Workday Inc – Aktie eines Weltmarktführers, den (noch) fast niemand kennt

Workday Inc - Aktie eines Weltmarktführers, den (noch) fast niemand kennt
Workday Inc - ein Weltmarktführer, den (noch) fast niemand kennt
 

Heute möchte ich Ihnen an dieser Stelle mal eine Aktie aus dem US-Technologiesektor vorstellen, von der viele wohl noch nie gehört haben: Workday Inc. Dies ist auch gar nicht schlimm, denn zum einen ist das Unternehmen Workday erst 13 Jahre alt (also quasi noch ein Teenager) und zudem sehr spezialisiert. Seien Sie gespannt.

 

Was man über Workday Inc wissen sollte

Workday Inc. heißt übersetzt „Werktag“ (von „work day“) und wurde im März 2005 vom vormaligen PeopleSoft-Gründer und -CEO David Duffield (PeopleSoft wurde zuvor von Oracle geschluckt) sowie dem ehemaligen PeopleSoft-Chefstrategen Aneel Bhusri gegründet. Bhusri war dabei ein Partner des renommierten Venture Capital-Gebers Greylock Partners, die daher ein früher Investor waren.

 

Der Börsengang

Der Börsengang von Workday erfolgte jedoch bereits vor mittlerweile knapp sechs Jahren, im Oktober 2012, unter dem US-Symbol WDAY. Beim IPO wurde die Gesellschaft seinerzeit mit 9,5 Mrd. US-Dollar bewertet, aktuell beträgt die Market Cap. bereits rund 30 Mrd. US-Dollar, Tendenz steigend. Damit war der IPO von Workday seinerzeit übrigens der größte IPO an der NASDAQ seit dem Mega-Börsengang von facebook im Mai des gleichen Jahres. Zudem war es ein sehr erfolgreicher Börsengang, denn schon am ersten Handelstag stieg die Aktie um sage und schreibe +74%, die „Dotcom Bubble“ ließ grüßen.

 

Was macht Workday?

So viel zur Geschichte von Workday. Aber was macht das Unternehmen eigentlich? Nun, es handelt sich um eine Software Company, deren Software über das Internet (Cloud!) genutzt werden kann. Die Software ermöglicht dabei sowohl die Finanz- als auch die Mitarbeiterplanung (Human Capital Management/Human Resource Management) eines Unternehmens. In gewisser Hinsicht kann man Workday daher durchaus als Konkurrent der deutschen Erfolgsstory Atoss Software bezeichnen. Allerdings ist Workday deutlich größer und – wie fast immer bei US-Firmen – international deutlich verbreiteter.

 

So setzen zahlreiche kleinere aber durchaus auch große Unternehmen auf die Software-Lösungen von Workday, darunter so bekannte Namen wie Amazon.com, AstraZeneca, Chiquita (Bananen), easyJet, GlaxoSmithKline (GSK), HP Enterprise (HPE), Netflix oder Sanofi. Die wohl wichtigste Anwendung ist dabei die Gehaltsabrechnung für die entsprechenden Mitarbeiter. Das dies möglich ist zeigt auch wie gut die Software ist, denn schließlich sind die entsprechenden Regeln (z.B. Steuersätze) in den verschiedenen Ländern völlig unterschiedlich. Gerade in diesem Bereich aber ergibt eine Cloud-Lösung richtig Sinn, denn bei entsprechenden Gesetzesänderungen können diese zentral implementiert werden und stehen dann allen Kunden zur Verfügung.

 

Finanzdaten zu Workday Inc

Nachdem wir nun wissen worum es bei Workday geht, schauen wir uns nun die Umsatz- und Gewinnentwicklung der Gesellschaft an. Dabei ist zu beachten, dass das Geschäftsjahr des Unternehmens stets Ende Januar endet. Und um es gleich vorweg zu nehmen: In den vergangenen vier Jahren konnte der Konzern seinen Umsatz von knapp 790 Mio. auf gut 2,14 Mrd. US-Dollar fast verdreifachen. Allerdings war Workday dabei in keinem Geschäftsjahr profitabel, die Verluste lagen zwischen knapp -250 Mio. und knapp -400 Mio. US-Dollar. Wobei die Entwicklung in die richtige Richtung geht, denn im zum Ende Januar 2018 endenden Geschäftsjahr konnten die Verluste immerhin um rund -20% auf „nur“ noch ca. -320 Mio. US-Dollar eingedämmt werden.

 

Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2018/2019 (das Geschäftsjahr endet am 31. Januar 2019) konnte man den Umsatz immerhin um knapp +29% (gegenüber dem vergleichbaren Vorjahresquartal) auf knapp 620 Mio. US-Dollar steigern. Allerdings stieg auch der Quartalsverlust dabei um knapp +20% auf gut -71 Mio. US-Dollar. Trotzdem ist davon auszugehen, dass sich Workday auf Sicht der nächsten zwei bis drei Jahre in Richtung Profitabilität bewegt. Bis dato jedoch hat das Wachstum, gemeint ist natürlich das Umsatzwachstum, höchste Priorität. Wobei dies prinzipiell auch darüber hinaus gilt, denn ein Wachstumsunternehmen muss seinen Fokus immer auf das Wachstum legen.

