Ist die Square-Aktie auch nach der 200% Rallye ein Kauf?

Die Rangliste der wertvollsten US Unternehmen
Die Rangliste der wertvollsten US Unternehmen
 

In diesem Beitrag stelle ich Ihnen heute die Square-Aktie vor. Dieses Unternehmen ist eines der derzeit wohl spannendsten High-Tech-Investments weltweit. Die Aktie ist zu Unrecht im deutschsprachigen Raum noch recht unbekannt, obwohl sie einer der High-Flyer in 2017 an der NASDAQ war.

In diesem Text erfahren Sie, welche Innovationen und Entwicklungen die Square-Aktie so interessant machen.

 

Die Idee zum Investment in die Square-Aktie

Sehr oft kommen mir die besten Investment-Ideen auf Reisen, wenn ich in fremder Umgebung neue Erfahrungen mache. Und so war es auch als ich auf einer meiner Reisen ins Silicon Valley vor ca. 2 Jahren zum ersten Mal auf die Services von Square aufmerksam wurde

Nach einer Taxifahrt in San Francisco wollte ich wie gewohnt mit Kreditkarte zahlen. Der Fahrer akzeptierte klaglos meine Mastercard, nutzte aber statt eines konventionellen Kartenlesers einen kleinen quadratischen Zusatzstecker an seinem iPhone, um meine Zahlung mit dem Smartphone entgegenzunehmen. Auf meine Frage nach der Quittung hin verlangte er von mir die Eingabe meiner eMail-Adresse in seine App und in derselben Sekunde erhielt ich die Taxi-Rechnung via eMail von einem mir damals unbekannten Unternehmen namens Square.

Soweit so gut.

Richtig erstaunt war ich dann, als ich wenige Stunden später in einem Café meinen Cappuccino mit derselben Mastercard zahlte. Denn der Coffeeshop nutze ebenfalls Square als Payment-System. Ungefragt bekam ich (natürlich ohne nochmalige Eingabe meiner eMail-Adresse) statt des Kassenzettels ein eMail mit der Quittung für meinen Cappuccino. Seitdem häufen sich in meiner Inbox die eMails von Square mit den Belegen für verschiedenste Zahlungen während meiner USA-Reisen.

 

Das Unternehmen Square, Inc.

Meine Erfahrung ist kein Zufall: Square ist im deutschsprachigen Bereich noch recht unbekannt, da man hierzulande noch gar nicht am Markt gestartet ist. In USA jedoch hat sich das Unternehmen innerhalb von nur wenigen Jahren bereits fest etabliert als alternativer Payment-Processing-Provider für mehr als 2 Mio. Unternehmen, die schon heute die Services von Square nutzen.

Mittlerweile benutzen z.B. im Silicon Valley die allermeisten Restaurants, Taxifahrer, etc.  die Square-Hardware, um ihr mobile device (zB iPad, iPhone) in ein Zahlungsterminal zu verwandeln und damit die Zahlungen ihrer Kunden entgegenzunehmen. Die Square-Kunden (d.h. z.B. die Restaurantbesitzer) sparen damit einen guten Teil der Provisionen, die sonst z.B. an Kreditkartenfirmen fällig werden.

Gerade vorgestellt wurde mit Square Register ein ganz neues Kassensystem. Das ist eine Komplettlösung bestehend aus Hardware, Software and natürlich den Square Payments Services. Gemeinsam sollen diese Komponenten den Bezahlprozess auch im traditionellen Offline-Handel wesentlich beschleunigen.

 

Mehr als nur Payment Processing – Square mit Banklizenz

Aber Square ist in meinen  Augen viel mehr als ein moderner Payment-Processing-Provider. Was da gerade in Windeseile entsteht, ist ein umfangreiches Angebot von verschiedensten Finanzdienstleistungen für kleinere und mittlere Unternehmen. Dieses wird zukünftig das Geschäft der klassischen Banken mit diesen Unternehmenskunden bedrohen. Folgerichtig hat Square kürzlich sogar eine eigene Banklizenz bei den zuständigen Behörden in USA beantragt.

