Warum 99% Retail Trader an der Börse ihr Geld verlieren

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

in meinem letzten Interview mit Statistic-Trading habe ich Retail Trader in keinem guten Licht dar stehen lassen. Das möchte ich in diesem Artikel auch gar nicht ändern, sondern Ihnen einen Ausweg aus einer scheinbar unterlegenen Position zeigen. Sie mögen sich nun fragen wieso Sie denn genau unterlegen sein sollten? Gut dann haben Sie bereits den ersten Schritt in die richtige Richtung getan.

 

Problem Nummer 1: Informationen im Trading

Im Zeitalter der Digitalisierung stehen uns unglaubliche Mengen an Informationen zur Verfügung. Das Problem ist nun allerdings die Qualität dieser Informationen. Denn im Internet darf bekanntlich jeder Mensch seine Meinung frei äußern und dabei fällt eines doch ganz besonders auf: Menschen mit besonders wenig Ahnung haben besonders viel Meinung.

Dieses Phänomen findet man ganz besonders häufig in diversen Facebook-Gruppen und sonstigen Foren. Ich gebe zu, dass mich das Verhalten dieser Personen, welche schon sehr den damaligen Marktschreiern ähneln, sehr amüsiert und ich mich täglich dabei ertappe wie ich mit breitem Grinsen im Gesicht deren Texte lese. Hier kann ich Ihnen nur einen wirklich guten Tipp geben: Treffen Sie keine Anlageentscheidungen auf Basis irgendwelcher Facebook-Posts.

Machen Sie sich doch mal den Spaß und überprüfen Sie die Aussagen von diesen Personen und Sie werden schnell merken wie wenig diese doch in Wirklichkeit wissen, frei nach dem Motto „Vertrauen Sie nur der Statistik welche Sie selbst gefälscht haben“.

Als intelligenter Mensch und so schätze ich die Menschen der Statistic-Trading Community ein, werden Sie vermutlich sagen, dass Sie doch nicht so blöd sind und sich ausschließlich mittels Facebook-Trading Wissen aneignen.

Diese Denkweise ist schon mal sehr gut, nur leider zeigt sich dasselbe Phänomen auch bei der deutschsprachigen Trading-Literatur. Bücher über den Börsenhandel werden von Journalisten und Hobby-Tradern geschrieben und publiziert, was per se nicht schlimm ist. Das Problem hierbei ist nur leider das diese Personen nicht wirklich besser oder intelligenter sind als Sie selbst.

Selbstverständlich möchte ich an dieser Stelle keine Namen nennen, aber wenn Sie sich damit rühmen mit Aktien Gewinn gemacht zu haben, so ist dies in einem 10-jährigen Bullenmarkt per se keine Leistung, auch wenn man dabei und ich sage es bewusst, „zufällig“ den Index outperformed hat.

Auch bei seriösen Autoren sind die Bücher teilweise alles andere als zielführend. Hier werden, zum Beispiel, Chartmuster gezeigt und erklärt, allerdings kein Wort darüber verloren, ob und wenn ja, wie statistisch signifikant diese überhaupt sind.

Sie merken sicherlich schon worauf dieser Artikel hinaus läuft und zwar auf eine Menge Arbeit für, genau, Sie!

Denn diese ganze Arbeit werden Sie sich machen müssen, wenn Sie an der Börse erfolgreich werden möchten. Sie können keine Strategie verfolgen, dessen Erfolgsaussichten Sie nicht kennen. Selbstverständlich kann man Strategien bei diversen Coaches käuflich erwerben und damit wären dann auch bei Problem Nummer zwei.

 

Problem Nummer 2: Trading Coaches

Leider sind viele Trading Coaches selbst überhaupt nicht profitabel, sie haben es teilweise auch gar nicht vor zu sein. Denn das einzige woran diese interessiert sind ist Ihr Geld!

Dies machen sie über zwei Wege (oder mehr): 1. Natürlich die „Ausbildungsgebühr“ welche Sie entrichten, damit Sie deren Wissen erhalten dürfen. 2. Und das ist eines der riesen Probleme, über den Broker welchen sie Ihnen natürlich vermitteln.

