Wunschanalyse: FinTech Group AG

Aktienanalyse FinTech Group AG
Wunschanalyse: FinTech Group AG
 

Heute schaue ich mir auf Wunsch eines Lesers die FinTech Group AG an. Sie bietet Banking-Produkte für andere Unternehmen zu deren eigenen Verwendung an. Sicherlich kennen Sie einige dieser Produkte schon, doch lesen Sie selbst diese Wunschanalyse zur FinTech Group AG.

 

FinTech Group AG: Das Unternehmen (WKN: FTG111)

Im ersten Schritt möchte ich Ihnen die FinTech Group vorstellen. Das Unternehmen besteht aus mehreren Geschäftsbereichen (Quelle):

  • B2C (business-to-customer)
    • Flatex
    • ViTrade
  • B2B (business-to-business)
    • FinTech Group Bank
  • Innovation
    • FinTech Lab

Der Online Broker Flatex dürfte vielen Lesern bekannt sein. Flatex betreibt nach eigenen Angaben die am schnellsten wachsende Trading-Plattform Europas (Quelle). Der B2B-Bereich ist zwar naturgemäß weniger bekannt, dennoch finde ich diesen mindestens genauso spannend. Dahinter verbirgt sich das Stichwort White-Label-Banking.

„White-Label-Produkte sind Produkte eines Herstellers, die nicht unter dessen eigener Marke, sondern als (scheinbares) Produkt eines anderen Herstellers (…) unter anderer Marke verkauft werden“ (Quelle). Die FinTech Group bietet somit Banking-Produkte (bzw. die entsprechende Technologie) für andere Unternehmen zu deren eigener Verwendung (unter eigenem Namen) an. Dies bietet zwei riesige Chancen:

  1. Das Geschäftsmodell ist unheimlich gut skalierbar. Die theoretischen Wachstumsmöglichkeiten sind gigantisch. Wichtig ist aber, dass die FinTech Group technologisch immer nah am Puls der Zeit bleibt und die sich schnell wandelnden Kundenbedürfnisse stets rechtzeitig erkennt.
  2. Der Finanzmarkt ist streng reguliert, nur noch große Bankhäuser schaffen es mit massiven Investitionen (vor allem in die IT-Strukturen) den ständig neuen Vorschriften zu begegnen. Kleinere Unternehmen geraten dabei schnell unter Druck. Insbesondere kann es Start-Up-Unternehmen schwer fallen, sofort alle Anforderungen zu erfüllen – selbst wenn sie ein an sich ein gutes Geschäftsmodell haben. In Zukunft könnten somit sehr viele Unternehmen auf den Zukauf externer White-Label-Lösungen angewiesen sein.

Flatex als Marktplatz

Interessant finde ich auch die Tatsache, dass z.B. flatex mit dem Aufbau eines Marktplatzgeschäftes neue Wege beschreitet. So können flatex Kunden Festgeld-/ Termingeld-Angebote anderer Banken vergleichen und direkt im flatex-Portal abschließen. Ähnliche Marktplätze kann der Konzern natürlich auch bei anderen Banken oder Vergleichsportalen als White-Label-Lösung integrieren. Wer sich andere Aktien mit Marktplatz-Geschäftsmodellen, wie beispielsweise bei Hypoport, anschaut, der erkennt schnell das Potential. Die Aktie von Hypoport hat seit Anfang 2014 (d.h. in weniger als vier Jahren) um mehr als 1.100% zugelegt. Achtung: Die Geschäftsmodelle von Hypoport und der FinTech Group sind nicht vergleichbar. Das Rechenbeispiel soll nur zeigen, dass IT-gestützte und skalierbare Lösungen unvorstellbare Chancen bieten.

Und eins noch: Selbstverständlich kann ich die Qualität der White-Label-Produkte nur schwer bewerten. Nach Angaben des Unternehmens gehören zu den Kunden aber namhafte Unternehmen wie auxmoney oder auch Rocket Internet (Quelle). Darüber hinaus sind strategische Partner wie die Deutsche Bank, die Commerzbank und MorganStanley mit an Bord (Quelle).

Folgendes möchte ich damit sagen: In Zeiten der Digititalisierung klingt das Geschäftsmodell der Fintech Group plausibel. Aber selbstverständlich ist das nur ein oberflächlicher Blick auf die Firma. Ich persönlich kaufe Aktien nur, wenn deren „Equity-Story“ durch technische Kaufsignale des Marktes bestätigt werden. Denn am Ende des Tages nützt es Ihnen nichts, wenn Sie glauben „Recht zu haben“ – der Marktpreis aber eine andere Meinung vertritt. Außerdem werfe ich noch einen kurzen Blick auf die Bewertung.

FinTech Group AG: Bewertung des Unternehmens

Die prognostizierte Umsatzentwicklung macht zunächst einmal Lust auf mehr:

Aktienanalyse FinTech Group AG
Eigene Darstellung, Quelle

Ob sich die Prognosen bewahrheiten, weiß ich natürlich nicht. Wir halten aber fest: Das Geschäftsmodell bietet Wachstumschancen und die Umsatzprognose ist klasse. Aber wie wird das Unternehmen vom Markt bewertet?