Herauszuheben sind neben dem eigentlichen Kerngeschäft des Payment-Processing mindestens 4 weitere Geschäftsbereiche von Square:

 

1. Square Capital

Hinter Square Capital verbirgt sich ein schnell wachsendes Kreditgeschäft, welches Square relativ einfach und hochautomatisiert für seine Kunden anbieten kann.
Denn Square hat einen hervorragenden Überblick über die Finanzlage ihrer Kunden, da ja sämtliche Umsätze über die Square-Plattform abgewickelt werden. Das sind natürlich optimale Voraussetzungen, um vollautomatisiert mit Hilfe künstlicher Intelligenz über deren Kreditwürdigkeit entscheiden zu können.

Finanziert wird dieses Kreditgeschäft nicht über die eigene Bilanz, sondern durch die gebündelte Weitergabe der Kredite an institutionelle Kreditgeber. Das Potential von Square Capital als Kreditvermittler ist m.E. aufgrund des Wissensvorsprungs über den Kunden riesig. Der Phantasie sind da wenig Grenzen gesetzt.

 

2. Square Cash

Square Cash  ist ein USA sehr populärer Peer-To-Peer Payment Service mit dem Square direkt gegen den grossen Konkurrenten Paypal antritt. Konkrete Zahlen werden (noch) nicht veröffentlicht, aber die Cash App ist seit Monaten die Nummer 1 bei den Downloads im Bereich der Finanz-Apps im Apple iOS Appstore und Google Playstore.

 

3. Square Instant Deposit

Gegen die Zahlung einer zusätzlichen (stattlichen) Gebühr von 1% des Umsatzes stellt Square die Zahlungen der Endkunden seinen Verkäufern in Real-Time auf ihrem Konto bereit. Normalerweise vergehen 1-2 Tage bis zur Gutschrift. Dieser Instant Deposit Service ist ein weiterer hochprofitabler Dienst, der von erstaunlich vielen unterkapitalisierten Verkäufern gerne in Anspruch genommen wird.

 

4. Square Caviar

Auf den ersten Blick etwas deplatziert im Portfolio wirkt der unter dem Namen Caviar firmierende Lieferservice für Restaurants. Hier übernimmt Square aber nicht nur die Auslieferung der Mahlzeiten, sondern i.d.R. wird auch das Payment-Processing übernommen und im Bedarfsfall eben auch ein Kredit bereitgestellt.

 

Square ist Big Data

Die große Stärke von Square ist, dass man – nicht nur für Restaurants – viele Services aus einer Hand anbieten kann. Der Kunde bekommt das Rundum-Sorglos-Paket und stellt im Gegenzug all seine Daten zur Verfügung, die Square nutzen kann, um weitere Services anzubieten. Während Square die Zahlungen für seine Verkäufer verarbeitet, kann es z.B. eine Datenbank aufbauen über die Transaktionen der Endkunden eines Verkäufer.

Auf dieser Basis gibt es nun auch ein CRM (Customer Relationship Management) Angebot, das von unschätzbarem Wert für die Square-Verkäufer sein dürfte, die i.d.R. selbst kein eigenes CRM-System besitzen. Die Monetarisierung dieser CRM-Daten hat gerade erst begonnen.

Ich sehe in Square mittlerweile generell mehr ein Big-Data-Technologieunternehmen als einen Finanzdienstleister.

 

Das Wachstum beschleunigt sich

Square wächst trotz seiner beachtlichen Größe (der letzte Quartalsumsatz war $257 Mio.) mit über 40% p.a. und das Wachstum hat sich in den letzten beiden Quartalen sogar noch beschleunigt.  Dies liegt auch daran, dass in letzter Zeit neben den Kleinunternehmern wie Taxifahrern + Coffee-Shops zunehmend immer mehr größere Unternehmen die Services nutzen.

Diese wichtige Kundengruppe mit mehr als $500.000 Umsatz wuchs zuletzt sogar um 64% gegenüber dem Vorjahr. Besonders spannend finde ich, dass auch die größeren Kunden offenbar ohne teure Vertriebsorganisation gewonnen werden sondern quasi im Self-Service onboard kommen. Das ist erstaunlich und spricht für den großen Mehrwert, den auch dieses Kundensegment durch die Square-Services generiert.

Square legt daher folgerichtig auch immer mehr Fokus auf die Bedürfnisse von größeren Kunden. Mit „Build with Square“ stellt man nun mehr und mehr Schnittstellen bereit und entwickelt sich zu einer offenen Plattform, so dass auch andere Systeme und Partnerlösungen relativ einfach integriert werden können.

