Die Deutsche Telekom wartet auf grünes Licht der Wettbewerbshüter für ihren jüngsten Zukauf in Polen. Vor gut einer Woche hatte der Konzern die Übernahme der Glasfaser- und Breitbandanbieter Fiberhost und Inea von Macquarie Asset Management bekanntgegeben. Der Deal steht unter Kartellvorbehalt, der Abschluss wird für Ende 2026 erwartet.

Zwei Firmen, ein Netzausbau-Schub

Mit dem Kauf sichert sich die Deutsche Telekom Zugriff auf ein Unternehmen mit rund 300.000 Kunden (Inea) sowie einen Glasfasernetzbetreiber, der 1,4 Millionen Haushalte erreicht (Fiberhost).

Der Unternehmenswert der Transaktion liegt bei rund einer Milliarde Euro. Damit erweitert der Bonner Konzern seine Position im polnischen Breitbandmarkt deutlich, bevor die Übernahme überhaupt formal abgeschlossen ist – vorausgesetzt, die Kartellbehörden stimmen zu.

Der Zukauf reiht sich in eine Phase ein, in der die Deutsche Telekom operativ stark unterwegs ist. Im zweiten Quartal 2026 erzielte der Konzern einen Nettoumsatz von 29,9 Milliarden Euro, das organische Wachstum lag bei 3,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das bereinigte EBITDA nach Leasing kletterte auf 11,8 Milliarden Euro und übertraf damit den Konsens von 11,7 Milliarden Euro.

Auf dieser Basis hob das Management die Jahresprognose an: Der freie Cashflow nach Leasing soll 2026 nun bei rund 20,0 Milliarden Euro liegen, zuvor war von über 19,8 Milliarden Euro die Rede gewesen. Beim bereinigten EBITDA peilt der Konzern für das Gesamtjahr rund 47,5 Milliarden Euro an, ein Plus von 6 Prozent zu konstanten Wechselkursen.

Deutschland liefert seit über neun Jahren

Im Heimatmarkt setzte die Deutsche Telekom ihre Wachstumsserie fort: Das EBITDA legte bereits im 39. Quartal in Folge zu. Die mobilen Serviceumsätze wuchsen um 2,4 Prozent, die Breitbanderlöse um 1,9 Prozent.

Beim Glasfaserausbau gewann der Konzern im zweiten Quartal 161.000 neue Kunden hinzu, ein Plus von 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr, während gleichzeitig 20.000 klassische Breitbandkunden abwanderten – ein Effekt, der beim Umstieg auf schnellere Netze üblich ist.

US-Fusion vom Tisch, T-Mobile US läuft dennoch rund

Für Diskussionsstoff sorgte Anfang August die Nachricht, dass T-Mobile US Pläne für eine mögliche Fusion mit der Deutschen Telekom im Volumen von rund 300 Milliarden US-Dollar nicht mehr unterstützt. Als Gründe wurden Bedenken der Aktionäre sowie regulatorische Hürden genannt. Institutionelle Minderheitsaktionäre von T-Mobile US hatten zuvor bereits Widerstand gegen ein solches Vorhaben signalisiert.

Operativ blieb die US-Tochter davon unberührt: Im ersten Halbjahr 2026 wuchs das organische EBITDA um 9,6 Prozent, die Postpaid-Kundenbasis legte um 0,5 Millionen Konten zu. Der Serviceumsatz nach US-GAAP stieg um 8,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

KI-Infrastruktur und Netzqualität als weitere Bausteine

Auch abseits von Zahlen und Übernahmen setzte die Deutsche Telekom Akzente: Die gemeinsam mit NVIDIA betriebene Industrial-AI-Cloud in München läuft mit 10.000 GPUs bereits voll ausgelastet. Bei einer Netzqualitätsbewertung von Ookla erhielt der Konzern alle elf verfügbaren Auszeichnungen.

Für Anleger stehen als nächste Termine der AI Investor Day am 5. Oktober sowie die Vorlage der Zahlen zum dritten Quartal am 5. November im Kalender. Bis dahin dürfte die Kartellprüfung zum Polen-Deal einer der zentralen Punkte auf der Beobachtungsliste bleiben.