Deutsche Post Aktie im Abwärtstrend oder Kaufchance?

 

Die Aktie der Deutschen Post AG hat jüngst nicht gerade positive Signale an die Anleger gesendet. Im Gegenteil – es kam zu einer Gewinnwarnung. Die Aktie rangiert beim Blick auf die DAX-Werte der letzten Monate sogar unter den Schlusslichtern. Was war hierfür der Grund und bietet sich damit eine antizyklisches Kaufchance an? Folgende Analyse soll Ihnen als Trader und als Anleger eine mögliche Entscheidungsgrundlage liefern.

 

Deutsche Post Aktie als Underperformer

Auch heute ist die Deutsche Post AG erneut einer der Werte, welche auf der DAX-Top-Flop-Liste im roten Bereich steht. Damit summiert sich der Verlust binnen einer Woche bereits auf minus 9 Prozent und auf Sicht eines Monats auf 12 Prozent. Schaut man noch weiter in der Entwicklung zurück, so steht die Deutsche Post Aktie im laufenden Jahr mit einem Minus von 24 Prozent in den roten Zahlen.

Dies war nicht immer so – im Gegenteil. Man konnte in den Jahren 2016 und 2017 durchaus positive Nachrichten und entsprechende Performance in der Aktie sehen. Die Phantasie rührte vor allem aus der Paketsparte, denn ein zunehmender Onlinehandel steigert hier den Umsatz und bei „guter Kalkulation“ auch das Ergebnis. Dieser Geschäftsbereich war somit der Treiber für das Momentum in der Aktie. Die weitere Sparte, das Briefsegment, wurde jedoch nun zum Sorgenkind. Hier schrumpfen die Erträge bei gleichbleibenden hohen Fixkosten. Denn auch wenn weniger Briefe im Zeitalter von Whatsapp und Email versendet werden, gibt es den freundlichen Briefträger von nebenan weiterhin, welcher auch sein Gehalt verdienen möchte und ein Fahrzeug pflegt etc..

Damit kommen wir auch schon zu den Problemen, die auf dem Kurs der Deutschen Post AG lasten.

 

Hintergründe der Entwicklung

Die Probleme im Briefsegment sind so gravierend, dass für den gesamten Konzern am vergangenen Freitag eine Gewinnwarnung ausgegeben wurde. Es sollen in diesem Jahr nur noch 3,2 Milliarden Euro im Ebit erwirtschaftet werden, nach vorab prognostizierten 4,15 Milliarden Euro. Daraufhin war die Aktie der Tagesverlierer im DAX mit 9 Prozent, wie das Manager-Magazin berichtete.

Die Prognosesenkung kam völlig überraschend“, sagte ein Händler. „Dass das Briefgeschäft nicht gut läuft, war bekannt, aber dass es so schlecht ist, wurde nicht erwartet.

 

Die Gewinnwarnung geht nicht nur mit Einsparungen einher, sondern vielmehr auch mit Investitionen in eine bessere Zukunft. Bis zu 150 Millionen Euro sollen laut dem Management für Produktivitätserhöhungen bereitgestellt werden. Sicherlich eine Investition in die Zukunft, denn das Einsparpotenzial durch Digitalisierung und Automatisierung ist pro Jahr dann entsprechend in selber Höhe bis leicht höher anvisiert.

Veraltete Strukturen im Briefgeschäft sollen ebenfalls dem Zeitgeist angepasst werden. Dafür stehen bis zu 500 Millionen Euro bereit, welche pro Folgejahr dann bis zu 200 Millionen Euro Einsparpotenzial bergen. Im Jahr 2020 soll der operative Gewinn dann bei über 5 Milliarden Euro stehen. Ein kalkulatorisch guter Ansatz, der die Aktionäre eigentlich überzeugen sollte. Wenn dazu noch die Portoerhöhung im kommenden Jahr genehmigt wird, könnte die Lage nicht besser sein. Immerhin sollen damit die Erlöse um 44 Prozent nach oben geschraubt werden. Spiegelt sich die im Chartbild wider?

