GroKo und Strafzölle: DAX steigt trotzdem

Strafzölle in den USA: DAX steigt trotzdem
Strafzölle in den USA: DAX steigt trotzdem
 

Auf Regen folgt Sonnenschein, auf Kälte wieder eine Wärmeepoche. Wie beim Wetter, so auch an der Börse. Wir sahen einen recht stabilen DAX in der Vorwoche, der um 3,6 Prozent zulegen konnte. Damit verlief die Entwicklung in vollem Einklang mit dem Dow Jones an der Wall Street und wurde nur von den Technologiewerten getoppt. Und das nach der GroKo, US-Strafzöllen und der EZB-Sitzung – DAX steigt trotzdem! Wie sich dies genau vollzog, erörtere ich hier noch einmal kurz und gebe dann einen Ausblick auf die charttechnischen Rahmenbedingungen der kommenden Handelswoche.

 

Emotionaler Start: DAX steigt trotzdem

Die Zeichen standen auf Rot zum Wochenstart. Bereits vorbörslich fielen die DAX-Indikationen und damit der Future (ab 8 Uhr Handel des FDAX) unter die skizzierte Unterstützung. Hierzu noch einmal als Erinnerung das große Chartbild aus der Vorwochenanalyse:

Tageschart DAX Augusttief
Tageschart DAX Augusttief

Mit der Eröffnung im XETRA-Handel wurde dieser Bereich jedoch schnell zurückerobert und ist in der Charteinstellung 9.00 Uhr bis 17.30 Uhr somit nicht zu sehen. Damit Sie nicht verwirrt sind, verweise ich hier noch einmal auf den Artikel „Handelszeiten im Trading“.

Der Montag konnte dann letztlich über der Marke von 12.000 Punkten enden und den besten Tag der Handelswoche manifestieren. In Summe zeigte er eine Handelsspanne von 400 Punkten auf, wie ich im Forum hier vermerkte:

Handelsspanne DAX nach der GroKo
Handelsspanne DAX nach der GroKo

Mit 1,5 Prozent Kurszuwachs direkt nach der GroKo-Entscheidung und Italien-Wahl (beide Entscheidungen bewegten uns vor genau einer Woche) kann man dies als positive Marktinterpretation zusammenfassen.

Der Dienstag konnte hier noch einmal einige Punkte zum Start aufsatteln und damit ein GAP verursachen. Dies hatte starke Anziehungskraft, da es mit Blick auf die Vorwoche und dessen GAPs eine Insel formierte. Im Hoch stand die 12.260 Punkte-Marke auf der DAX-Tafel. Doch per Schlusskurs wurde sich wieder am Montagsschluss orientiert und damit das GAP geschlossen. Dazu schrieb ich an dieser Stelle etwas:

GAPs im DAX am Dienstag
GAPs im DAX am Dienstag

Erst am Mittwoch gelang dann der Sprung über die 12.200 auch per Notiz zum Closing. Dies war ein positives Signal und die Revision des Short-Signals von vor zwei Wochen. Folglich gelang dem DAX charttechnisch auch am Donnerstag noch ein weiterer Schritt nach oben und am Freitag sogar kurzzeitig der Blick über die Marke von 12.400 Punkte. Zwischenzeitliche Schwäche-Signale waren hier nicht von Dauer, aber auch die gab es natürlich, wie dieses Signal-Posting basierend auf einer Trendlinie zeigt:

Trading nach Trendlinie DAX Donnerstag
Trading nach Trendlinie DAX Donnerstag

Vier positive Tage also und ein Freitag, der eher als Konsolidierung wahrgenommen werden kann. Denn hier wirkte der robuste Arbeitsmarkt stützend. Es wurden außerhalb der Landwirtschaft 313.000 neue Stellen geschaffen. So schaut letztlich die Gesamtwoche sehr positiv aus:

 

DAX Wochenüberblick KW10
DAX Wochenüberblick KW10

 

Der negative Fakt von US-Präsident Donald Trump, Schutzzölle für einzelne Bereiche der Wirtschaft zu definieren (Aluminium 10% und Stahl 25%) schlug (noch!) nicht auf die Aktienmärkte durch. Man konnte es trotz aller negativen Meldungen sehen, der DAX steigt trotzdem. Dabei fürchten Autobauer einen Handelskrieg. Die Exportwerte Volkswagen, Daimler und BMW aus dem DAX könnten hiervon direkt betroffen sein, wie auch die Zulieferer aus der Automobilindustrie (dazu finden Sie im Thema alle News). Ob der DAX dann trotzdem steigt, ist zu bezweifeln.