  • KGV
    • 2017 (Prognose): 20,5 (Stand: 28.10.2017)
    • 2018 (Prognose): 15,7 (Stand: 28.10.2017)

Also ich weiß nicht, was Sie denken, aber ich finde das KGV spannend! Die Betrachtung des Geschäftsmodells hat meiner Meinung nach gezeigt, dass es sich um ein Unternehmen mit riesigem Wachstumspotential handelt. Der Markt bepreist das Unternehmen aktuell aber nicht als stark wachsendes Unternehmen, dafür müsste das KGV größer sein.

Ist mein erster Eindruck vom Geschäftsmodell also falsch? Schafft es das Unternehmen also nicht stark zu wachsen? Oder beginnt der Markt gerade erst, das Potential des Unternehmens zu erkennen? Um diese Fragen zu beantworten, würde ich gerne die Signale des Marktes betrachten. Hierzu werfen ich einen Blick auf den Chart.

FinTech Group AG: Technische Analyse

Lassen Sie uns einen Blick auf den Chart werfen:

Aktienanalyse FinTech Group AG
Eigene Darstellung Chart Fintech Group erstellt mit TraderFox

Mein Trendfolge-Algorithmus vergibt hier die volle Punktzahl. Darüber hinaus sehen Sie, dass es zuletzt im August diverse Kaufsignale gab:

  • Ausbruch aus einer bullishen Flagge
  • bullisher Umkehrstab direkt auf einer Unterstützungszone (der intraday-Fehlausbruch nach unten kann ebenso bullish interpretiert werden, da die Bären trotz Ausbruch nach unten keine Abwärtsdynamik entwickeln konnten)
  • positive Divergenz beim Momentum

Kurz danach ist der Marktpreis in eine steile Aufwärtsbewegung übergegangen. Einige Indikatoren deuten mittlerweile auf eine überkaufte Situation hin. Somit stellt sich die Frage: Sind wir „zu spät“? Selbstverständlich kann ich Ihnen diese Frage nicht beantworten. Ich kann aber mit Ihnen darüber diskutieren, welche Vorgehensweise in solch einer Situation sinnvoll ist.

Zunächst aber noch eine Anmerkung zur technischen Analyse: Bitte beachten Sie unbedingt das auffällige Verhalten der Marktteilnehmer. Es sieht so aus als ob der Markt wie vom Blitz getroffen das Unternehmen plötzlich „entdeckt“ hätte. Die Marktwahrnehmung bzw. das Marktverhalten hat sich systematisch geändert. Das Volumen ist in den letzten Wochen viel höher als früher. Irgendetwas geht da vor sich. Das macht den Wert umso spannender!

Meine konkrete Vorgehensweise in solchen Konstellationen

Normalerweise versuche ich Aktien „günstig“ (d.h. nicht an einem Hochpunkt; am besten an der unteren Begrenzung eines Aufwärtstrends) in einem bestehenden Aufwärtstrend zu kaufen. Im Optimalfall genau dann, wenn noch weitere bullishe Impulse (z.B. Umkehrstäbe, charttechnische Signale) zu erkennen sind. Bei dem Chart oben wäre das Ende August der Fall gewesen. Diese Chance ist nun vorbei.

Aber gerade bei Aktien mit kräftigen Aufwärtstrends steige ich gerne auch mal sehr „teuer“ (z.B. auf einem Allzeithoch) ein. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass kräftige Trends oftmals über Jahre hinweg bestehen bleiben und die Nachfrage dabei so hoch sein kann, dass es schlichtweg niemals „günstige“ Einstiegskurse (also keine größeren Rücksetzer) gibt. Solche Aktien, sind meiner Meinung nach die besten überhaupt – schließlich muss es einen Grund dafür geben, dass die Nachfrage kontinuierlich so hoch ist.

ACHTUNG: Bei der FinTech Group AG war dies in der Vergangenheit NICHT der Fall. Der Aufwärtstrend ist erst taufrisch. Zudem hat sich der Kurs beispielsweise in 2016 fast halbiert. Das Volumen deutet aber darauf hin, dass der Markt die Aktie seit kurzer Zeit ganz anders wahrnimmt. Irgendetwas tut sich da. Und die aktuelle Trendbewegung war zuletzt sehr stark. Für mich wäre das durchaus eine Konstellation, in der Trader auch einen „teuren“ Einstieg wagen könnten, damit einem die Aktie im bullishen Szenario nicht „davonläuft“. Bitte beachten Sie aber wie immer die hohen Risiken bei solch einer stark schwankenden Aktie. Wie immer handelt es sich nur um meine persönliche, private Meinung.

Ich hoffe, die Aktienanalyse zur FinTech Group AG hat Ihnen gefallen und ich freue mich auf Ihr Feedback. Schauen Sie gerne auch auf meiner Website vorbei: Trendfolge-Investments.com. Neben der Vorstellung spannender Trading-Ideen werfe ich dort auch regelmäßig einen Blick auf die Verfassung von DAX, Dow Jones & Co mit Hilfe meines eigenen Trendfolge-Algorithmus.
Viele Grüße
Christian F. Hardt

Christian F. Hardt
Über Christian F. Hardt 10 Artikel
Christian F. Hardt ist technischer Analyst (M.Sc. in Quantitative Finance) und leidenschaftlicher Trendfolger. Er handelt seit über 10 Jahren verschiedene Basiswerte mit einem Schwerpunkt auf deutsche und amerikanische Aktien. Auf seinem Blog Trendfolge-Investments.com informiert er über aktuelle Investment-Ideen und schreibt wöchentliche Marktkommentare unter Nutzung seines Trendfolgekonzepts.

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