Ziel ist ganz klar das perfekte Omnichannel-Management, also die Unterstützung von allen Geschäfts-Transaktionen – egal ob diese Käufe online am PC oder via Smartphone oder aber auch offline im Geschäft oder am Marktstand erfolgen.

 

Der Cashflow-Breakeven ist erreicht

Square ist bereits seit einigen Quartalen cash-flow-positiv und generierte immerhin $130 Mio. an operativem Cashflow in den ersten 9 Monaten 2017.

Unterm Strich stehen aber immer noch rote Zahlen, der Fokus liegt hier noch ganz klar auf Umsatzwachstum und nicht auf kurzfristige Profitabilität. Dennoch hat sich die EBITDA-Marge deutlich verbessert in den vergangenen Quartalen, neue Investments werden nur eingegangen, wenn sie sich innerhalb von 9-12 Monaten rechnen.

 

Der Teilzeit CEO

Leider ist das erst in 2009 gegründete Unternehmen zumindest in USA schon länger kein Geheimtip mehr für Hightech-Investoren. Der CEO Jack Dorsey ist schon seit langem als Mit-Gründer von Twitter eine schillernde Figur im Silicon Valley. Seine aktuelle Doppelrolle als CEO an der Spitze bei Twitter und Square wird von vielen Beobachtern kritisch gesehen.

Dem Erfolg von Square hat diese Doppelbelastung des CEO bisher jedenfalls offenbar nicht geschadet. Im Gegenteil: Square wurde in den vergangenen Tagen erstmals höher bewertet als Twitter – und das völlig zurecht wie ich meine. Aber das ist ein anderes Thema.

 

Die Square-Aktie

Die Square-Aktie ist seit Ende 2015 börsennotiert. Sie war trotz einer längeren Seitwärtsbewegung in 2016 schon kein Schnäppchen als ich Square Anfang 2017 in mein High-Tech Stock Picking wikifolio aufgenommen habe. Seitdem hat das Unternehmen die eigenen Erwartungen an den Geschäftsverlauf jedes Quartal übertroffen. Die Square-Aktie ist seit Jahresbeginn (auf USD-Basis) um ca. 200% gestiegen und mittlerweile mit einer Marktkapitalisierung von $15 Mrd. bei einem Umsatz von ca. $1 Mrd. doch sehr sehr teuer geworden.

Square-Aktie
Square-Aktie im Jahreschart

Ich traue dem Unternehmen zu, langfristig unabhängig zu bleiben und sich in eine ganz neue Größenordnung zu entwickeln. Aber der aktuelle Kurs der Square-Aktie von ca. 40$ nimmt sehr viele gute Nachrichten vorweg. Ein Rückschlag ist vorprogrammiert und dürfte umso heftiger ausfallen je länger diese Rallye andauert.

Sollte sich das Wachstum im nächsten Quartal nur etwas verlangsamen (was gut möglich ist angesichts der immer größer werdenden Ausgangsbasis), so ist der Kurs der Square-Aktie akut absturzgefährdet. Ich habe daher auch bereits Gewinne mitgenommen und rate nicht zu einem Einstieg zu den aktuellen Preisen.

Ich habe die Hoffnung, dass sich nochmals eine erheblich bessere Einstiegsmöglichkeit eröffnen wird. Denn die Börse ist bekanntlich keine Einbahnstrasse… auch bei einem perfekt positionierten Unternehmen wie Square.

Und dann gibt es ja auch noch den rasant wachsenden Wettbewerber Shopify: Das ist ein aus dem E-Commerce kommendes kanadisches Unternehmen, welches ebenfalls mit seinen Services im Omnichannel-Management tätig ist und zukünftig mehr und mehr mit Square in Wettbewerb treten wird. Wenn Du noch mehr über die laufende Digitale Transformation im Handel und seine Player erfahren willst, dann findest Du hier auf dem High-Tech-Investing-Blog die entsprechende Investmentstory.

Bis zum nächsten Mal sagt,
Stefan Waldhauser

Stefan Waldhauser
Über Stefan Waldhauser 3 Artikel
Stefan Waldhauser ist Investor, Fonds-Partner, wikifolio-Manager und Blogger (www.high-tech-investing.de) mit 30 Jahren Börsenerfahrung. Stefan hat sein eigenes Unternehmen ins Silicon Valley verkauft und durch regelmässige Aufenthalte dort einen tiefen Einblick in die High-Tech-Szene gewonnen. Sein Digital Leaders Fund: https://thedlf.de

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