Monaten in Kraft treten.

Ebenso kommt hinzu, dass die Produktion in der Regel in den Sommermonaten beginnt zu steigen, da der Gebrauch von Klimaanlagen anzieht sowie die Driving-Season startet. Auch in Russland wird im Sommer in einigen Regionen, technisch bedingt, mehr produziert als im Winter.

Selbst also, wenn die Ausweitung der Produktion angekündigt wird, wobei diese im Mai in Saudi-Arabien und Russland bereits leicht höher war, dann dürfte das eigentlich nur der saisonalen Normalität entsprechen. Dass das anders kommuniziert wird, ist it hoher Wahrscheinlichkeit gewollt.

 

Steigt der Ölpreis jetzt?

 

Kommunikationspolitik und Charttechnik im Trading nutzen

Die Vermutung der bewussten Kommunikationspolitik konnte man im Trading gut nutzen. Ich hatte die Interpretation und die Analyse bereits im Mai in diesem Artikel dargelegt:

 

„Die aktuellen Aussagen dürften womöglich als Kommunikationspolitik verstanden werden. Ob die Länder jedoch tatsächlich einen stark fallenden Ölpreis haben möchten, ist zum gegebenen Zeitpunkt fraglich und wird spätestens im OPEC-Meeting am 22. Juni sichtbar werden. Dennoch, erfahrungsgemäß dürfte die Kommunikation als belastender Faktor, bis auf weiteres, durchaus die Korrektur begünstigen.“

 

Der Ölpreis ist in diesem Zeitraum aus dem kurzfristigen Aufwärtstrend ausgebrochen und hat auch auf charttechnischer Basis die Erwartung bestätigt. In der vergangenen Woche konnte sich der Preis oberhalb der längerfristigen Trendlinie wieder stabilisieren, nachdem Marktteilnehmer realisiert haben, dass die OPEC kaum gewillt ist die Produktion massiv auszuweiten.

Allerdings kam der Einbruch unter die besagte Trendlinie trotzdem zum Ende der Woche hin, was aber größtenteils mit der Ankündigung Chinas zusammenhängen dürfte, Zölle auf Ölimporte aus den USA zu verhängen. Hier spielte also kaum die OPEC oder Russland eine Rolle. Ich will nicht ausschließen dass die OPEC überraschend eine größer, als erwartete Produktionsausweitung ankündigt. In diesem Fall dürfte der Ölpreis weiter deutlich einbrechen. Im gegensätzlichen Fall und ausgenommen andere Risiken, dürfte das meiste der jüngsten Kommunikation jedoch aus meiner Sicht bereits eingepreist sein.

 

Ölpreis Chart auf Tagesbasis

Rohöl Preis Chart vom 20.06.2018
Quelle: IG Handelsplattform
David Iusow
Über David Iusow 19 Artikel
David Iusow ist zurzeit als Markt Analyst bei DailyFX Deutschland tätig. Einem Tochterunternehmen der IG Group, die wiederum das weltweit größte Brokerhauses für CFDs und Aktien ist. Er bringt zehn Jahre an Handels- und Analyseerfahrung mit und führt zudem einen eigenen Blog. Seine Strategien basieren auf der Analyse der Charttechnik, Analyse der Intermarketbeziehungen sowie der Analyse der aktuellen fundamentalen News und Trends.

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