 

Eine starke Bilanz

Wenn ein Unternehmen jedoch noch keine (nachhaltigen) Gewinne schreibt, ist eine möglichst starke Bilanz essentiell. Denn Verluste zu schreiben muss man sich leisten können. Und in der Tat ist die Bilanz von Workday als durchaus stark zu bezeichnen. So verfügt das Unternehmen über kurzfristig verfügbare finanzielle Mittel (Cash/Cash äquivalente Mittel/Short Term Investments) in Höhe von ca. 3,35 Mrd. US-Dollar. Selbst bei anhaltenden Verlusten von rund -300 Mio. US-Dollar pro Jahr wäre das Unternehmen also für ca. 11 Jahre durch finanziert. Zumal sich auch die Schuldenlast mit ca. 3,27 Mrd. US-Dollar in Grenzen hält, erst Recht da rund die Hälfte dieser Schulden ohnehin langfristige Verbindlichkeiten darstellen.

 

Die Bewertung der Aktie

Schaut man sich nun die Bewertung an, so wird hier ein Jahresumsatz von zuletzt 2,14 Mrd. US-Dollar, der jedoch im laufenden Jahr schon auf gut 2,75 Mrd. US-Dollar steigen soll, mit einer Market Cap. von 30 Mrd. US-Dollar belegt. Daraus errechnet sich ein KUVe von knapp 11, was extrem hoch erscheint, im Software-Sektor aber inzwischen als durchaus üblich bezeichnet werden muss. Ein KGV gibt es angesichts der anhaltenden Verluste natürlich nicht. Die Bruttomarge von zuletzt rund 70% zeigt dabei wie profitabel das Geschäft werden kann. Generell sind bei solchen Software-Unternehmen schließlich exorbitant hohe Margen möglich, da das Geschäft natürlich hoch skalierbar ist.

 

Schließlich muss eine Softwarelösung prinzipiell nur einmal programmiert werden und kann dann quasi beliebig oft verkauft werden. Der große Vorteil von Workday und ähnlichen neuen Software-Unternehmen gegenüber den alten Hasen wie Microsoft, Oracle oder SAP ist dabei, dass diese von vornherein ein Software-as-a-Service (SaaS) Geschäftsmodell etablieren konnten und daher keine Transformation in Richtung Cloud benötigen. Somit sind auch die Kunden nichts anderes als das dem zugrunde liegende Abonnementmodell gewöhnt und daher Umsätze und Gewinne für Analysten besser planbar, was alleine schon einen gewissen Bewertungsaufschlag verdient. Dennoch kann man bei der Aktie von Workday natürlich nicht von einem Schnäppchen sprechen, das ist klar.

 

Workday Inc als chancenreiche Aktie?

Warum sehe ich die Aktie dennoch als Kaufkandidaten an? Nun, langfristig ist klar, dass Workday durchaus Vorbildern wie Salesforce.com folgen könnte. Und eine Salesforce.com ist heutzutage immerhin sogar schon deutlich über 100 Mrd. US-Dollar wert. Würde sich Workday auf Sicht der kommenden 4-5 Jahre auch nur halbwegs in diese Richtung entwickeln, würde sich die Aktie mindestens verdoppeln, was immerhin Kursgewinnen von ca. +15% p.a. entsprechen würde. Dies wäre aus meiner Sicht die Untergrenze dessen, was mit dieser Aktie möglich sein sollte. Ich rechne jedoch eher mit bis zu +20% p.a, was letztlich zu einer Market Cap. von rund 75 Mrs. US-Dollar führen würde.

 

Aber natürlich bestehen hier – da hohe Chancen eben immer auch mit höheren Risiken verbunden sind – gewisse Risiken. In erster Linie sehe ich diese jedoch in einem Einbruch des Gesamtmarktes – und in einem solchen Fall trifft es letztlich fast alle Aktien. Trotzdem ist die Aktie von Workday natürlich kein Witwen- und Waisenpapier und eignet sich nur für spekulativ ausgerichtete Anleger, die auch eine erhöhte Volatilität aushalten. Zudem sollten Anleger, die hier investieren, die Aktie am besten täglich im Auge behalten und sich mit einem Stoppkurs absichern. Diesen darf man allerdings auch nicht zu eng wählen, da man sonst aufgrund der höheren Volatilität unglücklich ausgestoppt werden könnte.

 

Schauen wir uns daher zum guten Schluss den Chart der Aktie an, um so ein gutes Kauflevel, einen sinnvollen Stoppkurs sowie das Kursziel bestimmen zu können.

