ProSiebenSat1 Die Aktionäre sind die Dummen!

Quelle: Pixabay CC0 Creative Commons
 

Eine Meldung die man nicht alle Tage in die Hände bekommt. Das Management von ProSiebenSat1 hat mit dieser Meldung vielleicht nicht Geschichte geschrieben aber es ist ein kaum zu übertreffendes Stück. Die Streichung der Dividende ist nicht ungewöhnlich, doch der zweite Part innerhalb dieser Meldung ist es!

 

Streichung der Dividende

 

Die Meldung (Quelle: comdirect)ist oberflächlich gelesen recht gewöhnlich. Umsatz und Gewinn stagnieren und um nötige Investitionen zu tätigen wird die Dividende um 50% gekürzt. Soweit so gut, es ist ein recht gewöhnlicher Schritt, besonders wenn man bedenkt dass die Unternehmung gerade einmal eine Eigenkapitalquote von ca. 20% aufweist (Stand 2017 Quelle: comdirect informer). Die Dividende sinkt damit von €441,9 Millionen Euro für das Jahr 2017 auf ca. €220 Millionen für das Geschäftsjahr 2018.

So müssen keine weiteren Fremdmittel aufgenommen werden und es ständen über € 200 Millionen Euro für Investitionen zur Verfügung. Es wäre insgesamt positiv zu werten, doch nun kommt der Hammer.

Dem Management fällt nichts besseres ein, als im gleichen Atemzug ein Aktienrückkaufprogramm zu verkünden.

 

ProSiebenSat1 verkündet Aktienrückkaufprogramm

 

Das Rückkaufprogramm soll schon am 9. November starten und sich über 12 bis 24 Monate hinziehen. Es sollen bis zu €250 Millionen dafür aufgewendet werden und fällt ihnen hier etwas auf?

Die durch die Streichung der Dividende eingesparte Summe wird zum Großteil von dem Aktienrückkaufprogramm aufgefressen. Das gilt jedenfalls, wenn das Programm über 24 Monate geführt wird. Sollte es hingegen innerhalb von 12 Monaten erfolgen, dann wird für das Programm sogar mehr aufgewendet, als durch die Streichung der Dividende eingespart wird.

Das ist Systematischer Wahnsinn und dient womöglich eher der Boni Pflege, als der Unternehmung. Zu diesem Thema schrieb ich im Artikel „Buyback-Programme: Ein nie dagewesener Raubzug“ diesen Jahres:

Diese Diskrepanz und auch die übermäßige, ja absurd hohe Bezahlung des Managements kommt besonders zum Vorschein in oligopolistischen Marktstrukturen. In den konsolidierten Branchen Pharma, Medien, Technologie und Finanz sind die Kompensationen für das Management besonders hoch.

Absolut erschreckend wirkt es, wenn man die Management Performance mit der Bezahlung vergleicht.

Aber das schlimmste an diesem Verhalten ist, dass es auch noch durch pseudowissenschaftliche Arbeiten gestützt wird. Hierbei werden nicht einmal die wichtigsten Fragen gestellt, sondern die Aussagen einfach so hingenommen. Ein Verhalten welches sich nicht nur bei den angeblich positiven Buybacks und der angenommenen Steuerersparnis für die Investoren wiederfindet, sondern auch bei solchen Anlage Mythen, wie zum Beispiel Low Volatility oder Dividenden Strategien. Dazu ist im Institutional Investor ein interessanter Artikel zu lesen.

Es ist und bleibt eine Sauerei, wenn den Anlegern die Dividende zusammengestrichen wird, Investitionen mit dem freiwerdenden Kapital angekündigt werden und dabei noch ein Rückkaufprogramm angekündigt wird, dass die Einsparung bei der Dividende in den Schatten stellt. Wo ist dort der Aufsichtsrat, wo der gesunde Verstand? Im Endeffekt sind die Aktionäre die Dummen, sie tragen zwar das Risiko aber von dem ach so positiven Effekt eines Buyback Programms werden sie nicht viel sehen.

Insgesamt ist die Performance der Aktie von ProSiebenSat1 nicht gerade berauschend.

Chartüberblick PSM – Quelle: comdirect (https://www.comdirect.de/inf/aktien/detail/chart.html?REQUESTED_REDIRECT=STOCK&ID_NOTATION=86712702#timeSpan=SE&e&)

Mit diesem Chart ist die Streichung der Dividende zu vereinbaren, doch ein Rückkaufprogramm, wofür? Die kurzfristige Kurspflege ist wohl besser, als der langfristiger Erfolg!

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4 Kommentare

    • jop … bei dem handeln koennte man vermuten dass das Management denkt die oeffentlichkeit und vor allem die aktionaere seien gehirnamputiert genug um das zu schlucken … andererseits wird es wohl sein oder bereiten die schutzverbaende schon klagen vor?

        • ach ja stimmt … die vorstaende einer ag haften ja nicht so wirklich … ansonsten gibt es glaube schon etwas was ein solches verhalten umschreibt …

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