Hier müsste man Sie auf einen Interessenskonflikt hinweisen, denn der Coach erhält eine Vergütung für den von Ihnen getätigten Handel, was per se natürlich nicht schlimm ist. Nun stellt sich aber die Frage ob er Ihnen eine Strategie beibringt die Ihnen nützt, oder die dem Broker und letztlich auch dem Coach nützt.

Leider muss ich Ihnen sagen, dass es mit hoher Wahrscheinlichkeit letzteres ist. Besonders „asozial“ ist, dass die Coaches sogar an Ihrem Verlust verdienen.  Sie werden sich nun sicherlich Fragen wie das denn bitte gehen soll. Nun das ist ganz einfach: Der Broker und der Coach schließen einen IB Vertrag  indem er zum Beispiel 40% Ihres Verlustes als Vergütung erhält, nun bildet er Sie mit einer nicht funktionierenden Strategie aus. Der Broker leitet dann die Order des Kunden gar nicht in den Markt weiter, sondern nimmt diese einfach auf Buch, da er ja bereits im Vorfeld weiß das er gewinnt. Dazu möchte ich Ihnen die folgende (sehr passende) Grafik von Herrn Anton Kreil (ex- Goldman Sachs) nicht vorenthalten:

Retail Trader an der Börse(Quelle: Youtube „Anton Kreil Annihilates Retail Brokers and „Trading Educators““)

 

Diese verdeutlicht sehr gut was in der deutschen und internationalen Trading-Szene falsch läuft. Denn gerade die Leute, an die Sie sich wenden, haben überhaupt kein Interesse Ihnen zu helfen. Diese sind nichts weiter als die Marionetten der Retail Broker und werden sich auch immer so verhalten. Es wird also Zeit Ihren eigenen Weg zu beschreiten und wie machen Sie das? Natürlich mit einer eigenen Strategie, aber wie? Und damit wären wir beim dritten Problem.

 

Problem Nummer 3: Die Strategie-Erstellung

Einen guten Handelsansatz finden ist sicherlich nicht die leichteste Aufgabe. Nach was soll man nur handeln? EMA, Fibonacci oder doch Pitchfork? Dabei sollten Sie erst einmal ein paar grundlegende Sachen klären: Welches Asset möchten Sie handeln? In welchem Timeframe möchten Sie handeln?

Wenn man diese Fragen geklärt hat kann man sich nach einem interessanten Ansatz umschauen, hat man diesen gefunden beginnt die ganze Arbeit. Jetzt heißt es Regeln definieren und auswerten. Dies wiederholt man nun so lange bis man einen vermutlich funktionierenden Ansatz gefunden hat.

Hat man einen profitablen Ansatz gefunden geht die Arbeit munter weiter: Monte-Carlo-Simulation, Out-of-Sampletest, H-0-Hypothesentest und verschiedene Stop-Loss Mechaniken sind dabei nur ein Teil der Arbeit.

Konnte man damit die Profitabilität seiner Strategie nachweisen beginnt der Demo-Test, hier wird die Strategie erst einmal auf eventuelle Fehler geprüft. Sollte dieser positiv verlaufen kann man sich mit dem Handelssystem auf ein kleines Live-Konto wagen.

Passen auch hier wieder die Ergebnisse kann man die Kontogröße erhöhen und die Strategie konsequent umsetzten. Sollten sie es bis hierhin geschafft haben, darf ich Sie im Kreis der Systemhändler begrüßen. Sie gehören jetzt vermutlich zu den ca. 3-5% der Retail Trader, die Geld verdienen. Herzlichen Glückwunsch!

Allerdings dauert es erfahrungsgemäß einige Jahre bis sie vom Ansatz finden bis zum Live-Handel kommen, zumindest beim ersten Mal. Sollten Ihnen dieses Prozedere zu mühsam sein beenden Sie bitte sofort Ihre Trading-Kariere, Sie werden mit 99%iger Wahrscheinlichkeit Geld verlieren. Trading ist kein Freizeitvergnügen sondern ein Beruf und wenn Sie davon profitieren möchten sollten Sie auch mit einer engagierten und professionellen Einstellung an das Thema heran treten. Denn Sie werden es auch schon so schwer genug haben.