 

Chartanalyse der Workday Aktie

Das Chartbild sieht wie folgt aus:

 

Workday Inc. (NASDAQ: WDAY) Chartanalyse von Guidants.com
Workday Inc. (NASDAQ: WDAY) Chartanalyse von Guidants.com

 

Da die Aktie gerade dabei ist auf ein neues Allzeithoch zu klettern, was charttechnisch stets das beste Kaufsignal ist, bietet sich ein sofortiger Einstieg um 140,00 US-Dollar oder leicht darunter an. Sollte der charttechnische Ausbruch gelingen und damit das Kaufsignal generiert werden, läge das kurzfristige Kursziel für den Titel nämlich zwischen 165,00 und 170,00 US-Dollar, womit die ersten rund +20% eingefahren wären. Kurzfristige Trader könnten dann natürlich durchaus auch schon Gewinne mitnehmen, wobei ich ja längerfristig mehr Kurspotenzial sehe.

 

Das Chartbild ist von meinem Guidants-Account (Sascha Huber).

 

Wer eher kurzfristig orientiert ist, wählt dabei einen Stoppkurs knapp unterhalb der Marke von 133,00 US-Dollar, ich würde hier 131,72 US-Dollar vorschlagen. Denn mit einem solch deutlicheren Rückfall würde es unwahrscheinlicher, dass es mit dem anvisierten Kaufsignal klappt. Vielmehr könnte sich dann ein charttechnischer Ausbruch als Fehlausbruch herauskristallisieren, was kurzfristig negativ zu werten wäre.

Wer aber der Aktie ohnehin langfristig eine Chance geben möchte, kann den Stoppkurs etwas weiter setzen. Hier würde sich ein Stoppkurs unterhalb der horizontalen Unterstützung bei rund 122,00 US-Dollar anbieten. Ich würde dann gleich unter die Marke von 120,00 US-Dollar gehen und dementsprechend einen Stoppkurs bei 119,28 US-Dollar vorschlagen.

 

Fazit zur Workday Aktie

Workday Inc. ist ein noch relativ unbekannter Weltmarktführer in einer interessanten Branche mit einem vorzüglichen SaaS-Geschäftsmodell. Die Aktie weist aktuell eine hohe relative Stärke auf, was kurzfristige Kursgewinne ermöglichen könnte. Obwohl die Aktie kein Schnäppchen ist, verfügt der Titel jedoch auch über mittel- bis langfristiges Kurspotenzial. Wer bereit ist gewisse Risiken spekulativer Natur einzugehen, findet in der Aktie daher ein interessantes Investment. Allerdings bietet sich gerade aktuell auch ein eher kurzfristiger Trade an. Ob Sie hier nun investieren oder nur eine möglicherweise gute Tradingoption wahrnehmen wollen, liegt in ihrem eigenen Ermessen. Aber schauen Sie sich die Aktie doch mal näher an!

 

Beste Grüße

Ihr Sascha Huber

Sascha Huber
Über Sascha Huber 3 Artikel
Sascha Huber gilt als profunder Kenner der Hightechbranche. Als solcher erkannte er als einer der Ersten das große Potenzial von Aktien wie Amazon.com, Apple sowie zuletzt Facebook oder Tesla. Zwischen 2010 und 2014 arbeitete er als Chefredakteur eines Börsenbriefs, der im Oktober 2014 übernommen wurde. Herr Huber gilt als profunder Kenner von Kryptowährungen wie dem Bitcoin, Ether und Ripple. Außerdem managt er aktuell bereits sechs börsennotierte wikifolio-Zertifikate.

4 Kommentare

  1. Hallo, liest sich alles total spannend, verstehen kann ich es trotzdem nicht. Bisher meine ich verstanden zu haben, dass ich einen Teil meines Vermögens in Aktien anlegen muss. Misstrauen scheint der beste Schutz aber kaufen muss man ja auch irgendwann einmal, irgendwo. Kann ich das „Handwerk“ denn noch lernen oder muss ich meinem Spk Berater alles glauben?
    Herzliche Grüsse
    Petra Puschmann

    • hi,

      ich denke investieren kann jeder … und lernen, nun ja, es ist keine Raketen wissenschaft …

      1. das richtige Verständnis von Risiko sollte gegeben sein, jede Entscheidung enthält für sich genommen ein Risiko … schadensgröße kombiniert mit eintrittswahrscheinlichkeit … unbedingt zu vermeiden ist das ruin risiko

      2. das Bewusstsein darüber, dass die Zukunft unwahrscheinlich ist – vgl dazu einfache heuristik
      aus punkt 1 und 2 ergibt sich
      a: breite Portfolio Aufstellung

      b: niemals 100% aktien oder 100% cash oder oder oder …

      beispiel dafür zum beispiel mein wikifolio ANT1 FRAG

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