Auch kann eine Gegenreaktion der EU diese Situation weiter verschärfen. Eine vorläufige Liste der EU-Kommission sieht Strafzölle auf US-Produkte wie Whiskey, Mais und Erdnussbutter vor. Welche Auswirkungen dies haben kann, ist sehr schwer abzusehen. Von daher werde ich dazu erst Stellung beziehen, wenn mehr Fakten auf dem Tisch liegen. Vermutlich kürzte sich dieser erste negative Effekt mit der positiven Meldung weg, dass sich US-Präsident Donald Trump mit dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un versöhnen oder zumindest treffen möchte.

Da es hier aber vorrangig um die Chartaussichten für die kommende Woche im DAX gehen sollte, baue ich diesen Einschub nicht weiter aus und lenke nun inhaltlich wieder zurück zum Kernthema.

 

Ausblick kommende Handelswoche

Bezugnehmend auf das große Chartbild und Schaubild 1 der Analyse, hat der DAX somit die August-Tiefs aus dem Vorjahr verteidigt. Dies ist im Tageschart sehr deutlich zu erkennen:

DAX August-Tiefs verteidigt
DAX August-Tiefs verteidigt

 

Dass diese Bewegung im Trend verlief, zeigt sich deutlicher im Stundenchart:

 

 

DAX Trend im Stundenchart
DAX Trend im Stundenchart

Charttechnisch verlief diese Bewegung übrigens bis an die 12.400 Punkte heran, die wiederum einen prägnanten Bereich darstellt. Dazu schiebe ich die Skalierung im Chartbild des Stundenchart noch einmal enger zusammen. Hier rückt dann die Range aus Mitte Februar erneut in das Blickfeld, die uns immerhin zwei Wochen lang beschäftigte. Sie erinnern sich vielleicht?

Range aus KW6/7 im DAX Widerstand
Range aus KW6/7 im DAX Widerstand

Genau hier könnten sich die Bullen erst einmal festlaufen. Es ist ein schwieriger Bereich, wie wir noch aus dem letzten Monat wissen. Große Marktteilnehmer würden daher erst wieder nach Überwindung dieser Widerstandszone einsteigen. Dies wäre ab einem Kurs von 12.530 Punkten denkbar, wie folgendes Chartbild zeigen soll:

Grosses Kaufsignal DAX über 12500
Grosses Kaufsignal DAX über 12500

 

In Kombination der beiden gezeigten Chartinhalte Aufwärtstrend und Widerstands-Range tendiere ich hier vorerst zu Short-Trades an diesem Bereich. Diese Denkweise verstärkt sich noch einmal, wenn der Trend zu brechen droht. Spätestens unter den Tageshochs von Dienstag und Mittwoch wäre diese der Fall, konkret unter 12.260 Punkte. Erneut aufgezoomt im Stundenchart somit ab dieser optischen Schwelle:

Short Szenario DAX ab Trendbruch
Short Szenario DAX ab Trendbruch

Was denken Sie an diesem Bereich? Ihre Meinung interessiert sicherlich nicht nur mich als Autor:

 


 

Impulse können hier natürlich wieder aus den USA erfolgen – ob zu den Strafzöllen und der Reaktion seitens der EU oder an den kommenden Terminen aus dem Wirtschaftskalender. Hier stehen am Dienstag die US-Verbraucherpreise, am Mittwoch die Einzelhandelsumsätze und Freitag die EU-Verbraucherpreise um 11 Uhr an. Achten Sie bitte auf die Zeitumstellung. In den USA wird bereits dieses Wochenende umgestellt. Somit sind die Termine zeitlich versetzt!

 

Herzlichen Dank für Ihre Zeit, meine Vorbereitung der Handelswoche zu lesen. Viel Erfolg vorab und genießen Sie zudem die ersten Frühlingstemperaturen.

Ihr Andreas Mueller (Bernecker1977)

Bernecker1977
Über Bernecker1977 194 Artikel
Bernecker1977 ist der Trader, Referent und Coach Andreas Mueller. Er handelt seit rund 20 Jahren Indizes, Devisen und Rohstoffe an der Börse mit Futures, Derivaten und CFDs und ist nicht nur auf wallstreet-online bereits seit dem Jahr 2005 in den "Tages-Trading-Chancen" Ansprechpartner für alle börsenrelevanten Fragen.

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.




* Die Checkbox für die Zustimmung zur Speicherung ist nach DSGVO zwingend.

Ich stimme zu.