EUR/USD – Wo stehen wir gerade?

EUR/USD - Wo stehen wir
EUR/USD - Wo stehen wir
 

Liebe Leser,

die technische Bodenbildung im EUR/USD fand möglicherweise ihr abruptes Ende. Drei hauptsächliche Faktoren spielen dabei, meiner Meinung nach, eine Rolle.

1) EZB-Aussagen, 2) EU-Inflation 3) Frankreich Wahlen.

EUR/USD – Wo stehen wir gerade?

Das letzte FOMC-Protokoll, das für Investoren ebenfalls einige Überraschungen bereit hielt, hat zumindest aktuell, aufgrund der erhöhten politischen Risiken, keinen besonderen Einfluss auf den Euro. Zumal eigentlich noch keiner so recht einschätzen kann, wie und wann die FED ihre Bilanz verkleinern wird und ob man aufgrund dessen, tatsächlich mit weniger Zinsschritten in diesem Jahr rechnen sollte. Dazu weiter unten mehr.

EZB will weiterhin locker bleiben

Laut einigen Aussagen der EZB, die vor einigen Wochen über Reuters geleakt wurden, sollen Marktteilnehmer die letzte Pressekonferenz mit Mario Draghi wohl falsch interpretiert haben. Ich finde das recht amüsant. Die richtige Formulierung sollte wohl gewesen sein, „die EZB-Fritzen haben keine Ahnung wie sie was richtig kommunizieren sollen“. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein so effizienter Markt wie der Währungsmarkt etwas falsch interpretiert. Zumal es ja auch andere Dinge geben kann, die für eine weniger lockere Geldpolitik sprechen würden. Wenn man aber nicht in der Lage ist zu kommunizieren, dann ist man wenigstens in der Lage die Dinge nach Belieben zu recht zu rücken. Das hat man dann, meiner Meinung nach, getan.

Wie dem auch sei. Die Verbraucherpreise, die per Januar und Februar deutlich angezogen sind, entwickelten sich per März wieder schwächer. Das war zu erwarten gewesen. Inflationsangst berechtigt? Zum einen fällt der Basiswert aus dem vergangenen Jahr hoch aus und zum anderen sind die Ölpreise nicht mehr übermäßig gestiegen. Da auch keine Zweitrundeneffekte in der Lohninflation zu erkennen waren, ist ein niedrigerer Wert per März keine Überraschung gewesen. Er spielte jedoch eindeutig in die Karten der zuvor gemachten EZB-Aussagen und unterstützte damit den EUR/USD Kursverfall. Ob sich dieser Trend weiter fortsetzt, ist noch unklar. Die nächsten Daten werden es zeigen.

Und zu guter Letzt flammen nun wieder politische Ängste auf. Wenn ich ehrlich bin, habe ich keinen großen Bezug zur französischen Politik und auch keine wirkliche Lust mich damit eingehend zu beschäftigen. Denn, wie im vergangenen Jahr bereits erlebt, es kann anders kommen als viele denken und dieses Herumraten macht mir persönlich keinen Spass. Ich habe bereits zu Beginn des Jahres die Wahlen in Frankreich als ein hohes Risiko angesehen. Denn, Frankreich ist nicht Großbritannien und auch nicht Italien. Wenn Frankreich Au Revoir sagt, dann ist das Getöse in der EU wahrscheinlich sehr groß.

Was sagt die Markttechnik im EUR/USD?

EURUSD Chartanalyse Daily

Reine Markttechniker dürften sich seit einiger Zeit die Haare raufen. So viel sei gesagt. Im Zeitalter der Algos, werden Fehlausbrüche zur Normalität. Damit sollte man sich so langsam anfreunden. Und der EUR/USD Kurs, mit seiner seit 2015 bestehenden Seitwärtsphase ist da eher die Regel und keine Ausnahme. Wie oben im Chart zu sehen, lässt sich leider nicht mehr, wie zuvor erhofft, eine technische Bodenbildung erkennen, sondern eine Art bärische Flagge. Diese gilt jedoch als Konsolidierungs- und Fortsetzungsformation. Rein aus der markttechnischen Perspektive, erscheint mir daher die Auflösung nach unten wahrscheinlicher. Zumindest unter den aktuell gegebenen Umständen. Ob es dann aber wirklich in Richtung Parität geht, wird von anderen wesentlichen Faktoren bestimmt, wie etwa dem Zinspfad der FED oder einem der oben genannten Faktoren EZB und EU-Inflation. Dazu mehr im Fazit.