 

Problem Nummer 4: Der Broker

Ewiges Leidthema Broker. Als Retail Trader können Sie weder mit ihm noch ohne ihn. Bitte vergessen sie nicht: Der Broker ist nicht ihr Freund, egal wie nett ihr Sachbearbeiter ist! Er möchte nur eines und das ist Geld verdienen. Dabei ist es einem guten Broker egal ob Sie gewinnen oder verlieren. Wichtig ist, dass er Ihre Ordern sauber und schnell ausführt. Achten sie darauf, dass der Broker einen Sitz innerhalb der EU oder USA hat!

Ich sehe generell Webinare und Trading-Wissen von Brokern sehr kritisch. Es existieren in seltenen Fällen auch Ausnahmen. Sie können sich dort sicherlich die eine oder andere Technik und/oder Ansatz abschauen, aber denken Sie immer darüber nach wem dieses Wissen nützt: Ihnen oder ihrem Broker? Auch hier wird es vermutlich eher letzteres als ersteres sein.

 

Fazit zu Retail Trader an der Börse:

Machen Sie sich unabhängig! Lernen Sie wie Sie selbstständig Strategien und Handelsansätze entwickeln, testen und umsetzten. Denn nur unabhängig und selbstständig werden Sie erfolgreich werden.

Weitere Analysen und Trading Ideen von Statistic-Trading finden Sie hier.

Über den Autor:

Marc Gründer ist 23 Jahre alt und handelt für eine bayerische Vermögensverwaltung. Der gebürtige Hannoveraner arbeitet eng mit Statistic-Trading zusammen um den Menschen einen erfolgreichen Weg an der Börse aufzuzeigen. Juri Ostaschov und Marc Gründer halten zusammen Vorträge und Seminare rund um das Thema Strategie-Entwicklung und systematischem testen von Handelsstrategien.

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Edge-Trading oder auch Fibonacci Retracements sind spezifische Ansätze im Trading, denen sich der Redakteur von statistic-trading.de auf objektive Art und Weise nähert. Tauchen Sie ein in das statische Trading mit diesen Anregungen!

    6 Gedanken zu „Warum 99% Retail Trader an der Börse ihr Geld verlieren

    • August 10, 2017 um 6:40 pm
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      Guter Artikel ueber das Thema.

      Ergaenzend dazu wuerde ich noch vorschlagen ueber das Thema zu schreiben:

      Wie lerne ich als Retail-Trader mit Verlusten um zugehen, da dies in der Regel das erste ist mit welchem ein Retail Trader konfrontiert ist.

      Kann er nicht mit Verlusten umgehen welche in der Natur eines Traders teil seines Berufes sein werden, dann ist jeder zum scheitern verurteit.

      Gruss / Delta_Peter

      Antwort
      • August 10, 2017 um 7:44 pm
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        So ist es Dan. Das ist DAS Thema. Verluste gehören dazu. Wer sie zwingend vermeiden will kauft nach an Tagen wie heute und geht damit oftmals unter.

        Antwort
    • August 10, 2017 um 10:39 pm
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      Neben dem in den Kommentaren erwähnten Umgang mit Verlusten, sehe ich im Retail-Trading ein weiteres großes Problem, das eventuell aus meiner Sicht vielleicht sogar je nach Retail-Trader von übergeordneter Bedeutung ist und zwar die Überhebelung.
      Nicht selten sind Hebel von 50 und mehr im Spiel. Bei manchen Brokern habe ich -so ich mich recht erinnere- eine Marginanforderung für den DAX von 0,5% gesehen, also einen Hebel von 200.
      Das kann auf die Dauer nicht gut gehen, da nur minimale zufällige Schwankungen ein Depot bei dem Hebel schnell in Schall und Rauch auflösen.

      Konkret an den Autor im Zusammenhang mit Problem Nr. 1 und 3:
      Ein „Problem der Probleme“ liegt darin, dass manche Setups in gewissen Marktphasen eben statistisch signifikant(er) sind als in anderen Phasen bzw. in manchen Trendphasen gar keine Signifikanz aufweisen. Zusätzlich ist mir auch aufgefallen, dass ein Setup trotz bestehender Markt- oder Trendphase (also beispielsweise innerhalb eines mittelfristig intakten Aufwärtstrends) an Signalwirkung verliert oder zunimmt, womit praktisch ein Zwang besteht, eine gewisse Anpassung stets zu vollziehen. Das mag vielleicht im klassischen Portfoliomanagement nicht so sehr zum Tragen kommen, im Day-Trading und/oder Swing-Trading mit höheren Hebeln dafür umso mehr.
      Ungeachtet dessen, würde mich einmal allgemein interessieren, welche Literatur der Autor aus seiner Sicht empfehlen würde, im Hinblick auf die Kritik bezüglich seriöser Autoren.