 

Chartanalyse Deutsche Post AG

Die Tendenz mit den entsprechenden Performance-Kennzahlen hatte ich bereits im ersten Ansatz beziffert. An dieser Stelle folgt der Blick auf die letzten 6 Monate im Chartbild von finanztreff.de:

 

Trend in der Deutschen Post Aktie im Jahr 2018
Trend in der Deutschen Post Aktie im Jahr 2018

 

Der Bereich um 30 Euro scheint hier auf den ersten Blick Käufer anzulocken. Man muss dies jedoch etwas längerfristig einrahmen und kommt beim Blick auf den 5-Jahreschart auf eine Zone zwischen 28 und 30 Euro, in der die Deutsche Post Aktie interessant scheint:

 

Langfristiger Chart der Deutschen Post AG Aktie mit Unterstützung
Langfristiger Chart der Deutschen Post AG Aktie mit Unterstützung

 

Hier verlief das Hoch aus den Jahren 2014 bis 2016 immer wieder und eine Konsolidierungsphase zu Beginn des Jahres 2017. Erst danach kam Phantasie in die Aktie und bescherte ihr mit 40,99 Euro auf XETRA am 18.12.2017 ein Allzeithoch.

Von diesem Hochpunkt fiel die Aktie somit um rund 25 Prozent und kommt nun dieser Unterstützung sehr nah. Ein klassisches Kaufsignal liegt nicht vor, kann jedoch aus trading-technischer Sicht hier im kurzfristigen Chartbild gesucht werden. Ziel wäre hier ein erster Pullback bis zur 38-Tagelinie. Diese ist rund 13 Prozent vom Kurs entfernt. Die 200-Tagelinie ist, für Ihre Orientierung, genau 19 Prozent entfernt. Beide Linien sind im Chartbild 3 eingezeichnet:

 

Indikatoren (Durchschnitte) im Chartbild der Post AG Aktie
Indikatoren (Durchschnitte) im Chartbild der Post AG Aktie

 

Aus dieser Sichtweise heraus ist die Aktie mittelfristig zwar noch immer im Abwärtstrend, kann aber im angedeuteten Bereich durchaus einen Boden ausbilden. Gerade das dürfte für Trader spannend sein.

Anleger mit einem längeren Zeithorizont sind mit der Schätzung von 1,20 Euro Dividende in 2018 und 1,30 Euro in 2019 recht gut bedient. Denn damit errechnet sich die Dividendenrendite auf knapp 4 Prozent. Im Vergleich zur Peer Group von unter 3 Prozent ist damit die Deutsche Post AG eines der attraktiveren Investments.

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Fazit der Deutschen Post Analyse

Die Aktie bleibt in meinen Augen ein Basisinvestment im DAX. Auch als nicht so klassischer Wachstumswert stimmt das Geschäftsmodell und können die Aussichten mit ein paar Feinjustierungen, wie gerade geplant und zur Umsetzung anstehend, weiterhin überzeugen. Ohne Logistik geht es auch in der schönen Online-Welt nicht. Aus diesem Grund sehe ich die Aktie bei Schwäche durchaus als Kaufkandidaten an.

 

Bilden Sie sich jedoch Ihre eigene Meinung, dies soll nur als Anregung gedacht sein.

Ihr Andreas Mueller (Bernecker1977)

Bernecker1977
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Bernecker1977 ist der Trader, Referent und Coach Andreas Mueller. Er handelt seit rund 20 Jahren Indizes, Devisen und Rohstoffe an der Börse mit Futures, Derivaten und CFDs und ist nicht nur auf wallstreet-online bereits seit dem Jahr 2005 in den "Tages-Trading-Chancen" Ansprechpartner für alle börsenrelevanten Fragen.

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