FOMC-Protokoll und US-Dollar Index

Der US-Dollar Kurs spielt in der Entwicklung des EUR/USD Währungspaares ebenfalls eine große Rolle. Die Frage ist, in wie fern wird die Verringerung der FED-Bilanz Auswirkungen auf den FED-Zinspfad haben? Nach der Bekanntgabe, zeigt der US-Dollar Index zunächst Schwäche, weil man davon ausgeht, dass eine Verringerung der Bilanz mit weniger Zinsschritten einhergeht. Aussagen einiger FED-Mitglieder haben jedoch zu verstehen gegeben, dass der Fed Fund Rate, eine höhere Priorität beigemessen wird. Was so viel heißt, dass man in diesem Jahr mit den geplanten Zinsschritten rechnen sollte.

Ein großer Teil der gehaltenen Assets läuft im nächsten Jahr aus (ca. 425 Mrd. US-Dollar). Sollte die FED nicht wieder reinvestieren, also die Bilanz bereits dann schon geringer halten, müssten sich andere Käufer finden lassen. Das geht nicht ohne höhere Zinsen, bzw. fallende Kurse bei den jeweiligen Assets. Um den Markt nicht zu destabilisieren, wird die FED womöglich sehr behutsam dabei vorgehen. Dass man vor Kurzem wieder stark zugekauft hat (hierzu fand auch deepinsidehps einige passende Worte in diesem Beitrag hier), spricht ebenfalls dafür, dass die Verringerung der Bilanz langsam von Statten gehen wird.  In diesem Jahr sollte man wohl höchstens mit einer Ankündigung rechnen. Die Zinsschritte bleiben weiter im Fokus.

Im Gegensatz zum EUR/USD Kurs war die Markttechnik im US-Dollar Index ein besserer Signalgeber. Der Index drehte mustergültig an der Kreuzunterstützung in deren Kursbereich sowohl die Nackenlinie der SKS-Formation, der 200-Tagedurchschnitt sowie eine relevante Trendlinie verlaufen. Das untere Chart macht es deutlich. Außerdem bewegt sich der Index nun erneut sehr nahe der Korrekturtrendlinie. Kurse über 101.50 Punkte, dürften die Fortsetzung des langfristigen Trends wieder wahrscheinlich machen.

EUR/USD - Wo stehen wir
US-Dollar Index Chartanalyse Daily

Fazit

Viel Hoffnung gab es in diesem Jahr, zumindest für einen mittelfristigen EUR/USD Turn-Around. Doch die Wette ging bisher nicht auf. Womöglich muss diese Hoffnung erst einmal psychologisch zerstört werden, bevor es tatsächlich in Richtung fairer Wert geht. Diese Erwartungen könnten nach den Wahlen in Frankreich sowie einer erneut anziehenden EU-Inflation in den nächsten Monaten neue Unterstützung finden. Auf der anderen Seite, sind die beiden Zinsschritte der FED, noch nicht gänzlich eingepreist. Und ich gehe davon aus, dass sie in diesem Jahr kommen werden. Ein festerer US-Dollar könnte den Euro belasten.

EUR/USD – Wo stehen wir zukünftig?

Daher sehe ich zum gegebenen Zeitpunkt zwar immer noch keine Parität im EUR/USD Kurs kommen, aber zumindest die Seitwärtsphase mit einer leichten Abwärtstendenz, sollte uns womöglich weiterhin erhalten bleiben.

Weiter Beiträge von mir finden Sie hier.

Viel Erfolg!

David Iusow

David Iusow
Über David Iusow 19 Artikel
David Iusow ist zurzeit als Markt Analyst bei DailyFX Deutschland tätig. Einem Tochterunternehmen der IG Group, die wiederum das weltweit größte Brokerhauses für CFDs und Aktien ist. Er bringt zehn Jahre an Handels- und Analyseerfahrung mit und führt zudem einen eigenen Blog. Seine Strategien basieren auf der Analyse der Charttechnik, Analyse der Intermarketbeziehungen sowie der Analyse der aktuellen fundamentalen News und Trends.

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