      Antwort
      • August 11, 2017 um 5:24 am
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        Überhebelung ist echt ein weiteres Thema. Dazu noch die extremen Kursschwankungen die angenommen werden. Den einen Tag sehen viele 13.000, dann 10.000.

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    • August 11, 2017 um 2:07 pm
      Permalink

      Ich bin zwar nicht der Autor des obigen Artikels und sofern erlaubt von“Deepinsidehps“, gehe ich aber gerne ein wenig ein auf die angesprochene Thematik:

      Was sind oder wie kann man serioese oder gut qualifizierte Autoren ueber das Thema „Handel mit Derivativen“ erkennen?

      Wenn jemand keine Erfahrung im Handel mit Derivativen jeglicher Art hat, sich aber in Ausbildung befindet und zumindest einen bezahlten oder besser noch einen privaten, professionellen Mentor hat, sollte man zu allerst mal diese Person nach solchen Quellen Fragen.

      Im Normalfall wird man auf diese Art und Weise am schnellsten an solche Autoren gelangen, da wenn der Ausbildner oder Mentor wirklich gut ist, wird er auch aus verschiedenen. professionellen Quellen berichten, lehren und informieren, im besten Fall sogar zitieren.

      Eine weitere Moeglichkeit ist jemandem zu vertrauen der mal Einblick gibt in seine private Bibliothek und dann jedes einzelne empfohlene Buch mal ab checkt ob es auf dem jeweiligen Wissenslevel verstanden wird und dazu auch Ergaenzungen/Erweiterungen bietet. Zur Ueberpruefung ist Google absolute geeignet sofern man ueberhaupt willens ist sich diese Zeit zu nehmen.

      Auch kann man in einem guten Trading Forum Leute finden die ganze Abhandlungen ueber einzelne Themen schreiben, dies ohne Verpflichtung gegen ueber einem Broker, sonder einfach aus Interesse und Spass am Lernen.

      Hat man absolute niemanden von solch einem Kaliber „at hand“, dann werden nur klar definierte Kriterien helfen solche Autoren uebers Net oder in Buchhandlungen oder UniBibliotheken zu finden.

      Hier ein paar Ideen die man umsetzten darf:

      – Hat der Autor Anerkennung in der Tradingzunft? (Das kann auch in einem Forum sein wo seine Artikel absolute Anerkennung und viel Nachfrage aufweisen, da nicht alle bereit sind mit ihren persoenlichen Daten oeffentlich aufzutretten)

      – Hat der Autor jemals an einer Boerse als Haendler oder als Marketmaker gearbeitet? (Es gibt Autoren die ihren Lebenslauf offen legen und somit ist dies in so einer Situation ein leichtes zu ueberpruefen)

      – Falls ich an einem Seminar war: Hat mich der Auditor ueberzeugt und welche Buecher hat er vielleicht schon geschrieben? (Immer mit dem Wissen im Hintergrund dass „Deepinsidehps“ und andere hier schon geposted haben)

      Und hier etwas fuer solche die schon einiges an Wissen und Erfahrung haben:

      – Persoenliche Fachkompetenz die es mir leicht macht zu unterscheiden ob es sich ueberhaupt lohnt sich mit diesem oder jenstem Buch und Autor tiefer zu beschaeftigen. (Macht man am Besten in dem man in eine Buchhandlung geht, dort sein Interesse an einem Buch zeigt mit den Worten dass man es zu erst einmal sichten will before man es kauft. Die meisten Buchhandlungen haben nichts gegen so etwas und treiben auch anhand dem Buecher auf die nicht in ihrem Sortiment sind.)

      Natuerlich kann man hier noch weitere Kriterien hinzu fuegen, jedem wie er es mag.

      Gruss / Delta_Peter

      Antwort
    • Pingback: Den Tradingplan umsetzen und Positionen managen – Bernecker1977 Trading-Blog

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